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FIFA-Skandal: Weltverband sperrt festgenommene Funktionäre - UEFA will Wahl verschieben

Zu den Kommentaren3 Kommentare   |   Quelle: sid
27. Mai 2015, 20:32 Uhr
Walter de Gregorio
Walter de Gregorio gab sich alle Mühe, die Fragen der Journalisten zu beantworten

Die FIFA versinkt komplett im Chaos und steht endgültig vor der Zerreißprobe: Nach den sieben Festnahmen von hochrangigen Funktionären des Weltverbands durch die Kantonspolizei Zürich und den erneuten Korruptionsermittlungen will die UEFA die wahrscheinliche Wiederwahl von Präsident Joseph S. Blatter am Freitag mit aller Macht verhindern - notfalls mit einem Boykott.

"Die Vorgänge sind ein Desaster für die FIFA und trüben das Image des gesamten Fußballs", teilte die UEFA nach einem außerordentlichen Treffen der eigenen Exekutive mit DFB-Präsident Wolfgang Niersbach mit: "Der kommende Kongress droht zu einer Farce zu werden - die europäischen Verbände müssen sich genau überlegen, ob sie überhaupt teilnehmen." Das "System FIFA" würde, "wenn es nicht gestoppt wird, den Fußball töten".

Neben den Festnahmen, die zu vorläufigen Sperren von zwei FIFA-Vizepräsidenten (!) führten, erschütterten weitere, davon unabhängige Ermittlungen zu den Vergaben der Weltmeisterschaften 2018 (Russland) und 2022 (Katar) den Weltverband. Die Schweizer Bundesanwaltschaft forderte im FIFA-Hauptquartier wegen des Verdachts auf Geldwäscherei und Schmiergeldzahlungen die Aushändigung mehrerer Dokumente. Den Kongress will die FIFA dennoch ausrichten.

"Wir verstehen den Ärger, den einige Personen heute geäußert haben und können nachvollziehen, dass die Ereignisse des Tages einen Einfluss darauf haben werden, wie uns die Menschen sehen", sagte Blatter, der in seine fünfte Amtszeit gewählt werden, ohne genau auf die Vorwürfe einzugehen. Die FIFA begrüße die Ermittlungen - "wie unglücklich diese Ereignisse auch sind".

 

Vize-Präsidenten unter den Festgenommenen

Unter den Festgenommenen, denen Geldwäsche, die Annahmen von Bestechungsgeldern sowie Korruption bei WM-Vergaben und TV-Rechten vorgeworfen wird, sind die Vizepräsidenten Jeffrey Webb (Kaimaninseln) und Eugenio Figueredo (Uruguay). Zudem wurden Eduardo Li, Julio Rocha, Costas Takkas, Rafael Esquivel und José Maria Marin abgeführt. Die Ethikkommission reagierte und sperrte alle vorläufig von jeglichen Aktivitäten im Fußball.

"Sie haben dem Fußball großen Schaden zugefügt, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen und sich selbst zu bereichern", sagte US-Justizministerin Loretta Lynch, auf deren Amtshilfegesuch die Schweizer Polizei gehandelt hatte und die zudem Schmiergeldzahlungen bei der WM-Vergabe an Südafrika (2010) andeutete: "Wir werden diesen Praktiken und der Korruption ein Ende setzen und die Schuldigen zur Rechenschaft ziehen."

Insgesamt sind 14 Personen in dem US-Verfahren angeklagt, darunter der für Korruption bekannte Jack Warner aus Trinidad und Tobago ("Ich bin unschuldig."), der wie auch Chuck Blazer und Daryll Warner ebenfalls gesperrt wurde. Es geht um Summen weit jenseits der 100-Millionen-Dollar-Marke aus den vergangenen 20 Jahren. Sechs der sieben Verhafteten lehnten direkt am Mittwochabend die sofortige Auslieferung an die USA ab. Es ist ein Spiel auf Zeit.

"Es ist schockierend und schädlich für den gesamten Fußball, was sich in Zürich abspielt", Niersbach dem SID: "Es wäre erschütternd, wenn sich die im Raum stehenden, schweren Vorwürfe gegen Mitglieder der FIFA als richtig herausstellen." Ligapräsident Reinhard Rauball forderte sogar den Blatter-Rücktritt. "Sepp Blatter - obgleich offensichtlich persönlich nicht betroffen - sollte dem Fußball einen großen Dienst erweisen. So kann es nicht weitergehen", sagte er. 

Blatter nicht beschuldigt

FIFA-Mediendirektor Walter De Gregorio stellte klar: "Der Präsident und der Generalsekretär Jérôme Valcke gehören nicht zu den Beschuldigten und sind nicht involviert." Dennoch blieb vieles unklar. Die von den Festnahmen unabhängige Untersuchung der Schweizer Bundesanwaltschaft hatte die FIFA mit einer Strafanzeige am 18. November 2014 selbst in Gang gesetzt.

