(Seite 3 von 5)
Silva? Der war derweil im Rücken von Leonardo Bonucci und Andrea Barzagli gestartet und köpfte unter die Latte zum 1:0 ein. Außer Sergio Busquets und Gerard Piqué waren alle Spanier in diesem Spielzug mindestens einmal am Ball. Ein spanischeres Tor wird man kaum finden, mit dem perfekt zelebrierten Balllauf, dessen Rhythmus durch einen plötzlichen Vertikalpass geändert wird wie ein System-of-a-Down-Song nach dem Ende des Akustik-Parts. Das 2:0 fiel dann übrigens in ganz anderer Weise, nach einem Abschlag von Casillas, Alba leitete den Angriff ein und sprintete dann über den halben Platz, um Xavis Assist in Empfang zu nehmen.
So unterschiedlich beide Tore waren, so sehr waren sie aber beide Beweise dafür, wie man Fußball spielen kann, wenn man keinen klassischen Stürmer aufbietet: "Du wartest nicht auf den Ball, Du gehst dahin, wo der Ball ist", wie der spanische Journalist Guillem Balague es simpel beschreibt.
2) Was war mit Italien los?
In einer Stimmung, in der in Deutschland gerade eine Halbfinalteilnahme als "Versagen" gehandelt wird, ist es vielleicht eine gute Idee, darauf hinzuweisen, dass in einem Spiel auf hohem Niveau in der Endphase einer EM auf hohem Niveau der Ausgang, der ohnehin nur in der Differenz zwischen dem Gelingen des einen und des anderen Spielplans liegt, dadurch entschieden wird: Dass der Sieger seinen Job etwas besser macht, und nicht vor allem daran, dass der Verlierer alles falsch gemacht hat.
Das gilt auch für Cesare Prandelli und seine Taktik. Die zentrale offene Frage hatte darin bestanden, ob er, wie im Gruppenspiel zwischen beiden Teams, wieder auf ein reines 3-5-2-System umstellen sollte. Nachdem aber das 4-4-2 (oder 4-1-3-2) gegen Deutschland sehr effizient war, entschied der Trainer sich dafür, die Formation beizubehalten. Warum konnte Andrea Pirlo dem Spiel denn in Kiew nicht so den Stempel aufdrücken wie an gleicher Stelle eine Woche zuvor gegen England?
England spielte mit einem 4-4-1-1, in dem aber Wayne Rooney nicht diszipliniert nach hinten arbeitete, so dass Italien im zentralen Mittelfeld oft klare Überzahl besaß. Spanien hingegen spielte ein 4-3-3, in dem noch dazu sowohl Andres Iniesta und David Silva als Außenstürmer nach innen zogen. Italien sah sich in der zentralen Zone des Spiels so oft einer 3:5-Unterzahl gegenüber.
Nun ist die Unterzahl in der einen Ecke des Spielfelds die logische Überzahl an anderem Ort. Durch Spaniens Fokus auf das Zentrum hätte für Italiens Außenspieler Platz bestanden, um Konter zu fahren. Aber das hätte im 3-5-2 besser funktioniert als in der Raute, weil Chiellini sich nicht so nach vorne traute wie gegen Deutschland (und nach 20 Minuten verletzt ausgewechselt wurde), und Ignazio Abate sich auf der anderen Seite hütete, gegen den schnellen Alba all zu sorglos nach vorne zu gehen.





