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Neuer mitunter Schwächen beim Herauslaufen
Doch auch seine langen Pässe in die Spitze finden nicht immer so sicher ihr Ziel wie im Achtelfinale der WM 2010 gegen England, als Neuer Miroslav Kloses 1:0 vorbereitet hatte.Letzte Saison unterlief ihm beim Versuch, Thomas Müller anzuspielen, ein folgenschwerer Fehlpass, der letztlich die 1:3-Niederlage der Bayern in Gladbach einleitete. Hohes Risiko birgt allerdings auch immer die Gefahr, Fehler zu begehen. Die wenigen Patzer nach langen Bällen oder risikoreichen Abwürfen prägen sich natürlich umso mehr ein, wenn sie spielentscheidend sind.
Genau wie Neuers Probleme bei hoch in den Strafraum gespielten Bällen. Die Frage "Should I stay or should I go" beantwortet er mitunter falsch, wie zu Beginn der Vorsaison beim 0:1-Treffer von Gladbachs Igor de Camargo. Konzentrationsmängel? Ausbaufähiges Stellungsspiel? Hier hat Neuer Luft nach oben, auch wenn nicht jede Unsicherheit bestraft wird, wie in der Vorsaison gegen den HSV, als Neuer einen Freistoß unterlaufen hatte und Heung-Min Son traf. Höheres Risiko im modernen Torwartspiel geht natürlich manchmal zulasten der Sicherheit.
Überragende Reflexe darf Neuer zu selten zeigen
Ein Spagat, den man aber einkalkuliert, wenn man sich für einen modernen Torhüter wie Manuel Neuer als Torwart entscheidet. Spagat ist aber auch ein gutes Stichwort, bringt er uns doch zu seinen großen Stärken - den überragenden Reflexen, die ihn im Spiel auf der Linie und im Eins-gegen-Eins hervorstechen lassen. Natürlich kann es nicht immer so überragend laufen wie einst mit Schalke gegen Porto, wo Neuer die Portugiesen mit artistischen Paraden zur Verzweiflung brachte.
Aber angesichts der starken Abwehr von Bayern München kommt er auch nur noch selten in die Lage, diese Fähigkeiten auch abrufen zu müssen. Spektakuläre Paraden, die gute Noten in der Presse und positive Schlagzeilen garantieren, müssen bzw. können die Konkurrenten zeigen. Zum Beispiel René Adler vom HSV, der laut kickwelt.de bereits acht Großchancen in dieser Bundesliga-Saison vereiteln konnte und somit berechtigter Weise als großer Rückhalt des HSV gilt. Neuer kam bisher erst auf zwei Rettungstaten. Vielleicht ein Grund, warum Adler in vielen Umfragen derzeit vor dem Münchner liegt?
Die nackten Zahlen täuschen allerdings, schließlich muss René Adler auch insgesamt deutlich mehr Fehler seiner HSV-Vorderleute ausbügeln als der Konkurrent, musste zudem bereits elfmal hinter sich greifen und hielt nur 78 Prozent der auf sein Tor abgegebenen Schüsse. Neuer parierte dagegen 88,2 Prozent und holte in der Bundesliga erst zweimal den Ball aus seinem Gehäuse. Starke Werte, die zusammen mit seiner mentalen Stärke, die ihn im Champions-League-Halbfinale und Endspiel zum Elfmeterkiller werden ließ, und der großen internationalen Erfahrungen auch weiterhin befähigen, die Nummer eins im deutschen Tor zu sein.






