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Wintersport: IBSF entzieht Sotschi die WM

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13. Dezember 2016, 19:10 Uhr
Wintersport
Die Skeleton-WM wird nicht in Sotchi stattfinden

Russland hat nach den jüngsten Dopingenthüllungen das erste Sport-Großereignis verloren. Der Bob- und Skeleton-Weltverband IBSF entzog Sotschi vier Tage nach der Veröffentlichung des zweiten McLaren-Reports die Weltmeisterschaften. Das gab die IBSF am Dienstagabend nach einer Sitzung ihrer Exekutive auf ihrer Website bekannt.

Ein Ersatzort für die Titelkämpfe, die vom 13. bis 26. Februar geplant sind, soll in den kommenden Tagen bekannt gegeben werden. Großer Favorit ist Deutschland mit der Bahn am Königssee. "Es gibt entsprechende Signale. Ich glaube, die IBSF ist sehr fixiert auf Königssee", sagte Thomas Schwab, Generalsekretär im Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD), dem SID: "Wir sind bekannt dafür, solche Herausforderungen anzunehmen. Wir prüfen die Machbarkeit, und ich hoffe, bis Freitag ist alles perfekt."

Als Strafmaßnahme will der Weltverband, in dessen Exekutive auch der Russe Georgi Bedschamow sitzt, den Entzug nicht verstanden wissen. "Das IBSF-Exekutivkomitee war der Auffassung, dass es in dieser schwierigen Zeit nicht ratsam ist, eine solche Veranstaltung in Russland zu organisieren", hieß es in einer Mitteilung.

 

IBSF will Fokus auf den Sport

Die IBSF erklärte weiter, man wolle es Athleten und Trainern aller Länder ermöglichen, in einem Umfeld zu konkurrieren, das sich "auf den Sport konzentriert und nicht auf Anklagen und Diskussionen - ob berechtigt oder nicht". Der russische Bob- und Skeleton-Verband habe viel Arbeit in die Organisation der Weltmeisterschaft investiert, aber "das aktuelle Klima würde es nahezu unmöglich machen, die Leistungen des Organisations-Komitees oder die Bahn als eine der Besten der Welt wertzuschätzen".

Schwab vermutet hinter der Kommunikation der IBSF auch "rechtliche Erwägungen", die Angst vor möglichen Schadenersatzzahlungen dürfte groß sein. Das Statement sei aber laut Schwab "auch so Zeichen genug".

In der Tat ließen finanzielle Forderungen aus Russland nicht lange auf sich warten. "Jetzt kommt es darauf an, Schadensersatz zu fordern, denn das Organisationskomitee investierte Gelder, Zeit und Anstrengungen, und das alles sollte bezahlt werden", sagte Dimitri Swischtschev, für den Sport zuständiger Abgeordneter in der Duma, am Dienstagabend der Nachrichtenagentur TASS. Er sprach von einem "schlechten Signal", dem "andere Verbände folgen" könnten. Der russische Bobverband solle "seine Positionen in Gerichtssälen und durch persönliche Kontakte verteidigen". Sotschi war 2013 zum Ausrichter gewählt worden.

Dimitri Peskow, Sprecher von Präsident Wladimir Putin, sagte der Agentur R-Sport, man bedauere die Entscheidung "enorm". "Wir sind überzeugt, dass es sich um eine politische Entscheidung handelt, die auf Aussagen ohne Beweis beruht."

Russische Politiker hatten sich zuletzt noch über die lettische Ankündigung eines WM-Boykotts lustig gemacht. Der Duma-Abgeordnete Igor Lebedew sagte: "Niemand stirbt im Weltsport, wenn Lettland nicht zur WM nach Sotschi kommt. Wer kann ihnen schon folgen? Litauen? Estland? Bringt mich nicht zum Lachen!" 

1000 Sportler von Doping-System profitiert 

Der zweite McLaren-Report hatte ein staatlich gestütztes Dopingsystem in Russland bestätigt. Insgesamt sollen über 1000 Sportler von der Doping-Vertuschung profitiert haben, unter anderem bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi.

Der Skeleton-Verband Lettlands hatte am Montag bereits angekündigt, eine WM in Sotschi zu boykottieren. Mehrere andere Ländern diskutierten denselben Schritt und erhöhten damit den Druck auf die IBSF. Noch am Dienstagmittag hatte sich Österreich positioniert und ebenfalls einen Boykott erwogen.

"Unter Umständen ist ein WM-Boykott schon vorstellbar", da WM-Gastgeber Russland des Staatsdopings "praktisch überführt" sei, sagte ÖBSV-Präsident Roman Schobesberger dem Standard. Dass die WM ausgerechnet in Sotschi stattfinden soll, sei "ein weiteres Problem".

Weitere Weltverbände könnten nun der IBSF folgen. Das Weltcup-Finale der Langläufer soll nach jetzigem Stand noch im westsibirischen Tjumen stattfinden. Dort ist auch die Biathlon-WM 2021 geplant, der Weltverband IBU will aber erst nach dem Studium des zweiten McLaren-Reports eine endgültige Zusage geben.

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