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ktioniert, ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass selbst in der inszenierten Welt des Wrestling die Geschichtenerzählung nicht auskommt, ohne, dass CM Punk auch mal gegen John Cena verliert. Wie wird im Schwergewichtsboxen denn nun die Spannung aufrechterhalten, so dass Millionen auf RTL und Zehntausende in den Stadien weiter jeden Klitschko-Fight sehen wollen?Um einen ausgewählten Gegner vor einem Fight interessanter zu machen, bieten sich vor allem zwei Wege an. Der erste besteht darin, den Kontrahenten stärker und gefährlicher erscheinen zu lassen, als er wirklich ist. "GEGNER IST GRÖSSER - Klitschko kämpft gegen Polen-Puncher" war ein einschlägiges Video auf Bild.de in dieser Woche betitelt. Da diese Taktik aber nur bis zu einem gewissen Grad greift, und außerdem das Boxen im Allgemeinen, im Falle der Klitschkos aber auch im Besonderen davon lebt, dass die Stars unschlagbar sind und nicht davon, dass sie vor jedem dahergelaufenen Preisboxer zittern, bietet sich parallel dazu Strategie zwei an.
Diese wiederum besteht darin, den Gegner nicht unbedingt sehr stark, sondern sehr unverschämt und unsympathisch zu zeichnen. Das geht am besten, indem der Kontrahent einige "respektlose" Äußerungen tätigt, die dann in allen Medien vermeldet werden können und die allgemeine Stimmung in Richtung "Hoffentlich wird dieses Großmaul so richtig verprügelt" drehen. Obwohl das mindestens so durchsichtig ist wie die Wrestling-Storylines bei Monday Night Raw, wird es immer wieder mit Erfolg praktiziert, weil fast alle deutschen Medien den Nachrichtenwert solcher Vermarktungsstrategien nicht anzweifeln.
Wirft man etwa einen Blick in die Box-Arena von Sport Bild, so hat ein Viertel aller Artikel dort jeweils eine "Pöbel-Attacke" von David Haye gegen die Klitschkos zum Thema. Wohl gemerkt: Jedes Mal eine andere "Pöbel-Attacke". Empfehlenswert ist es ferner nicht, das rituelle Wiegen der Boxer vor dem Kampf ohne Zwischenfall über die Bühne gehen zu lassen oder den Fotografen gar Bilder von freundlichen Handschlägen zu geben oder Zitate wie "Möge der Bessere gewinnen" an die Öffentlichkeit durchsickern zu lassen. Besser sind Eklats und sich finster anblickende Profisportler, die das Theater halt mitspielen.
Otto Normalfan denkt also entweder: "Der X ist ja ein toteler Unsympath", oder er durchschaut das Ganze als lustige Inszenierung, eben wie im Wrestling. Und das funktioniert ja auch. Mit dem Unterschied, dass seriöse Sportseiten in Deutschland über Profiboxen nicht wie über Wrestling berichten. Sondern wie über Sport.





