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Von: Marcus Krämer
Datum: 01. November 2012, 16:02 Uhr
Format: Artikel
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Dreamteam 1. FC Köln: Die elf besten Geißböcke

1. FC köln, Fußball
Mit dieser Meistermannschaft ging der 1. FC Köln in die Saison 1978/79

Die große Ära des 1. FC Köln ist vorbei, der nächste Gegner heißt VfR Aalen. Wem das zu viel Tristesse ist, der kann sich hier über alte FC-Zeiten mit Namen wie Toni Schumacher oder Heinz Flohe erfreuen. Bemerkenswert ist die Geißbock-Treue vieler Spieler bis zum heutigen Tag.

Mit den Kölnern greift sportal.de eine beliebte Serie wieder auf. In der Vergangenheit stellten wir schon die Dreamteams von Borussia Mönchengladbach, Borussia Dortmund, Werder Bremen, Hamburger SV und vom FC Bayern auf. Im Gegensatz zu den fünf genannten Clubs leben die Kölner derzeit vor allem von ihrer ruhmreichen Vergangenheit, aktuelle Spieler haben es schon deshalb sehr schwer.

Das trifft auch auf Lukas Podolski zu, der von der Bedeutung her für aktuelle FC-Fans sicher einen Platz in einer ewigen Elf sicher hätte, doch wer sich das Dreamteam anschaut, wird die Frage, wer in der Offensive hätte weichen sollen, nur schwer beantworten können.

Und es gibt weitere Härtefälle, die nur einen Platz auf der Ersatzbank des Dreamteams bekommen: Bodo Illgner ist nach Toni Schumacher einfach nur der zweitwichtigste Torhüter in der FC-Historie. Bei Thomas Häßler, Bernd Schuster, Jürgen Kohler, Tony Woodcock, Toni Polster oder Klaus Allofs wiederum fällt ins Gewicht, dass die Zeit in Köln ruhmreich, aber eben auch eher kurz war. Auch Stephan Engels oder Dirk Lottner hätten in anderen Club womöglich einen Platz sicher, aber an diesen elf Spielern führt kein Weg vorbei:

Harald "Toni" Schumacher (1972-87; 541 Spiele/0Tore)

Das brutale Foul an dem Franzosen Patrick Battiston bei der WM 1982, die Abrechnung mit dem Profifußball in der Autobiographie Anpfiff inklusive Rausschmiss beim DFB und beim FC, die Entlassung in der Halbzeit als Trainer von Fortuna Köln - die legendären Geschichten um Toni Schumacher könnten eine eigene Artikelserie stemmen.

In erster Linie ist Schumacher aber eine FC-Legende, die 16 Jahre lang im Tor der Kölner stand, in der Zeit vier Titel gewinnen konnte und erst in diesem Jahr nach 25 Jahren Missachtung den Weg zurück zu den Geißböcken gefunden hat. Schumacher fungiert mittlerweile als Vize-Präsident und soll helfen, den FC zu einem professionell geführten Verein zu machen, der sein riesiges Potential wieder abrufen kann.

Schumacher, der als Torhüter ein unerschrockener Haudegen war, der sich in jeden Ball warf und sowohl auf der Linie als auch in der Strafraumbeherrschung Glanzlichter setzen konnte, ist mit seinen mittlerweile 58 Jahren glücklich wieder beim FC wirken zu dürfen. Er bereut aber auch keine seiner Karriere-Entscheidungen, wie er schon einst auf sein Buch angesprochen, betonte: "Lieber ein Knick in der Laufbahn als im Rückgrat."

