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Dummheit, nachlassende Konzentration oder zu große Passivität - auffällig ist, dass die Werkself zwar meist stark in ein Spiel startet, dann nach der Pause allerdings regelmäßig einbricht und so noch wertvolle Punkte einbüßt. Eine Bundesligatabelle, die nur die ersten Halbzeiten der 17 Hinrundenspiele berücksichtigt, würde Bayer Leverkusen mit 37 Punkten bei einem Torverhältnis von 19:9 auf Rang zwei ausweisen. Würden lediglich die Resultate der zweiten Hälften gewertet, stünde Bayer nur auf Rang sieben mit gerade einmal 23 Punkten und 14:13 Toren. Ein Punkt, an dem Hyypiä und Lewandowski mit ihrer Trainingsarbeit in der Winterpause ansetzen werden.
Große Gefahr: dünne Kaderdecke
Ein Substanzverlust, der vielleicht auch einem in allen Mannschaftsteilen in der Spitze zwar gut, aber nicht auf jeder Position auch unbedingt durchgängig doppelt und gleichwertig besetzten Kaders geschuldet ist. Verletzungen - und davon hatte Bayer Leverkusen in der Hinrunde einige - waren und sind so natürlich nur schwer zu kompensieren. Mit Karim Bellarabi, dem mittlerweile zu den Corinthians verkauften Renato Augusto, Sidney Sam und Michal Kadlec fehlten während der ersten Saisonhälfte gleich vier potentielle Stammspieler lange. Wann Kadlec und Sam zurückkehren, steht immer noch nicht genau fest.
Kommen noch weitere Ausfälle hinzu, wird die Personaldecke natürlich immer dünner. Dann könnte Bayer doch noch das Qualitätsproblem bekommen, das sportal.de schon im Sommer im Worst-Case-Szenario des Leverkusener Saisonverlaufs befürchtet hatte. Um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, wären Emre Can und Mitchell Weiser von Bayern München als Leihspieler bis zum Sommer daher natürlich höchst willkommen gewesen. Doch der eine wollte lieber in München bleiben, der andere ging in die zweite Liga nach Kaiserslautern. Vielleicht zaubert das ja schon traditionell gute Bayer-Scouting-System ja noch zwei, drei Winterpausenneuzugänge hervor.
Bayer bald wieder Vizekusen?
Bei Arkadiusz Milik ist es jedenfalls bereits gelungen. Das Sturmtalent konnte trotz großer Konkurrenz als Backup für Kießling verpflichtet werden. Der hochtalentierte 18-Jährige kommt mit der Empfehlung von 12 Toren in 40 Begegnungen der polnischen Ekstraklasa nach Leverkusen. Die Verantwortlichen hoffen auf einen zweiten Robert Lewandowski. Bei seinen ersten Einsätzen für die Werkself während eines Blitzturniers im portugiesischen Trainingslager gegen Heerenveen (0:0) und Hannover 96 (0:2) blieb er jedoch vorerst noch glücklos.
Aber man sollte die Tests wie auch schon im Sommer nicht überbewerten, da hatten die Testspielniederlagen von Bayer Leverkusen auch wenig Aussagekraft. "Nicht so schlimm", kommentierte Hyypiä laut express.de im Trainingslager in Lagos. Er meinte zwar nicht das Abschlusspech seines Neuzugangs, sondern eher seine eigene beim Skiurlaub gebrochene und fest eingegipste Mittelhand.
Die Handschrift, die das Trainerteam der Mannschaft gegeben hat, wird darunter sicherlich nicht leiden. Die Automatismen im Spiel greifen. Wenn die angesprochenen Verbesserungen gelingen, das Team nicht auf einmal auch in der Rückrunde einbricht, sollte mindestens ein Europa League-Platz geholt werden. Läuft es ausgesprochen gut, darf sich Bayer Leverkusen sogar wieder Vizekusen nennen.





