(Seite 2 von 2)
"Vorausgesetzt, dass der HSV diese und andere Initiativen ergreift", schrieb Kühne, "bin ich bereit, über mein bisheriges Engagement bei mehreren HSV-Spielern hinaus eine maßgebliche Summe beizusteuern." Eine van der Vaart-Verpflichtung würde dem HSV spielerisch helfen, aber auch den dringend benötigten Wortführer auf dem Feld bringen. "Die Spieler waren in der letzten Saison zu ruhig, sie müssen sich coachen und helfen", erklärte Arnesen.
Wenn es nur rein nach stimmlichen Qualitäten ginge, müsste diesen Posten eigentlich Maximilian Beister einnehmen. Beim Grillabend der Hamburger Bundesliga-Truppe im österreichischen Trainingslager hatte der Youngster jedenfalls beim traditionellen Vorsingen der Neuzugänge die beste Figur gemacht. Für seine Interpretation des Adele-Hits "Someone like you" bescheinigte ihm abendblatt.de immerhin "echte Popstar-Qualitäten".
Doch da auf dem Fußballplatz eher selten gesungen, sondern vielmehr eher mit Nachdruck geschrien wird, setzt man beim HSV derzeit eher auf Torhüter René Adler als neuen Anführer - in der Hoffnung, dass sich die Mitspieler dann nicht ebenso amüsieren wie bei seiner Interpretation des Roland Kaiser-Schlagers "Dich zu lieben" am Grill. "Er ist ein Führungsspieler, ein echter Gewinn", beurteilte Trainer Fink Adlers Kernkompetenzen außerhalb von Gesangseinlagen. "René steht in der Hierarchie schon jetzt ganz oben."
Westermann bleibt Kapitän
Eine Position, die Adler nach seiner letzten von Verletzungen durchzogenen Saison nur zu gerne annimmt. "Es macht Spaß, Verantwortung zu übernehmen", sagt der 27-Jährige. Den zugedachten Führungsanspruch muss Adler allerdings auch sportlich untermauern. Wie der Torhüter seine Aufgabe beim HSV versteht, hat er schon in den ersten Testspielen demonstriert: "Durch gezielte Zurufe und Anweisungen kann man gefährliche Angriffe des Gegners schon im Ansatz unterbinden." Das klappte beim 2:2 im Testspiel gegen Terek Grosny zwar nicht immer, doch immerhin war Adler an den Gegentoren relativ schuldlos.
Trotz der zugedachten Führungsrolle, die Kapitänsbinde will Fink ihm trotzdem nicht geben. Der Trainer spricht es zwar nicht aus, aber einen Affront gegen Heiko Westermann will er vermeiden. Schließlich ist der Keeper gerade angekommen, da will er ihn den anderen nicht gleich als Chef vorsetzen. Auch Westermann steht in der Hackordnung zweifellos weit oben. Der Mann der klaren und lauten Worte ist er jedoch nicht. "Ich erwarte, dass die Anführer den Mund aufmachen", fordert Fink. Also ein Job für Adler und eventuell für van der Vaart und wen immer Kühne dann eventuell noch zukaufen sollte.