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Sie werden hier, wie gesagt, nicht angeführt, um düstere Prognosen für den deutschen Fußball heraufzubeschwören. Das wäre auch der ganz falsche Ansatz. Besser wäre eine differenzierte Bestandsaufnahme. Auch in England melden sich erste Stimmen, die von der Verklärung des deutschen Fußballs genervt sind, wie im Fanzine The False Nine anlässlich des Guardiola-Coups formuliert (wenn auch noch nicht in den Mainstreammedien der Insel): "Has England's Bundesliga Romance Gone too far?" fragt man sich dort.
Ein entscheidender Punkt muss aber vor allem anderen zur Sprache gebracht werden: Der europäische Profifußball ist ein globalisiertes Business, wie Karl-Heinz Rummenigge auf der Guardiola-PK zu Recht betonte. Es existieren nicht nebeneinander her unabhängige Fußballkulturen, die wie die einzelnen Galápagos-Inseln voneinander abgeschottete Biotope darstellen. Das heißt einerseits, dass Bayerns Verpflichtung von Guardiola weltweite Wellen schlägt, es ist von mir aus auch "ein Signal an Europa", wie etwa OIiver Fritsch auf Zeit online meint.
Kam Guardiola wegen der 50+1-Regel nach München?
Es heißt aber nicht, dass Josep Guardiola sich für die ganze Bundesliga entschieden hat, wie zum Beispiel Christian Spiller im gleichen Medium glaubt. Spiller, der seinem Kommentar den gleichen Tenor und die exakt gleiche Formulierung wie die Sport Bild gibt ("ein Ritterschlag für die Bundesliga"), was an sich schon bemerkenswert ist, versteigt sich in einer hymnischen Aufzählung unter anderem zu der Aussage, Guardiola habe sich "für die 50+1-Regel" entschieden.
Das entspricht genau der oben angesprochenen Verklärung des einfachen Fußballparadieses Bundesliga, als deren "Philosophie" Spiller ausgemacht hat: "Es geht nicht nur ums Geld". Das stößt ins gleiche Horn wie Rummenigge, der am Tag nach der Verpflichtung sagte: "Bei uns steht exklusiv der Fußball im Mittelpunkt. Wenn es exklusiv ums Geld gegangen wäre, dann hätte Bayern München überhaupt keine Chance gehabt".
Das ist eine für den nach Umsatz viertreichsten Club der Welt eine so heuchlerische Aussage, dass man fast versucht wäre, den Respekt vor der Verpflichtung Guardiolas gleich wieder zu vergessen. Natürlich geht es bei den Bayern auch ums Geld, alles andere wäre im Profifußball ja auch absurd. Dem Vernehmen nach soll Guardiola in München zehn Millionen Euro im Jahr verdienen. Das ist völlig ok, aber warum müssen alle Beteiligten so tun, als würde er ein freiwilliges soziales Jahr machen, statt in die böse Premier League zu gehen?
Warum José Mourinho nicht nach Sunderland wechselt
Vor allem anderen aber, und dieser Aspekt kommt viel zu kurz, ob in England, in Deutschland, oder in Spanien, hat sich Guardiola nicht "für die Bundesliga" entschieden, er hat sich für Bayern München entschieden. Genau so, wie er sich nicht "für die Premier League" entschieden hätte, sondern für Chelsea oder Manchester City. Auch José Mourinho betont immer wieder, wie toll er den englischen Fußball fände, aber das heißt noch lange nicht, dass er nach Sunderland wechseln würde.






