Das Hin und Her um Javi Martinez ist vorbei. Der Transfer des Spaniers ist fix und die Bayern dürfen sich auf den Welt- und Europameister freuen. Doch warum zahlt Bayern 40 Millionen Euro für Martinez? sportal.de zeigt Möglichkeiten auf und stellt ihn vor.
Auftatmen, Schweiß abwischen. "Puh, na endlich!", raunte es auch hier durch die Redaktion. Seit Wochen zog sich der Transfer von Javi Martinez zum FC Bayern München durch das Tagesgeschäft. Nicht nur die Redakteure, sondern auch die User waren zuletzt schon genervt von den ewig neuen Abschlussmeldungen, obwohl die einschlägige Meinung hausierte, dass Martinez gut für die Bundesliga wäre.
Wer ist der 40-Millionen-Mann Martinez?
Nun ist der Wechsel also perfekt. 40 Millionen für einen 23-Jährigen, der die letzten Wochen öfter in den Medien auftauchte als die Euro-Krise und der US-Wahlkampf zusammen.
Diese Aufmerksamkeit ist für den spanischen Nationalspieler nichts Außergewöhnliches, wurde er doch mit zarten 17 Jahren für sechs Millionen Euro aus der dritten spanischen Liga nach Bilbao gelotst, das seine Mannschaft traditionell nur mit baskischen Spielern auflaufen lässt.
Schnell hatte sich Martinez zum Stammspieler gemausert und wurde aufgrund seiner Herkunft, seiner eleganten Spielweise und seines außerordentlichen Ballgefühls zum Kaiser von Aiegi ernannt. Ob er auch beim FC Bayern, übrigens als erster Spanier der Vereinsgeschichte, zum neuen Kaiser wird, bleibt abzuwarten.
Del Bosque lobt Martinez
Das Potenzial hat er allerdings. Das weiß auch der spanische Nationalcoach Vincent del Bosque. "Bayern wird viel Freude an ihm haben. Fußballerisch kann man ihn mit dem ehemaligen Weltstar Patrick Vieira vergleichen", lobte der Nationalcoach, der Martinez in den Kader zur WM 2010 und EM 2012 berief, den defensiven Mittelfeldspieler in der Bild. "Er ist der geborene Anführer. Ein kompletter Spieler." Offen bleibt die Frage, warum Vincent del Bosque Martinez bei der EM kaum spielen lassen hat, wahrscheinlich aber aufgrund der hohen Real-Anteile und Barca-Anteile in der Startelf, die einfach gut eingespielt waren.
Dass Martinez auf einem ähnlichen Niveau spielt, zeigte auch das Interesse von weiteren Top-Clubs wie eben Real Madrid, dem FC Barcelona oder den beiden Clubs aus dem englischen Manchester. Aber was kann Martinez fußballerisch, um mit Vieira verglichen und von der Elite gejagt zu werden? Wer Martinez an sich bindet, erhält auf einen Schlag mehr Variationsmöglichkeiten, da der Baske sowohl in der Innenverteidigung, als auch im Mittelfeld einsetzbar ist und zu dem noch eine gefährliche Eigenschaft mit sich bringt: Er ist beidfüßig.
Die Rolle beim FC Bayern
Jupp Heynckes wird ihn wohl auf der Position der Doppelsechs einbinden und zumeist neben Bastian Schweinsteiger auflaufen lassen, bekommt jedoch auch die Möglichkeit mehr zu variieren und in der langen Saison seine Leistungsträger etwas zu schonen. Neben dem Einsatz zusammen mit Schweinsteiger ist auch das Zusammenspiel mit Luiz Gustavo denkbar, der nicht nur defensiv gute Arbeit leistet, sondern auch im Spielaufbau mitwirken kann und durch die Sicherheit Martinez' in Drucksituationen entlastet werden könnte.
Der 1,90-Meter-Riese hat seine Qualitäten vor allem im Spielaufbau. Er ist ein Allrounder, der in einer Fußballregion aufwuchs, in der die Nachwuchsarbeit nahezu legendär ist. Martinez selbst stellt das Team über sich selbst und hilft den Bayern dadurch nicht nur durch seine individuelle, sondern viel mehr noch durch seine kollektive Klasse: "Vor allem bin ich ein Mannschaftsspieler. Ich will immer für das Team arbeiten und meinen Mitspielern helfen. Und wenn sich die Möglichkeit bietet, schalte ich mich nach vorne ein, um zum Abschluss zu kommen."
Eine weitere Eigenschaft für die ihn vor allem Matthias Sammer und Uli Hoeneß schätzen werden, ist Martinez Ehrgeiz. Er lässt sich nicht unterkriegen, hat auch auf internationaler Ebene schon eine bittere Niederlage mit Bilbao einstecken müssen, als sie 2012 im Europa League-Finale unterlagen. Daraus hat er seine Lehren gezogen, wie er selbst betonte. Zudem zeigte er in der vergangenen Saison seine Flexibilität.
Doppeltes Glück für München
Bilbao-Coach Marcelo Bielsa setzte den Jungstar plötzlich nicht mehr im Mittelfeld, sondern in der Innenverteidigung ein, womit Martinez zwar zunächst Probleme hatte, sich aber schnell daran gewöhnte. "Bielsa dachte, dass ich in der Abwehr einen guten Job machen könnte. Am Anfang hat mich das viel Arbeit gekostet. Die Anpassung ist immer schwierig, aber es ging jedes Mal besser", so der sympathische Spanier in der Münchener TZ über die neugelernte Position. "Jetzt habe ich das Glück, zwei Positionen spielen zu können."
Und Bayern hat nun das Glück einen Spieler für gleich zwei Positionen zu besitzen, der noch Potenzial zur Verbesserung hat, obwohl er schon auf sehr hohem Niveau agiert. Neben dem neuen Ideengeber dürfen sich die Bayernfans und Fußballliebhaber auf die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten von Heynckes für die noch junge Saison freuen, die durch Martinez entstehen. Nicht nur haben die Nervenkostüme der Sportbegeisterten nun Entlastung, sondern die Bundesliga auch an Klasse dazu gewonnen.
