
Jan Benzien und Franz Anton erstarrten regelrecht in ihrem Boot, als sie das Ergebnis auf der Anzeigetafel sahen. Platz vier, keine Medaille - nach Sideris Tasiadis und Hannes Aigner sind auch die Weltmeister aus Leipzig im Canadier-Zweier haarscharf am Podium vorbeigeschrammt. 0,34 Sekunden fehlten zu Bronze, das Duo verpasste es beim ersten und letzten gemeinsamen Olympia-Start, dem Deutschen Kanu-Verband (DKV) endlich die ersehnte Medaille in Rio de Janeiro zu schenken.
Die Cousins Ladislav und Peter Skantar aus der Slowakei, Europameister von 2014, gewannen nach einer ganz starken Vorstellung. Silber holten die britischen London-Olympiasieger David Florence/Richard Hounslow. Bronze ging an die Franzosen Gauthier Klauss/Matthieu Peche, die sich vor vier Jahren mit dem undankbaren vierten Rang hatten begnügen müssen.
Bei ihrer Abschiedsvorstellung schrieben Anton und Benzien die tragische DKV-Geschichte in Brasilien fort. Die Augsburger Tasiadis (Fünfter im C1) und Aigner (Vierter im K1) hatten an den ersten beiden Finaltagen ebenfalls hauchdünn die Medaillenränge verpasst. Aigner fehlten ganze 0,03, Tasiadis 0,46 Sekunden, und dem hochgehandelten Zweier erging es im Whitewater Stadium nicht besser.
Entscheidende Fehler im Schlussteil
Vordermann Anton und Hintermann Benzien hatten die Qualifikation (5.) und das Halbfinale (1.) souverän gemeistert, allerdings schied in jeder Runde auch nur ein Boot aus. Als Letzte gingen sie ins Wildwasser des wunderschönen Kanals im Nordwesten von Rio und begannen stark. Bestzeit an der ersten Messung, Bestzeit an der zweiten Messung. Doch im Schlussteil schlichen sich die letztlich entscheidenden Fehler ein.
Anton (26) und der acht Jahre ältere Benzien (34) hatten lange auf diesen Tag hingearbeitet. Die früheren C1-Kanuten gehen seit 2012 gemeinsam an den Start, es dauerte, bis sich die ersten Erfolge einstellten. Bei der Heim-EM im sächsischen Markkleeberg holte das Duo im Vorjahr den Titel, vier Monate später wurden sie im Lee Valley White Water Centre, Olympiastrecke von London, Weltmeister.
Entsprechend groß waren die Erwartungen für Rio. "Als Weltmeister macht man sich sportlich viel Druck und den spürt man auch von außen", hatte Benzien, 2008 bei den Spielen in Peking Zwölfter im Canadier-Einer, vor dem Beginn der Wettbewerbe gesagt. Durch die Erfahrungen von damals sei beim Comeback auf der größten Sportbühne der Welt aber dennoch "alles nicht mehr ganz so aufregend". An den Nerven lag es dann auch eher nicht.
2020 geht es wieder in Tokio um Medaillen, Sportsoldat Jan Benzien und Polizeimeister Franz Anton können dort aber nicht mehr antreten. Der C2 der Männer wird für die Gleichberechtigung durch die C1-Klasse der Frauen ersetzt.