Gerhard Strack (1972-85; 338 Spiele/44 Tore)

Der langjährige Libero und Abwehrspieler Gerd Strack begleitet seinen Heimatclub auch heute noch, wenn auch nur als regelmäßiger Zuschauer bei Heimspielen, als Spieler in der FC-Traditionself und als gelegentlicher Experte für die Medien. Wie so viele neutrale Beobachter fragt sich auch Strack, warum der FC nicht wieder an erfolgreiche Tage anknüpfen kann: "Clubs wie Mainz oder Freiburg, die ja ein viel geringeres Potenzial als der 1. FC Köln haben, haben uns in den letzten Jahren vorgemacht, wie man mit wenig Geld sehr erfolgreiche Bundesligamannschaften aufbauen kann", sagte Strack kurz vor dem letzten Abstieg gegenüber dem WDR.

Strack selbst, der erst im Herbst seiner Karriere auch den Sprung in die Nationalmannschaft schaffte und bei der EM 1984 ohne Einsatz zum deutschen Kader gehörte, prägte zusammen mit Schumacher die zweite erfolgreiche Ära der Geißböcke. Beim Double 1978 war er die prägende Figur in der Abwehr. Seine glänzende Schusstechnik verhalf ihm aber auch zu vielen Toren - so erzielte Strack 1980 beim 4:0-Sieg im UEFA-Pokal im Camp Nou gegen den FC Barcelona den Führungstreffer. 

Wolfgang Weber (1962-77; 470 Spiele/32 Tore)

Früher war ja ohnehin alles besser, diese abgedroschene Phrase trifft zumindest auf den FC völlig zu. Um noch eins draufzusetzen: Früher waren die Spieler auch alle härter - Syndesmosebandanriss, was ist das denn bitte? Ein lebhafter Beweis hat bei den Kölnern gespielt, denn Wolfgang "Bulle" Weber verletzte sich 1965 im Europapokal der Landesmeister im Entscheidungsmatch gegen den FC Liverpool, musste wegen der noch nicht eingeführten Auswechslungen aber weiterspielen. Die Reds kamen per Losentscheid weiter, Weber hatte sich das Wadenbein gebrochen. So wird man zur Legende.

Bernd Cullmann (1969-83; 458 Spiele/41 Tore)

Die Liste der Spieler, die noch heute fest mit dem FC verwurzelt sind, wird länger, denn auch Bernd Cullmann kam nach seiner langen und erfolgreichen Karriere nicht von dem Club los. Später arbeitete Cullmann im Vorstand mit, fungierte als Manager der Kölner und begleitete als Berater die Entwicklung seines Sohns Carsten und einiger anderer Spieler.

Dabei wäre es fast ganz anders gekommen, denn 1977 war sich Cullmann bereits mit Borussia Dortmund über einen Wechsel einig, es soll sogar schon erste Fotos von Cullmann im schwarz-gelben Jersey gegeben haben. Die Ablöseverhandlungen scheiterten aber und so blieb Cullmann in Köln, um im Jahr darauf mit dem Double den größten Erfolg der Vereinsgeschichte zu feiern

Heinz Simmet (1967-78; 478 Spiele/51 Tore)

Wir arbeiten uns im Dreamteam der Kölner langsam ins Mittelfeld vor, wobei das natürlich nicht nur mit Künstlern bestückt sein darf. Wir befinden uns in der Kategorie "Wasserträger": Was in Gladbachs großen Jahren Hacki Wimmer war, oder beim FC Bayern lange Jahre "Katsche" Schwarzenbeck, war in der erfolgreichen Ära des 1. FC Köln Heinz Simmet. Als Verfechter der etwas rustikaleren Gangart hielt Simmet den Künstlern im Team der Kölner den Rücken frei.

Während Schumacher (Düren), Strack (Kerpen) oder Overath (Siegburg) schon im Dunstkreis von Köln aufwuchsen, kam Simmet als gebürtiger Saarländer erst im Laufe seiner Profikarriere an den Rhein, dort fühlte er sich aber sofort heimisch, wie er vor einigen Jahren mal feststellte: "Ein echter kölsche Jong kann man nicht werden, man muss als solcher geboren werden. Aber ich war von der Stadt und der Mentalität schnell begeistert und habe mich anstecken lassen. In Köln habe ich mich immer wohl gefühlt."

