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Pirlo suchte mit einem seiner feinen Pässe Riccardo Montolivo. Der jedoch wurde von Sergio Busquets so intensiv bedrängt bei der Ballannahme, dass er keine andere Lösung sah, als das Leder zurück Richtung eigene Abwehr zu passen, auf Daniele de Rossi. Nun übernahm De Rossi die Rolle des zurückfallenden Mittelfeldspielers, aber er fand gegen die gute stehenden Spanier gar keinen freien Mitspieler und trat einen hohen Ball nach vorne in Richtung der Stürmer. Interessanterweise hatte Silva in dieser Szene den Passweg Richtung Pirlo zugestellt.
Der Ball kam bei den Angreifern jedenfalls nicht an, sondern rollte Iker Casillas vor die Füße. Nun begann der Spielzug, vor dessen Schilderung wir eine Epilepsiewarnung loswerden möchten: Wenn Ihnen die Schilderung schneller Ballstafetten Schwindelgefühle verursacht, lesen Sie am besten erst beim nächsten Kapitel weiter.
Casillas warf kurz ab auf Sergio Ramos. Ramos passte nach vorne zu Xabi Alonso, der spielte mit einer Berührung zurück auf Ramos und zeigte nach links außen auf Jordi Alba. Alba bekam daraufhin von Ramos den Ball, versuchte, an Claudio Marchisio vorbeizuziehen, was nicht gelang, spielte also zurück auf den sich hinter ihm an der Seitenauslinie anbietenden Alonso. Inzwischen hatte Italien fast ganz nach rechts verschoben, also schlug Xabi Alonso einen dieser Diagonalpässe, für die er berühmt ist, und die zweimal auch für Real Madrid gegen Bayern beeindruckten. Damit fand er Álvaro Arbeloa auf dem rechten Flügel, schon weit in der italienischen Hälfte.
Arbeloa suchte, wie es seine Art ist, nicht direkt den Weg zum Tor, sondern bediente den inzwischen aus dem tiefen Mittelfeld ihm entgegenkommenden Silva. Silva legte weiter auf Andres Iniesta, der sich inmitten dreier Italiener anbot und den Doppelpass mit der ersten Berührung zurückspielte auf Silva. Während dieser nun erneut zu Arbeloa nach rechts weiterleitete, hatte Italien seine Ordnung gegen den Ball wiedergefunden und stand sogar wieder als Mittelfeldraute. Gefahr gebannt? Weit gefehlt.
Arbeloa suchte Xavi, der sich inzwischen auch einschaltete und den Ball mit dem Außenrist auf Iniesta weiterleitete. Bisher eine hypnotische Abfolge von Laufwegen und Ballberührungen, aber genau jetzt der tödliche vertikale Pass: Iniesta auf den nominellen Mittelstürmer Cesc Fábregas, der es schaffte, im Rücken von gleich zwei Italienern, Daniele de Rossi und Giorgio Chiellini, blitzartig in den Passweg zu starten. De Rossi merkte es gar nicht, dass sein eben noch direkter Gegenspieler auf einmal weg war, Chiellini war zu langsam und so der perfekten Ballbehandlung Cescs ausgeliefert, der von der Grundlinie aus dem Fußgelenk zurückhob auf Silva.





