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2) Portugals Pressing im Mittelfeld: Die Nachteile
"There's no such thing as a free lunch", schrieb der amerikanische Ökonom Milton Friedman in den 1970er Jahren und meinte damit, dass es im Leben nichts geschenkt gibt. Auch ohne die eher neoliberalen Auffassungen des Professors zu teilen, kann man diese Redewendung auch auf den Fußball übertragen. Wenn es eine richtige Taktik gäbe, die man ohne Nebeneffekte einfach anwenden könnte, und so Spanien neutralisierte, dann würden es ja alle machen.
Portugals Taktik brachte neben den oben angeführten gewünschten Folgen auch negative Effekte hervor. Vor allem erforderte die Spielweise so einen hohen läuferischen Einsatz, dass man sich schon nach einer halben Stunde fragte, wie die Seleccao das über 90 Minuten durchhalten wollte, geschweige denn über 120. Obwohl Spanien zwei Tage weniger Pause gehabt hatte, konnte die Roja besser mit ihren Kräften haushalten und hatte später in der Verlängerung klare Fitnessvorteile.
Zusätzlich bedeutete das in die spanische Hälfte verlagerte Spiel aber auch, dass Cristiano Ronaldo selten mit Tempo den Ball in den Fuß gespielt bekommen konnte. Portugal beraubte sich so seiner besten Offensivwaffe, um Spaniens Angriffe zu neutralisieren - ein hoher Preis. Hätte Portugal einen internationalen Klassemittelstürmer und einen noch passsichereren Mann hinter den Spitzen gehabt, dann wäre dieses Spiel vielleicht trotzdem zugunsten der Seleccao gelaufen. Aber wenn Portugal einen Topstürmer und einen Regisseur hätte, dann wäre diese Mannschaft auch schon einmal Welt- oder Europameister gewesen.
3) Spanien: Die unendliche Stürmergeschichte
Vicente del Bosque steuerte zur während des Turniers geführten Debatte, ob Spanien mit Stürmern spielen sollte, und wenn ja, mit wem, eine neue Facette hinzu, indem er zur allgemeinen Überraschung Sevillas Álvaro Negredo in die Startelf holte. Der Durchbruch war das nicht gerade, wobei das aggressive portugiesische Spiel seinen Teil zu Negredos Ineffektivität beigetragen haben mag, er bekam kaum verwertbare Anspiele. Doch gerade gegen Raul Meireles, Miguel Veloso und Joao Moutinho wäre ein zusätzlicher Mittelfeldspieler für Spanien sinnvoller gewesen als eine Sturmspitze, die zwar viel läuft, aber keine Bälle an der Mittellinie gewinnt.