Wolfgang Overath (1962-77; 542 Spiele/119 Tore)

Wolfgang Overath ist als Spieler ebenfalls mit der erfolgreichsten Zeit der Kölner verknüpft, als späterer Präsident (2004-2011) erlebte er aber auch dunkle Zeiten mit, für die er als Verantwortlicher viel Kritik einstecken musste - immerhin hatte der FC in Overaths Amtszeit zehn Trainer.

Overath gilt als Kind der Bundesliga, denn nach seinem Wechsel vom Heimatclub Siegburger SV musste er ein Jahr pausieren, das war damals die normale Strafe für einen Wechsel von einem Amateur- zu einem Vertragsspielerclub. Somit debütierte Overath 1963 in der Bundesliga, schoss in seinem ersten Spiel gleich ein Tor und führte den FC als neuer Spielmacher neben Hans Schäfer zur Meisterschaft. "Wir spielten in blütenweißen Trikots - und erinnerten damit an ein Markenzeichen von Real Madrid -, als die anderen noch dunkle oder bunte Trikots trugen. Und wir hatten eine sehr, sehr gute Mannschaft. Wir haben die erste Bundesligasaison geprägt", erzählte Overath bei faz.net.

Der Weltmeister von 1974 - Overath stand zusammen mit Flohe und Cullmann im deutschen Kader - musste drei Jahre später seine Karriere beenden, weil das Verhältnis zu Trainer Hennes Weisweiler euphemistisch als "angespannt" bezeichnet werden konnte. Weisweiler vertraute den Defensivqualitäten seines Kapitäns nicht mehr, setzte ihn nur selten ein und vergraulte ihn somit. Beim DFB-Pokalsieg 1977 verzichtete Weisweiler im Finale auf die Kölner Ikone.

Heinz Flohe (1966-79; 453 Spiele/118 Tore)

Der Kapitän der Double-Mannschaft heißt Heinz Flohe, um den die FC-Fans allerdings seit mehr als zwei Jahre zittern müssen. Flohe, seit Jahren von Herzproblemen geplagt, brach im Mai 2010 mit einem Schwächeanfall zusammen und liegt seitdem im Wachkoma. Zwei Jahre später organisierte der FC ein Benefizspiel zwischen der Traditionself und dem Team "Flockes Freunde" - der Erlös floss an die Familie Flohe.

Seinen Spitznamen erhielt Flohe von einem jugoslawischen Masseur, der seinen Nachnamen nicht aussprechen konnte. Für Nationalmannschaftskollege Klaus Fischer hatte der Name aber durchaus Symbolcharakter: "Mit Flohe spiele ich am liebsten. Seine Vorlagen fallen einem wie Schneeflocken vor den Fuß." Nach dem Rücktritt von Wolfgang Overath übernahm der immer ein wenig im Schatten von Overath stehende Flohe das Kommando im Kölner Mittelfeld und galt in der Doublesaison als Meistermacher.

Hans Schäfer (1948-65; 507 Spiele/304 Tore)

Ein weiterer Weltmeister des 1. FC Köln feierte vor wenigen Tagen seinen 85. Geburtstag: Hans Schäfer feierte 1954 in maßgeblicher Rolle das Wunder von Bern. Der Linksaußen bereitete das Siegtor im Finale von Helmut Rahn vor. "De Knoll", wie Schäfer in Köln genannt wird, wehrte aber alle Feier-Pläne ab. "Ich habe keinen Bock gefeiert zu werden", sagte Schäfer laut express.de an seinem Ehrentag. Zehn Jahre zuvor an seinem 75. Geburtstag machte Schäfer klar, dass er noch einiges vorhat: "Ich will 105 Jahre alt werden", sagte er damals: "Und dann in meiner Stammkneipe mit einem Glas Kölsch in der Hand an der Theke sterben."

