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Nach Kapitänsbinden-Verbot: Tobias Karlsson tief enttäuscht

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15. Januar 2016, 11:12 Uhr
Handball
Karlsson (l.) wollte mit der Binde ein Zeichen setzen

Eine Kapitänsbinde wird zum Politikum und hat am Eröffnungstag der EM für großen Wirbel gesorgt: Schwedens Kapitän Tobias Karlsson darf beim Turnier im erzkonservativen Polen nicht mit seiner regenbogenfarbenen Spielführerbinde auflaufen. Der Profi der SG Flensburg-Handewitt reagierte tief enttäuscht und mit großem Unverständnis auf die Entscheidung der Europäischen Handball-Föderation (EHF). Aus dem Lager der deutschen Nationalmannschaft erhielt Karlsson aber reichlich Zuspruch.

"Es ist traurig, dass uns die EHF daran hindert, zu zeigen, wie wir zu Offenheit, Mitgefühl und gleichen Werten stehen", wird Karlsson auf der schwedischen Verbandsseite zitiert. Ansonsten nahm der Rekord-Europameister seinen 34 Jahre alte Abwehrchef vor dem EM-Auftakt am Samstag in Breslau gegen Slowenien aber aus der Schusslinie, auf der offiziellen Pressekonferenz durfte Karlsson sich nicht weiter äußern.

Doch komplett schweigen konnte er nicht. "Die EHF versucht sich gegen irgendetwas zu schützen, was für mich kein Problem ist. Ich bin froh, dass Licht auf diese Geschichte kommt, und über die positiven Reaktionen", sagte Karlsson dem SID in der Lobby des Teamhotels und fügte an: "Ich werde immer weiter über das Thema reden. Jetzt mache ich aber erst einmal ein paar Tage Pause und spiele Handball. Unsere Fans werden die Geschichte für mich weiter tragen".

Der Spielführer von Deutschlands Gruppengegner hatte seine bunte Binde bereits in den Länderspielen vor der EM getragen. Karlsson wollte damit für Toleranz und Offenheit gegenüber Homosexualität werben. Die Regenbogenfahne gilt als internationales Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung.



"Alle Mannschaften wurden informiert"

Die EHF will ihre viel diskutierte Haltung in der Kleiderfrage allgemein verstanden wissen. "Die Entscheidung der EHF lautet, Slogans und Statements nicht über die Spielkleidung zu transportieren. Das hat aber nichts mit dem Inhalt zu tun", sagte EHF-Generalsekretät Michael Wiederer dem SID am Freitag: "Darüber wurden alle Mannschaften informiert".

Die EHF hatte Karlssons Idee zunächst genehmigt, am Donnerstag aber eine Kehrtwende vollzogen. Die Spielführerbinde sei "als Teil des Trikotsatzes anzusehen" und müsse deswegen "eine Farbe oder mehrere Farben der jeweiligen Nation" enthalten, hieß es in einer EHF-Mitteilung. "Diese Regelung ist ganz neu", sagte der schwedische Pressesprecher Daniel Vandor, der ankündigte, sie "nicht zu verletzen". Man müsse nun eine neue Binde nähen, so Vandor.

Karlsson erhielt für seine Idee reichlich Unterstützung. "Man sollte so etwas nicht verbieten", sagte Nationaltorhüter Carsten Lichtlein, während DHB-Kapitän Steffen Weinhold von einer "seltsamen Entscheidung", sprach.

Teammanager Oliver Roggisch machte Karlsson trotz des EHF-Verbots Mut: "Tobias hat mit seiner Aktion erreicht, was er erreichen wollte. Ich finde es super, wenn jemand seine Meinung sagt und etwas Positives bewegt. Ob er jetzt die Binde trägt, ist zweitrangig". Auch Polens deutscher Nationaltrainer Michael Biegler stand hinter der Aktion. "Grundsätzlich schätze ich Menschen sehr, die ein klares und offenes Weltbild haben und sich dafür auch einsetzen", sagte Biegler.

Der Isländer Gudjon Valur Sigurdsson und der Norweger Bjarte Myrhol wollten dem Beispiel Karlssons sogar folgen. "Dass es mehr Menschen gibt, die diese Binde tragen wollten, unterstreicht, dass es eine wichtige Botschaft ist", sagte Karlsson, der zuvor erklärt hatte: "Ich trage die Binde so lange, bis mich jemand aufhält".

Das ist nun geschehen. Ein Jahr nach der heftig umstrittenen WM in Katar steht damit beim Handball auch wieder die Politik im Fokus. Homophobie ist in Polen noch immer ein gesellschaftliches Problem. Interessant wäre die Reaktion der polnischen Zuschauer auf Karlssons Binde geworden. Doch dazu wird es nun nicht mehr kommen.

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