Wie ein Denkmal stand Mario Balotelli auf dem Rasen und genoss still den Moment seines großen Triumphes. Es war ein Statement an alle Rassisten und Kritiker - aber ein ungewöhnliches, ohne große Worte. Bewirkt die EM etwa einen Reifeprozess bei Super Mario?
Nachdem er sich hastig seines Trikots entledigt hatte, genoss Mario Balotelli den Moment des großen Triumphes wie zum Denkmal erstarrt die Fäuste vor dem Unterkörper geballt, die Schultern etwas vorgestreckt und jeden Muskel seines imposanten, athletischen Körpers angespannt. So sehen Helden aus.
Der extrovertierte, aber doch gleichzeitig lautlose Jubel war ein Zeichen an den sportlichen Gegner aus Deutschland, dem er soeben zwei Treffer eingeschenkt hatte, aber auch eine passende Antwort auf die latenten rassistischen Ressentiments und offenen Anfeindungen in seinem Heimatland und Ausdruck des stillen Triumphs über seine Kritiker, die sich gegen seine Nominierung gestellt hatten. Ein stiller Protest und damit genau das Gegenteil von dem, was die Medienlandschaft vom Enfant Terrible des italienischen Fußballs eigentlich erwartet hatte.
Leise Töne waren bisher nicht sein Ding, schließlich ist er sonst nie um einen markigen Spruch verlegen, zählte sich noch vor wenigen Monaten großspurig zu den besten Fußballern der Welt und arbeitete auch sonst fleißig daran, seinen Ruf als arroganter "Bad Boy" zu nähren. Geschwindigkeitsdelikte mit seinem Maserati, diverse Affären, ein Einbruch - angeblich aus "Neugierde" - in ein italienisches Frauengefängnis, ein Badezimmerbrand nach Experimenten mit Feuerwerkskörpern und angebliche Erinnerungsfotos mit sizilianischen Mafiabossen machten ihn zum Stammgast der Klatschspalten.
Auch auf dem Platz produzierte er reichlich Negativschlagzeilen. Mal prügelte er sich mit einem Mitspieler um die Ausführung eines Freistoßes, dann leistete er sich böse Fouls, unnötige Platzverweise und verpasste Gegenspieler Scott Parker einen Stollenabdruck im Gesicht als kleines Andenken. Bei Inter legte er sich einst mit den Fans an, die er durch extrem lässiges Gekicke zu Pfiffen animierte, um ihnen nach Abpfiff sein Trikot vor die Füße zu werfen und sie damit endgültig gegen ihn aufzubringen.





