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So gesehen hätte Ronaldo höchstens als Vierter statt als Letzter antreten sollen. Aber dass man den besten Schützen nicht starten lässt, macht durchaus Sinn. Tragisch war dieses Ende natürlich dennoch, aber wie schon betont, wollen wir uns im Wesentlichen auf das Unentschieden in den 120 Minuten konzentrieren und nicht auf die psychologischen Feinheiten des Elfmeterschießens.
1) Portugals Pressing im Mittelfeld: Die Vorteile
Ganz anders als Frankreich im EM-Viertelfinale (und England gegen Italien) zogen sich die Portugiesen nicht bis dicht vor den eigenen Strafraum zurück, um dort mit vereinten Kräften die Angriffe des überlegenen Gegners in geordnete Bahnen zu lenken. Portugal (das noch gegen Deutschland wesentlich tiefer verteidigt hatte), erhob vielmehr Anspruch auf die gesamte Mittelfeldzone und schob sowohl seine von Pepe exzellent organisierte Viererkette als auch das Dreiermittelfeld um Miguel Veloso weit nach vorne.
Damit konnte Spanien lange Zeit überhaupt nicht umgehen. Die gewohnten Dreiecke wollten einfach nicht auf dem Rasen von Donetsk erscheinen, weil die Portugiesen wie von Zauberhand oft Überzahl in Ballnähe hatten. Zur Halbzeit warfen die Statistiken von Soccernet erstaunliche Ergebnisse aus: Nicht weniger als acht Spieler von Paulo Bento hatten ihre durchschnittliche Position in der spanischen Hälfte gehabt. Lediglich Pepe und Bruno Alves hielten sich meist hinter der Mittellinie auf.
Die Folge davon war, dass vor gleich alle drei spanischen Mittelfeldspieler nicht wie gewohnt ins Spiel kamen. Xabi Alonso wurde in viele Zweikämpfe verstrickt, Xavi tauchte für seine Verhältnisse ab, und vor allem Sergio Busquets wurde seiner wichtigen Rolle als erste Anspielstation aus der Abwehr im spanischen Spielaufbau beraubt. Dadurch sah man erschreckend viele unkontrolliert und unspanisch nach vorne geschlagene Bälle.






