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So könnten bestehende Sportstätten in viel größerem Umfang als bisher genutzt werden, anstatt eine komplette Infrastruktur in einer Stadt aus dem Boden zu stampfen. Ein Gegenargument wäre der Verlust des kompakten Charakters der Spiele mit dem sogenannten "Olympischen Dorf", das aber ohnehin teils Fiktion ist, weil viele Stars gar nicht dort wohnen. Gemeint sind hier aber nicht Spiele nach dem Vorbild Michel Platinis (in ganz Europa), sondern schon mit eigenständigem regionalen Charakter. Der aber muss nicht auf eine Stadt beschränkt sein, und auch nicht auf ein Land - Spiele in Benelux? Warum nicht?
5) Eine andere Rolle des IOC schaffen
Wenige Zustände sind beharrlicher in der Sportwelt als solche, in denen Organisationen, die ursprünglich ohne große kommerzielle Ambitionen zur Organisation von Amateursport gegründet worden waren, inzwischen zu den Rechteinhabern von milliardenschweren "Produkten" geworden sind. Das gilt für die FIFA nicht weniger als für das Internationale Olympische Komitee.
So konnte die Organisation sich zuletzt über die Verdoppelung der Sponsoreneinnahmen und des Werts der Fernsehrechte innerhalb von zehn Jahren freuen. Die Rücklagen des IOC haben sich im gleichen Zeitraum mehr als verfünffacht und betragen mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar. "Na das Geld braucht das IOC doch auch, um die Spiele auszurichten, oder?", wird mancher einwenden.
Nur tragen die Kosten für die Spiele die Ausrichterstädte, nicht das IOC. Die Gastgeber aber verschulden sich regelmäßig, woran die Bürger teils noch Jahrzehnte zu leiden haben. Montréal etwa brauchte 30 Jahre, um die Schulden der Spiele von 1976 abzutragen, deren Austragung die Kalkulationen um fast 800 Prozent überstiegen hatten. In London ist man aktuell erst bei einer Verdoppelung der anvisierten Kosten, wie eine aktuelle Untersuchung der Oxforder Ökonomen Bent Flyvbjerg und Allison Stewart berechnet.
Sind das alles nur Auswirkungen, die dem Treiben unvernünftiger Lokalpolitiker geschuldet sind? Ja und nein. Wenn die Verantwortlichen vor Ort eine Chance haben wollen, den Zuschlag für die Spiele zu bekommen, dann müssen sie ja schon vor der Kandidatenkür genug investieren, um mit der Konkurrenz mithalten zu können. Und das selbst dann, wenn es nicht um direkte Bestechungszahlungen geht wie bei der unglückseligen Kampagne von Salt Lake City 2002.
Dass aber Ausrichterstädte und zu großen Teilen öffentliche Haushalte die finanziellen Risiken tragen, während das IOC die Gewinne einsteckt, ist ein Zustand, der eigentlich so unhaltbar ist, dass man sich wundert, dass er so klaglos akzeptiert wird. Denn schließlich werden auch nicht einmal die Sportler, die das Ganze ja möglich machen und verkörpern, vom Komitee bezahlt.
Zusammengefasst: Die Ausrichter, die das finanzielle Risiko tragen, müssen selbst für die Kosten aufkommen. Und die Sportler, deren Leistungen das sind, was das IOC verkauft und wofür es wirbt, werden auch nicht bezahlt. Von Menschen, die vierstellige Summen pro Nacht für Hotelzimmer bekommen und in einem Luxuslifestyle durch die Welt reisen, um sich von Funktionären hofieren zu lassen, die von ihren Entscheidungen abhängig sind.
Und nein, das ist kein billiger Sozialneid. Es geht nicht darum, dass Menschen, die Besonderes leisten, sich in ihrem Leben nichts leisten können sollen. Es geht darum, dass Menschen und ihre Organisation nicht für ihre Leistung bezahlt werden, sondern für ihre Funktion.





