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SEITE 1 VON 3:
1. Josep Guardiola zum FC Bayern: Was heißt das für die Bundesliga?
Von: Daniel Raecke
Datum: 18. Januar 2013, 07:30 Uhr
Format: Artikel
Diskussion:
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Josep Guardiola zum FC Bayern: Was heißt das für die Bundesliga?

Josep Guardiola
Josep Guardiola

"Signal an Europa", "Ritterschlag für die Bundesliga" - warum ist eigentlich niemand auf die Idee gekommen, "Wir sind Pep" zu titeln? Was offenbar niemand findet: Josep Guardiolas ist eine Entscheidung für den FC Bayern. Nicht für die Bundesliga.

Unter kritischeren englischen Journalisten gibt es heutzutage ein Credo. Die Bundesliga sei das gelobte Land, glaubt etwa David Conn vom Guardian, dessen exzellente Analysen der Finanzwelt des Premier League-Fußballs im allgemeinen und Manchester City im besonderen wesentlich differenzierter daherkommen als seine Verklärung des deutschen Fußballs. Hier gehören die Clubs den Fans, findet Conn, und stellt damit Bayern München und Schalke 04 praktisch auf eine Stufe mit United of Manchester, der Amateurneugründung aus Protest gegen die Investoren von Manchester United.

Conns Kritik an der exzessiven Kommerzialisierung des englischen Fußballs ist nachvollziehbar. Dass er seit vielen Monaten diese Kritik illustriert, indem er ihr die deutschen Verhältnisse gegenüberstellt, ist kein Einzelfall. Auch Henry Winter, der angesehene Fußballchef des Telegraph, reagierte auf die Nachricht des Wechsels von Josep Guardiola zum FC Bayern mit folgendem Tweet: "So the most sought-after coach in the world picks one of the best-run clubs in the world in the most fan-friendly league. Bundesliga 1 PL 0".

Als Sieg der Bundesliga über die Premier League nahm Winter die Entscheidung Guardiolas wahr - eine Einschätzung, der sich wenige deutsche Medien verschließen mochten. Für viele Fans ist das ohnehin Wasser auf die Mühlen, in denen das eigene Selbstwertgefühl gemahlen wird. Auf die Frage "Welches ist die stärkste Liga der Welt?" antworteten von fast 40.000 Lesern des Kicker-Sportmagazins rund 55 Prozent mit "Bundesliga". Damit nicht genug: Fast siebzig Prozent der Teilnehmer an der gleichen Umfrage zeigten sich überzeugt, dass "sich durch das Financial Fairplay der Stellenwert der Bundesliga noch verbessern" werde.

Bundesliga jetzt schon Nummer eins - bald Nummer 0,5?

Auch ohne einen einzigen internationalen Titel seit mehr als zehn Jahren kann dieser Lesart nach also schon jetzt keine andere Liga der deutschen das Wasser reichen, und wenn erstmal "solide Arbeit" (Kicker) belohnt wird, dann werden die Bundesligisten "auf Jahre hinaus unschlagbar" sein, um Franz Beckenbauers Aussage nach dem WM-Titel von 1990 zu zitieren.

Aber ist die Entscheidung von Guardiola, nach München zu kommen, nicht der Beleg dafür, dass die Tendenz eindeutig in diese Richtung zeigt? Falsch ist eine solche Sichtweise nicht in dem Sinne, dass das Gegenteil richtig wäre. Aber viel zu viele gedankliche Kurzschlüsse verhindern eine differenzierte Einschätzung der Entwicklung im europäischen Fußball.

Ja, die Zuschauerzahlen in der Bundesliga sind die höchsten in Europa. Ja, die Eintrittspreise sind viel niedriger als in England. Ja, die relative gesamtwirtschaftliche Entwicklung Deutschlands war in den letzten Jahren positiver als die in Großbritannien, Frankreich, Spanien und Italien. Ja, zum ersten Mal seit Beginn der Wetteraufzeichnungen überwintern sieben Bundesligisten im Europapokal.

Eine reine Erfolgsgeschichte?

Aber das sind eben nur die positiven Aspekte, die man in der Diskussion immer heraussucht, und von denen man einfach annimmt, dass sie in der Zukunft immer Bestand haben werden. Es gibt auch andere Argumente: die anhaltende Erfolglosigkeit in Endspielen etwa, der große Rückstand der Bundesliga in internationalem Appeal gegenüber der Premier League, und der riesige Umsatzvorsprung von Barcelona, Real Madrid und der Hälfte der Premier League gegenüber dem Gros der Bundesligisten.

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