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1. Werder Bremen-Fans laufen gegen Trikotsponsor Sturm - Werbung für Massentierhaltung?
Datum: 09. August 2012, 17:59 Uhr
Format: Artikel
Quelle: dpa/sportal.de
Diskussion: 24 Kommentare
 
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Werder Bremen-Fans laufen gegen Trikotsponsor Sturm - Werbung für Massentierhaltung?

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Noch ist das Trikot von Eljero Elia ohne Aufdruck

Viele Fans von Werder Bremen laufen mit Tierschutzorganisationen Sturm gegen den möglichen Hauptsponsor Wiesenhof. Gibt der Vermarkter Infront den Ausschlag? Das Werder-Trikot ohne Aufdruck war ein Renner, das neue könnte ein Ladenhüter werden.

Schalke-Legende Hans Sarpei nahm die Diskussion über den möglichen neuen Werder-Hauptsponsor Wiesenhof mit Humor. "Kaum ist Wiese vom Hof, kommt Wiesenhof", twitterte Sarpei fröhlich. Gar nicht amüsiert reagierten viele Fans von Werder Bremen auf die mögliche Zusammenarbeit mit Wiesenhof. Wiesenhof ist einer der größten deutschen Konzerne zur Geflügelzüchtung und -verarbeitung. Dabei setzt der Konzern bzw. Subunternehmer von Wiesenhof auch auf Massentierhaltung.

Auf einer für die Wiesenhof-Gruppe produzierenden Hühnerfarm war es 2009 zu Aufnahmen der Tierschutzorganisation PETA gekommen, die zeigen, wie ein für den Konzern tätiger Arbeiter Tiere "trat, herumschleuderte und ihnen ohne Betäubung das Genick brach", so berichtete damals der Spiegel. Die Staatsanwaltschaft in Verden stellte die Ermittlungen mit der Begründung ein, die Bildaufnahmen seien "rechtswidrig hergestellt" worden und somit nicht verwendbar. Zurück zum Fußball.

Facebook-Gruppe will Sponsor verhindern 

Immer mehr Fans von Werder Bremen wollen den Deal noch verhindern und gründeten die Facebook-Gruppe "Wiesenhof als Werder-Sponsor? Nein, danke", die stündlich rapide wächst. Bis Donnerstagnachmittag drückten knapp 9200 Nutzer des sozialen Netzwerkes im Internet den "Gefällt mir"-Button. Am Mittwochabend waren es 4000 gewesen. Der Sturm der Entrüstung im Internet blieb auch Werder nicht verborgen.

Der Club reagierte im Laufe des Nachmittages mit einer Stellungnahme. "Wir lesen eure Hinweise und Kritiken aufmerksam. Wir möchten an dieser Stelle aber auch noch einmal betonen, dass beim Thema Hauptsponsor noch keine finale Entscheidung gefallen ist", schrieb Werder bei Facebook.

PETA appellierte an Werder 

Die Tierschutzorganisation PETA appellierte in einem Brief an Werder, von dem Engagement Abstand zu nehmen. "Sollte Werder Bremen den Deal bestätigen, werden die Tierfreunde unter den Fans dem Verein die rote Karte zeigen", sagte Edmund Haferbeck, Agrarwissenschaftler und juristischer Berater bei Peta dem Weser Kurier.

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24 Kommentare
Letzter Kommentar:
Paul schrieb am 14.08.2012 03:29
Klar ist es scheinheilig, wenn man nur Werder auffordert, was zu tun und sonst nichts macht. Aber diese Art von Scheinheiligkeit findet man bei nahezu jedem, da kann man sich über 80 Millionen Deutsche aufregen. Aber es hat auch teilweise verständliche Gründe.
Moralisch korrekt einzukaufen, ist heute unmöglich, weil die Grundbedingungen es nicht zulassen. Heute haftet der Steuerzahler (oder auch der Krankenkassenzahler) für vieles, was man niemandem nachweisen kann, und das auch dann, wenn es eigentlich sonnenklar ist. Doch der ist eben die Melkkuh für alles, und der einzige, bei dem man hohe Zahlungen verlangen kann, ohne die Anrichtung irgendeines Schadens nachzuweisen, und das auch dann, wenn es um Schäden geht, die andere fahrlässig verursacht haben. Solange das so ist, werden Betriebe wie Wiesenhof weiterhin ihre Art der Landwirtschaft betreiben, die völlig darauf fixiert ist, möglichst hohe Kosten anderen aufzubürden und möglichst wenig Kosten selbst tragen zu müssen. Dass z. B. das Gift von Feldern, die letztlich für Wiesenhof das Futter liefern, Bäche, Flüsse, das Grundwasser etc. belastet, wer zahlt dafür? Manchmal sind diese Kosten in unseren Wassergebühren, manchmal in unseren Steuern und, wenn jemand davon krank wird, zahlen wir es über Krankenkassenbeiträge. Natürlich ist es volkswirtschaftlich effektiver, wenn man die Giftbelastung nicht bis zur gesetzlichen Obergrenze ausreizt.
Doch gegen so etwas zu kämpfen, ist schwierig. Natürlich kann man sagen, dann darf man Wiesenhof nicht kaufen, weil die zu schlimm mit Tieren umgehen. Aber das wäre auch wieder unglaubwürdig. Schließlich ist Wiesenhof nicht unbedingt die Spitze des Eisbergs. Wenn man sich z. B. die Art und Weise der Ölgewinnung und die Auswirkungen auf Tiere ansieht, dann kann man genauso gut sagen, man darf kein Auto fahren. Und auch kein Bus, Dieselzug etc. Oder die Auswirkungen des Uranabbaus. Kann man auch sagen, man darf keine Produkte kaufen, die mit Atomstrom gefertigt wurden. Und es gibt so viele andere Beispiele, die man hier anführen könnte. Man muss schlichtweg zugeben, man kann es überhaupt nicht vermeiden, Produkte zu kaufen, die moralisch so unkorrekt hergestellt wurden wie Produkte von Wiesenhof.
Was man gleichwohl sagen muss: Man muss sich zwar bewusst sein, dass man moralisch in gewissem Maß unkorrekt hergestellte Produkte nicht komplett boykottieren kann, aber man kann durchaus sein Kaufverhalten optimieren, etwa indem man die Mengen einschränkt bzw. indem man bevorzugt moralisch in geringerem Maß bedenkliche Produkte kauft.
Gleichwohl kann man ja gegen Werbung für diese Produkte etwa durch Fußball- Sponsoring eintreten, weil sie besagtes Problem noch weiter verschärft. Deshalb finde ich den Protest auch absolut richtig, obwohl besagte Scheinheiligkeit sicherlich eine Rolle spielt. Dennoch: Ein Raucher, der sich gegen Zigarettenwerbung ausspricht, ist auch nicht prinzipiell unglaubwürdig, auch wenn er diese Werbung letztlich finanziert. Es gibt auch Autofahrer, die über Benzinpreiserhöhungen meckern, obwohl im Prinzip klar ist: Jeder Benzinkauf, der trotz Preiserhöhung getätigt wird, trägt dazu bei, dass der Ölkonzern merkt, dass die Preiserhöhung für ihn effektiv ist. Man findet trotzdem weit und breit kaum jemanden, der aufgrund dieses Zusammenhangs irgendeine (nicht ganz so wichtige) Autofahrt sein lässt. Auch hier könnte man sagen: Die Leute sind unglaubwürdig, sie meckern nur, handeln aber nicht. Aber man könnte hier noch viele weitere Beispiele raussuchen, und am Ende wird rauskommen: Jeder Mensch ist unglaubwürdig.
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