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Die besten Clubs Europas konkurrieren miteinander auf der internationalen Bühne. Bayern hat Guardiola geholt, um die Champions League gewinnen zu können - nicht, um besser in Düsseldorf auszusehen. Und für Düsseldorf ist es zwar schön, dass einmal im Jahr Guardiola zu Besuch kommt, es wird insgesamt auch das Interesse an der Bundesliga steigern, aber daraus folgt nicht, dass Mainz 05 jetzt im Aufwind ist und Tottenham Hotspur auf dem absteigenden Ast. Es heißt einfach nur, dass Bayern München aktuell ein Club ist, der groß genug (und reich genug) ist, um einen internationalen Startrainer wie Guardiola verpflichten zu können.
Die am Tag der Bekanntgabe von Guardiolas Kommen landauf, landab wiederholten Sätze, das sei "gut für die Bundesliga" sind natürlich nicht ganz falsch, schließlich werten Weltstars ganz allgemein das Image der Liga auf. Aber solche Allgemeinplätze setzen stets voraus, dass es ein übergeordnetes Interesse aller deutschen Clubs (oder gar "des deutschen Fußballs" inklusive der Nationalelf) gebe, und es immer um einen Wettbewerb aller deutschen Clubs zusammen gegen alle ausländischen Teams gehe.
Die Bundesligisten sitzen nicht alle im selben Boot
Das wird aber auch durch exzessive Betonung der UEFA Fünf-Jahres-Wertung nicht richtiger. Der Stellenwert der Liga in diesem Ranking ist indirekt für manche Clubs interessant und lukrativ, aber ganz direkt verdient ein deutscher Champions League-Teilnehmer umso mehr Geld, je schlechter die anderen Bundesligisten abschneiden. Der Verteilungsschlüssel für die TV-Gelder macht es möglich. Zudem kann etwa Bayern kein Interesse daran haben, dass im eigenen Land drei Konkurrenten auf Augenhöhe heranwachsen, was die regelmäßige Qualifikation für die Champions League in Frage stellen würde.
Die ist den Münchnern praktisch garantiert, und dadurch, dass sie immer wieder teilnehmen, wird ihr finanzieller Vorsprung vor der nationalen Konkurrenz immer größer - bis zu einem Punkt, an dem sie zehn Millionen im Jahr für einen Weltklassetrainer ausgeben können. Entgegen der Binsenweisheit, die Bundesliga sei "so ausgeglichen", haben sich die Leistungsunterschiede zwischen den Topteams und dem Rest der Liga in den letzten Jahren drastisch vergrößert. Sowohl Dortmund in den letzten beiden Saisons wie auch Bayern in der laufenden Spielzeit haben rekordverdächtige Punktzahlen angehäuft.
Es dürfte noch dauern, bis daraus eine Situation wie in Spanien wird. Aber auch in La Liga war es nicht seit Jahrzehnten so, dass Barcelona und Real Madrid immer 20 Punkte vor dem Rest der Liga einlaufen. Es ist noch nicht so lange her, dass Deportivo oder Valencia Meister werden konnten, heute undenkbar. Die aktuelle Dominanz ist eine Kombination aus eigenen, "unsolidarischeren" TV-Verträgen und regelmäßigen Champions League-Geldern. Nun freut sich Osasuna darüber, zweimal im Jahr einen der beiden Giganten zu Gast zu haben, aber fragen Sie mal einen Fan von Real Mallorca, ob Florentino Pérez und sein Geld "gut für den spanischen Fußball" seien.
In der Bundesliga sind die spanischen Dimensionen noch weit, aber das ist ein gradueller, und kein prinzipieller Unterschied. Bayern München vergleicht sich schon lange nicht mehr in erster Linie mit Nürnberg. Sondern mit Manchester United. Die Verpflichtung von Josep Guardiola ist in diesem Wettstreit ein großer Coup und ein eindrucksvolles Zeichen dafür, wo der FC Bayern steht. Nicht mehr und nicht weniger.