Das Strafverfahren gegen Unbekannt läuft bereits seit dem 10. März 2015 wegen des Verdachts auf "Unregelmäßigkeiten bei den WM-Vergaben für 2018 sowie 2022". Entsprechende "unrechtmäßige Bereicherungen, so der Verdacht, sollen zumindest teilweise in der Schweiz stattgefunden haben", teilten die Behörde mit. Die FIFA ist die Geschädigte und kooperiert offensichtlich. Auch der "Garcia-Report" liegt bei den Ermittlern. Die Bundesanwaltschaft wollte zudem die anwesenden Mitglieder des Exekutivkomitees befragen, die 2010 an der Vergabe beteiligt waren. Insgesamt sitzen noch zwölf damalige Entscheider im Exko.

Die sieben festgenommenen Funktionäre wurden hingegen "in Auslieferungshaft genommen", teilte das Bundesamtes für Justiz mit: "Die mutmaßlichen Bestecher (...) sollen in Zahlungen an hochrangige Fußballfunktionäre in Höhe von über 100 Millionen Dollar verwickelt gewesen sein."

Als Gegenleistung sollen diese bei der Austragung von Fußballturnieren in den USA und Lateinamerika die Medien-, Vermarktungs- und Sponsoringrechte erhalten haben. Nun geht es darum, ob die Verhafteten tatsächlich schnell ausgeliefert werden, zwischen beiden Staaten besteht ein entsprechendes Abkommen. 

Polizeiaktion war Hollywood-reif

Die Polizeiaktion war Hollywood-reif: Die in Zivil gekleideten Beamten waren offenbar unangemeldet im Fünf-Sterne-Hotel "Baur au Lac" erschienen und ließen sich an der Hotel-Rezeption die Schlüssel für die Zimmer aushändigen. Die Verdächtigen wurden dann direkt aus ihren Zimmern geholt. Am Abend folgte die weltpolitische Reaktion Richtung USA. Washington solle den "illegalen, exterritorialen Gebrauch der US-Rechtsprechung" unterlassen, teilte das russische Außenministerium mit.

Für Blatter, auch wenn er nicht zu den Beschuldigten gehört, ist die Polizeiaktion dennoch ein schwerer Schlag. Am Freitag will sich der 79-Jährige in seine fünfte Amtszeit bestätigen lassen. Einziger Gegenkandidat ist Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien, dem bislang überhaupt keine Chance eingeräumt wurde. "Es ist ein trauriger Tag für den Fußball", zitierten verschiedene Medien den 39 Jahre alten Blatter-Herausforderer.

"Von unserer Seite aus werden wir den Kongress ausrichten, das hat mit den laufenden Verfahren nichts zu tun", bestätigte De Gregorio: "Es gab niemals die Idee, den Kongress oder die Präsidenten-Wahl zu verschieben. Wir fahren mit der Agenda fort."

zu "FIFA-Skandal: Weltverband sperrt festgenommene Funktionäre - UEFA will ..."
3 Kommentare
Letzter Kommentar:
Stars and Stripes schrieb am 27.05.2015 22:03
Es ist einfach nur ein Elend und man muß sich als Fußballfan einfach nur schämen für diese
alten Panzerknacker. Ich schäme mich wirklich!
Ich weiß jetzt auch nicht, ob ich den US Ermittlungsbehörden dankbar sein soll.
Eigentlich sollte ich das. Doch die scheren sich doch nen Dreck um den Soccer und sie werden
es wohl genießen dem weltweit beliebtesten Sport, der nicht ihres ist, so richtig ans Bein strahlen
zu können. Ginge es um die NFL, würden sie nie diese Hartnäckigkeit an den Tag legen.
Wenn ich jedoch an Blatters selbstgefälliges Grinsen und den Rest der Bande denke, dann kann
ich nicht anders als zu sagen: Thank you Cowboys. Wir sind für euch zwar nur zurück gebliebene
Knechte aber dennoch Danke.

Aus dem Blatter werd ich nicht schlau. Er ist 700 Jahre alt, schon praktisch inner Kiste und macht
immer noch das, was er schon seit zig Jahren fabriziert. Irgendwann muß doch selbst bei ihm der
Punkt kommen zu sagen: "Gut. Ich habe genug abgezwackt und an der Macht gelutscht, doch die
letzten Jahre will ich aber nur noch die E..er kraulen und das ganze Fett verbraten!"
Gut. Wahrscheinlich erreichen solche Menschen irgendwann den Punkt, an dem sie glauben
dass all ihr Handeln gerecht ist, da sie niemand zur Rechenschaft ziehen kann. Blatter wird wohl
leider durchkommen ohne büßen zu müssen.

Sorry für den Laber Flash. Der Fußball vernebelt einem die Sinne in diesen Zeiten.
Schlimm. Einfach nur schlimm, was jenseits der 90 Minuten so alles abgeht.
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