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Del Bosque hat den von Vorgänger Luis Aragones eingeleiteten Prozess weitergeführt und das spanische Spiel verändert. Auch wenn dieser Satz nicht zu seinem Sprachschatz gehört, so könnte del Bosque im Duktus eines Huub Stevens mit voller Überzeugung sagen: "Die Null muss stehen." Er sagt es aber anders: "Wenn unsere Verteidiger gut spielen, werden wir dem Titel näher kommen, denn Chancen kreieren werden wir immer."
Gegen Portugal stimmte das zwar nur bedingt, aber mit der Breite in seinem Kader kann del Bosque während eines Spiels in viele Richtungen reagieren. Beginnt er mit Fabregas, kann er im Sturm mit Fernando Torres, Alvaro Negredo und Fernando Llorente jederzeit nachlegen. Will er das Spiel über außen forcieren, kann er Jesus Navas oder Santi Cazorla bringen. Und auch Pedro kann als Joker jederzeit für Belebung sorgen.
Italiens Trumpfkarten: Pirlo und der Zwei-Mann-Sturm
Deutschland ist im Halbfinale auch gescheitert, weil sich Bundestrainer Joachim Löw zu sehr an Italien orientiert und mit der Sonderbewachung für Andrea Pirlo die Balance aus dem deutschen Spiel genommen hat. Dabei kann man Löws Idee durchaus verstehen, Pirlo ist der vielleicht beste Spieler der EM. Oder wie es del Bosque ausdrückt: "Pirlo ist der Busen, an dem sich ganz Italien nährt."
Das spanische Spiel ist ohnehin nicht darauf angelegt, sich an den Stärken des Gegner zu orientieren, sie sollten es aber auch besser lassen. Pirlo versteht es wie kaum ein anderer Regisseur, sich seine Freiräume zu schaffen, auch wenn er eng gedeckt wird. Pirlo kommt aus der Tiefe, ist deshalb schwer zu fassen. Vor dem 1:0 im Halbfinale wurde Pirlo zunächst von Mesut Özil attackiert, der Italiener zog sich in die eigene Hälfte zurück und spielte aus dieser Position den vorentscheidenden Pass auf die linke Seite. Für Spanien wird es wichtiger sein, Pirlo so wenig Passoptionen wie möglich zu schaffen.






