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Das zeigte sich dann auch nach einer knappen Stunde, als Cesc Fábregas von der Bank kam und Negredo vom Feld musste. Fortan lief das spanische Spiel zumindest etwas besser. Für den Rest der 120 Minuten verzichtete Del Bosque darauf, noch einen zentralen Stürmer einzuwechseln und setzte mit Jesus Navas eher auf mehr Breite im Spiel. Noch sinnvoller war die Einwechslung Pedros kurz vor Ende der regulären Spielzeit, denn der Mann aus Barcelona brachte gegen müder werdende Portugiesen Tempo und Vielseitigkeit auf den Rasen.
4) Die Cero muss stehen
Im Vergleich Spaniens mit Barcelona wird in diesem Turnier immer klarer, was der Vorteil der Auswahl gegenüber dem FCB ist. Der Club mag Lionel Messi haben, aber sein ballbesitzorientiertes Spiel gerät in Schwierigkeiten, wenn vorne keine Tore fallen - siehe die Rückschläge gegen Real Madrid und Chelsea im Frühjahr. Spaniens Stärke aber ist in Wirklichkeit wohl nicht primär eine offensive, sondern eine defensive Qualität.
Zum neunten Mal in Folge blieb Spanien in einem KO-Spiel bei Welt- oder Europameisterschaften ohne Gegentor. Zinedine Zidanes Treffer bei der WM 2006 war das letzte. Wenn man selbst den Ball hat, kann man kein Gegentor kassieren, heißt die simple Wahrheit hinter dieser Statistik. Und wenn man den Ball verliert, holt man ihn sich am besten gleich zurück. So der Normalfall, wenn La Roja spielt. In Donetsk verhinderte Portugal den Normalbetrieb, aber kam, wie erwähnt, zu keinem Abschluss, der Iker Casillas zu einer Parade zwang.
Damit schließt sich der Kreis der Defensivlogik bei der EM 2012: Spanien, die Mannschaft, gegen die alle Teams sich im Ersinnen neuer Abwehrstrategien überbieten, wird durch eine aggressive Taktik in die eigene Hälfte gedrängt - lässt in dieser aber einfach auch keine Torchancen zu. Ergebnis: Das 120-Minuten Patt von Donetsk. So perfekt Portugal seine Taktik auch eingestellt hatte - sie reichte nur, um gegen Spanien zu null zu spielen. Sie reichte aber nicht fürs Finale.
In dem steht jetzt Spanien. Was der Gegner aus Portugals Leistung lernen kann, damit werden wir uns intensiv beschäftigen, wenn wir wissen, ob es nach dem zweiten EM-Halbfinale Deutschland oder Italien ist.
Daniel Raecke






