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Preisgeld-Diskussion im Tennis: Djokovic zieht sich Zorn zu

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21. März 2016, 21:41 Uhr
Novak Djokovic
Novak Djokovic zog sich gehörig Zorn zu

Die Preisgeld-Debatte im Profitennis hat nach dem Turnier in Indian Wells gehörig Fahrt aufgenommen und an Schärfe gewonnen. Die US-Ikonen Serena Williams, Martina Navratilova und Billie Jean King machten ihrem Ärger über Turnierdirektor Raymond Moore Luft, der mit chauvinistischen Sprüchen unangenehm aufgefallen war. Auch Dominator Novak Djokovic mischte sich in die Diskussion ein - und zog sich selbst Zorn zu.

Der Becker-Schützling sagte nach seinem fünften Triumph beim Masters in der kalifornischen Wüste, er ziehe den Hut vor dem Kampf der WTA für gleiches Preisgeld bei Frauen und Männern. "Aber die Statistiken zeigen, dass Männertennis viel mehr Zuschauer hat. Das ist einer der Gründe, warum wir vielleicht mehr bekommen sollten", sagte Djokovic: "Die Frauen sollten dafür kämpfen, was sie für angemessen halten, und wir sollten dafür kämpfen, was wir für angemessen halten."

Die 18-malige Grand-Slam-Siegerin Navratilova (59) kritisierte den Serben umgehend. "So sehr ich Novak Djokovic liebe, er versteht einfach nicht, warum Frauen und Männer das Gleiche verdienen müssen, wenn sie in kombinierten Turnieren antreten", sagte die gebürtige Tschechoslowakin: "Ich dachte, wir hätten das Thema längst abgehakt."

"Wir Frauen sind einen langen Weg gegangen"

Der Südafrikaner Moore hatte auf einer Pressekonferenz gesagt: "Wenn ich eine Spielerin wäre, würde ich jeden Abend auf die Knie gehen und Gott dafür danken, dass Roger Federer und Rafael Nadal geboren wurden. Denn die haben diesen Sport getragen." Serena Williams (34) ließ dies nach ihrer Finalniederlage gegen Wiktoria Asarenka nicht unkommentiert: "Wir Frauen sind einen langen Weg gegangen und sollten niemals vor irgendjemandem auf die Knie fallen", sagte die 21-malige Majorsiegerin.

Ihre Landsfrau Billie Jean King (72), einst Vorkämpferin für die Gleichberechtigung im Tennis, nannte Moores Auslassungen "auf so vielen Ebenen falsch", sie sei "sehr enttäuscht". Dem 69-Jährigen blieb angesichts des Gegenwindes nichts anderes übrig, als sich für seine "irrtümlichen Kommentare" zu entschuldigen. Dennoch glaubt Navratilova, dass einige der Topspielerinnen das Turnier in Indian Wells boykottieren werden, wenn Moore im Amt bleibt.

Steve Simon, Vorsitzender der Spielerinnenorganisation WTA, bezeichnete die Kommentare seines früheren Kollegen Moore "als "enttäuschend und alarmierend". Die WTA stehe für sich alleine und sei auf den Prinzipien der Gleichberechtigung aufgebaut worden. Moore hatte behauptet, die WTA würde keine eigenen Entscheidungen treffen und sich nur im Schlepptau der Männer-Tour befinden.

"Abfällig und geschmacklos"

Prompt sah sich auch die ATP, Organisation der männlichen Tennisprofis, zu einer Stellungnahme genötigt. Deren Präsident Chris Kermode nannte Moores Erklärungen "abfällig und geschmacklos", wies jedoch darauf hin, dass die Frauen auf ihrer eigenen Tour unterwegs sind und alle Turniere das Recht haben, das Preisgeld selbst festzulegen.

Djokovic, der bald die 100-Millionen-Dollar Preisgeld-Grenze durchbrechen wird, erkannte richtig, dass es sich bei der Debatte um ein "sehr delikates und sensibles Thema" handele und sich Moore "politisch nicht korrekt und vielleicht etwas übertrieben" geäußert hatte. Warum er sich dennoch dazu hinreißen ließ, sich in die Diskussion einzumischen, bleibt sein Geheimnis.

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