Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), gibt Prothesenspringer Markus Rehm (27) kaum Chancen, einen Start bei den Olympischen Spielen in Rio einzuklagen. "Die Ergebnisse des Gutachtens zeigen, dass Markus Rehm nicht den Beweis erbringen kann, dass er durch seine Prothese keinen Vorteil besitzt", sagte Prokop dem SID, nachdem Rehm zuvor die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie zu seinem Fall präsentiert hatte.
"Formell hat er damit die Anforderungen der IAAF, um bei Wettkämpfen mit Nichtbehinderten gemeinsam gewertet werden zu können, nicht erbracht", sagte Prokop: "Ich sehe derzeit keine Grundlage, mit welchen Argumenten er erfolgreich den Rechtsweg bestreiten könnte, um bei den Olympischen Spielen in einer Wertung starten zu dürfen."
Die Studie, die untersuchen sollte, ob Rehm durch seine Prothese Vor- oder Nachteile gegenüber nichtbehinderten Athleten hat, lieferte keine eindeutigen Ergebnisse. Im vergangenen August hatte die IAAF eine entsprechende Regeländerung beschlossen, nach der die Sportler selbst nachweisen müssen, durch "mechanische Hilfen" keinen Vorteil zu haben.
"Paralympischem Sport eine Bühne geben"
"Nach dem Leitspruch 'Im Zweifel für den Angeklagten' könnte ich jetzt versuchen, mich nach Rio zu klagen", sagte Rehm, der allerdings keine juristische Auseinandersetzung provozieren will. Der Leverkusener wolle "den olympischen und paralympischen Sport zusammenbringen". Dabei gilt für ihn nicht das Motto "Olympia oder nix".
Er werde "natürlich bei den Paralympics starten", die gut zwei Wochen nach den Sommerspielen am 7. September beginnen. Dennoch habe er die Hoffnung "nicht aufgegeben, bei Olympia zu starten - nicht um Medaillen, sondern um dem paralympischen Sport eine Bühne zu geben". Daher erwarte er, dass "ein Schritt auf mich zu gemacht wird. Die IAAF hat die gesellschaftliche Pflicht, sich Gesprächen zu öffnen".

