Während Barcelona zu null in Mailand verlor und Bayern nach dem starken Auftritt in London als Mitfavorit gelten muss, zeigten Galatasaray und Schalke 04 ein zwar unterhaltsames, aber nicht all zu hochwertiges Spiel. sportal.de analysiert.
Das Spiel zwischen Galatasaray und Schalke in Istanbul stand im Schatten gleich zweier anderer Begegnungen. Parallel schlug Milan Barcelona mit einer tollen Leistung 2:0 und brachte den Blaugrana damit die höchste Niederlage seit 132 Pflichtspielen bei. Am Vortag hatte Bayern mit einer großartigen Leistung in London seinen Anspruch auf den Titelgewinn der Champions League untermauert.
Das heißt natürlich nicht, dass das Match in der Türk Telekom Arena völlig uninteressant gewesen wäre. Für beide Teams und ihre Anhänger ging es um sehr viel, und nach dem Hinspiel wird Schalke sicher alles in allem etwas zufriedener sein. Grundsätzlich waren die Knappen zwar als Favorit in dieses Achtelfinale gegangen, aber die miserable Form mit nur einem Sieg aus inzwischen 13 Pflichtspielen auf Schalker Seite sowie der durch Didier Drogba und Wesley Sneijder verstärkte Gala-Kader hatten bei so manchem Fan der Königsblauen Zweifel aufkommen lassen.
Diese Zweifel sind auch noch lange nicht zerstreut, denn ein 1:1 ist zwar ein gutes, aber kein sicheres Ergebnis vor dem Rückspiel, es sei denn, Schalke findet in den dazwischen liegenden drei Wochen seine stabile Form wieder. Was haben wir aus dem Hinspiel gelernt?
1) Wer immer weiterkommt, wird es im weiteren Verlauf des Wettbewerbs sehr schwer haben
Es ist keine überraschende Sensation. Aber nachdem man Bayerns starke Vorstellung am Vortag gesehen hat, das taktische Niveau bei Milan - Barcelona und Shakhtar gegen Dortmund sowie die Klasse von Real Madrid und Manchester United, dann fällt es schwer, zu glauben, dass Schalke oder Galatasaray im Viertelfinale bestehen können. Das Spieltempo war (mit einigen hauptsächlich von Schalke verantworteten Ausnahmen) nicht all zu hoch, die Kompaktheit beider Defensiven genügte ebenfalls nicht Champions League-Ansprüchen.
Das lag auch am Rasen, der eher an das Geläuf von Erzgebirge Aue erinnerte als an eine Champions League-Spielfläche. Einige Fehlpässe und Stockfehler schienen darauf zurückzuführen zu sein, dass der Ball versprang. Pressing wurde von beiden Mannschaften kaum praktiziert. Schalke wirkte zwar über 90 Minuten gesehen etwas besser, aber nach der Qualität der Großchancen hätte Galatasaray auch 3:1 gewinnen können.
2) Wesley Sneijder - ein Spieler, der überhaupt nicht ins System passte
Einer der beiden hochkarätigen Winterneuzugänge konnte überhaupt nicht rechtfertigen, warum er am Bosporus als großer Hoffnungsträger gefeiert wurde. Auf der linken Außenbahn hatte Wesley Sneijder kaum direkten Einfluss aufs Angriffssspiel. Zudem ist bekannt, dass Sneijder nicht gerade enthusiastisch nach hinten mitarbeitet.
Die Folge: Immer wieder schalteten sich in der ersten Hälfte Julian Draxler und Jefferson Farfán auf der rechten Schalker Seite zusammen ins Angriffsspiel ein, im Rücken von Sneijder, der nicht darauf reagierte, wenn sein Hintermann Albert Riera sich zwei Gegenspielern gleichzeitig gegenüber sah. Das Dilemma von Fatih Terim: In seinem 4-4-2 ist er - zumal gegen starke internationale Gegner - auf eine funktionierende Doppelsechs angewiesen. Felipe Melo und Selcuk Inan füllten diese Rolle gegen Schalke lange zufriedenstellend aus. Aber Sneijder ist ja nicht verpflichtet worden, um dann in Schlüsselspielen auf der Bank zu sitzen. Also muss ein Platz für ihn gefunden werden.
3) Didier Drogba - ein Mann, der nichts verlernt hat
Ganz anders Didier Drogba: Obwohl er ein halbes Jahr in China gespielt hatte, schien der Weltklassestürmer keine Anlaufzeit zu brauchen und auch keine Konditionsdefizite zu haben. Als Sturmpartner von Burak Yilmaz, der eher auf die Rolle des klassischen Mittelstürmers festgelegt ist (das aber mit Erfolg: 19 Saisontore in 25 Spielen), zeigte Drogba seine ganze Vielseitigkeit. Großes Laufpensum, tolles Passspiel, gute Arbeit gegen den Ball. Nur ein Tor blieb dem Champions League-Titelverteidiger verwehrt.
4) Die Bundesliga weiter auf dem Weg nach oben?
Ohne Niederlage sind die drei deutschen Champions League-Clubs durch ihre Auswärts-KO-Spiele gekommen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es zum allerersten Mal überhaupt im Europapokal der Meister drei Viertelfinalisten aus der Bundesliga geben wird. Aber wie wir schon vor einigen Wochen aus Anlass des Hypes um Pep Guardiola argumentiert hatten, ist es für die meisten Zwecke viel zu pauschal, von der Entwicklung "der Bundesliga" zu sprechen.
Bayern, eine der aktuell besten Mannschaften der Welt, lässt sich viel besser mit Barcelona vergleichen als mit Schalke. Auf der anderen Seite war zwar Arsenal mehr oder minder chancelos gegen die Münchner, das lässt aber auch nur sehr eingeschränkt Aussagen über die Premier League als Ganze zu, und Manchester United ginge zwar als Außenseiter in zwei Spiele gegen Bayern, aber keineswegs ohne Aussicht auf Erfolg.
5) Und Schalke? War das die Wende?
Zwei Unentschieden in Mainz und Istanbul sind sehr respektable Ergebnisse für den umstrittenen Jens Keller. Seinen Job wird er auf Dauer aber nur retten können, wenn Schalke entweder die Champions League-Plätze in der Liga erreicht, oder zumindest einen klaren Aufwärtstrend erkennen lässt, der als Basis für die kommende Saison interpretiert werden kann.
Zunächst einmal hat Keller sich etwas Luft verschafft, um die kommenden Spiele gegen Düsseldorf und in Wolfsburg in Ruhe anzugehen. Dann aber kommen innerhalb von wenigen Tagen Dortmund und Galatasaray nach Gelsenkirchen, und die eigentliche Standortbestimmung steht an.