In Köln spielte Schäfer eher als Halbstürmer, war dabei aber extrem torgefährlich, wie die über 300 erzielten Tore zeigen. Als Kapitän prägte Schäfer die beiden Meisterjahre 1962 und 1964 entscheidend mit.

Pierre Littbarski (1978-86 und 1987-93; 505 Spiele/144 Tore)

Der kleine Litti - über diesen Status kam er in Deutschland nach eigenen Angaben nie hinaus und erlangte erst in seinen späten Karrierejahren in Japan eine flächendeckende Anerkennung - wurde zwar in Berlin geboren und kam erst mit 18 Jahren nach Köln, trotzdem ist Pierre Littbarski eine feste Größe im Kölner Dreamteam. Mit seinen unnachahmlichen O-Beinen wurde Littbarski zu einer prägenden Figur in der Bundesliga, zudem bestritt er 73 Länderspiele und wurde 1990 Weltmeister - auch wenn er kein unumstrittener Stammspieler war.

Nach seinem Intermezzo beim Racing Club de Paris ging Littbarski zurück zum FC, der Freistoßspezialist ermöglichte den Wechsel durch ein Darlehen für die Kölner, die sonst die Ablösesumme nicht hätten zahlen können. "Ich will Spaß haben am Fußball, ich brauche die Begeisterung", sagte Littbarski damals in einem Spiegel-Interview. "Lieber Einbußen haben als todunglücklich sein."

Dieter Müller (1973-81; 326 Spiele/231 Tore)

Im Sturm führt kein Weg an Dieter Müller vorbei, der die drittmeisten Tore in der Kölner Vereinsgeschichte erzielte, 1977 und 1978 Torschützenkönig der Bundesliga war und mit sechs Toren in einem Spiel (beim 7:2-Sieg gegen Werder Bremen) einen ewigen Rekord in der Bundesliga hält. Müller wiederum verließ Köln nach seiner Zeit beim FC wieder, über die Stationen VfB Stuttgart, Girondins Bordeaux, Grashopper Club Zürich und Saarbrücken ging Müller in seine Heimat zu den Kickers Offenbach zurück, wo er bis zum vergangenen Jahr als Präsident tätig war. Derzeit erholt sich Müller von einem schweren Herzinfarkt.

Johannes "Hennes" Löhr (1964-78; 505 Spiele/235 Tore)

Neben Müller im Sturm steht Hennes Löhr, der vier Treffer mehr als sein langjähriger Partner im Angriff erzielte, dafür allerdings auch ein paar Jahre mehr benötigte. Löhr, der später lange Jahre die deutsche U 21 coachte, feierte als Manager 1983 den letzten Titel für den FC, später arbeitete er auch als Trainer und wurde 1986 entlassen - die Kölner lagen damals auf dem sechsten Rang in der Bundesliga.

"Heute würde man mich dafür auf Schultern durch Köln tragen", erzählte Löhr anlässlich seines 70. Geburtstags der Bild-Zeitung. "Ich hoffe, dass irgendwann wieder ein Trainer bei uns Sechster ist, den trage ich dann mit durch die Stadt."

Trainer: Hennes Weisweiler (Drei Amtszeiten von 1948-1980)

Darf ein Trainer in zwei Dreamteams auftauchen? Absolut findet sportal.de, denn nach Borussia Mönchengladbach führt auch in Köln kein Weg an Hennes Weisweiler vorbei. Müssten wir uns entscheiden, würde Weisweiler wohl eher zu den Fohlen gehören, aber wer schon als Spielertrainer 1948 am raschen Aufstieg des gerade erst gegründeten FC beteiligt war, in seiner zweiten Amtszeit mit der Integration von Jugendspieler für eine hohe Identifikation in Köln sorgte und als Doubletrainer in die Geschichte eingeht, an dem führt kein Weg vorbei. Das kann auch kein Christoph Daum ändern.