Die beschauliche Alpenromantik passte als Kulisse so gar nicht zur brisanten Thematik. Während der Kufsteiner Hausberg Pendling im Hintergrund pittoreske Heimatidylle versprach, flogen im Trainingslager von Kameruns Fußball-Nationalmannschaft in Wahrheit die Fetzen. Der seit einiger Zeit schwelende Prämienstreit Im Team des deutschen Trainers Volker Finke gipfelte zwischenzeitlich offenbar sogar in einem Beinahe-Boykott des Länderspiels am Sonntag in Mönchengladbach gegen Deutschland.
Die französische Sportzeitung "L'Equipe" berichtete jüngst, dass die "unzähmbaren Löwen" im Poker um ihre Prämien auch eine Absage des Auftritts am Niederrhein in Erwägung gezogen hätten. Außerdem wollten die Afrikaner ihren Forderungen in Östrerreich noch vor dem Test gegen Paraguay am Donnerstagabend durch den Verzicht auf Übungseinheiten Nachdruck verleihen.
"Unanständige" Spielerforderungen
Der Streit in Kameruns Lager um die gerechte Entlohnung für die WM-Qualifikation schwelt schon lange und hat tiefe Gräben aufgeworfen. Heimische Medien berichteten, dass die Nationalspieler umgerechnet 182.000 Euro verlangen und auch das nachgebesserte Angebot der Regierung von 68.000 Euro abgelehnt haben sollen.Auf Gegenliebe stößt das naturgemäß nicht, in der afrikanischen Heimat mehren sich die kritischen Stimmen. Medien und Fans betrachten die unerbittliche Verhandlungstaktik der Profis zunehmend verärgert, die Zeitung "Le Jour" nannte die Forderung der Spieler "unanständig".
Der finanzielle Disput ist allerdings nicht Finkes einzige Sorge. Beim 2:0 (0:0)-Erfolg zum Auftakt der WM-Vorbereitung gegen Mazedonien gelang zwar ein souveräner Sieg, allerdings zog sich Angreifer Pierre Webo, Schütze des ersten Treffers, eine Schulterverletzung zu. Auch Stürmerstar Samuel Eto'o ist mit Knieproblemen angeschlagen und trainiert nur dosiert und individuell.
Choupo-Moting will in K.o.-Runde
Umso erfreulicher für Finke, dass sich zumindest die beiden Deutschland-Legionäre in guter Form präsentieren. Der Mainzer Eric Maxim Choupo-Moting erzielte das Tor zum Endstand und bestätigte seine starken Leistungen in der Bundesliga, Schalkes Innenverteidiger Joel Matip stand hinten sicher. Und auch der Noch-Lauterer Mohamadou Idrissou darf durch die Fragezeichen hinter der Fitness von Webo und Eto'o weiter auf eine WM-Teilnahme als Sturmjoker hoffen.Choupo-Moting hat seinen Platz im Kader dagegen so gut wie sicher und träumt bereits von der K.o.-Runde. "Wenn wir die Gruppenphase überstehen, dann ist das ein gelungenes Turnier. Alles andere hängt von der Tagesform ab, aber natürlich wollen wir jedes Spiel gut spielen", sagte der 25-Jährige dem "SID" am Rande des Trainingslagers in Österreich.
In der WM-Vorrunde will Kamerun in der Gruppe A gegen Mexiko, Kroatien und Gastgeber Brasilien zum zweiten Mal nach dem sensationellen Viertelfinal-Einzug von Roger Milla und Co. vor 24 Jahren in Italien eine WM-Gruppenphase überstehen. Für die Fans in der Heimat wäre solch ein Erfolg ein Grund zur Ekstase. Choupo-Moting: "Kamerun ist fußballbegeistert, vielleicht sogar mehr als Deutschland."

