"Am Ende gewinnt nicht immer der Favorit", hatte Milan-Vize Adriano Galliani vor dem Champions League-Achtelfinalhinspiel gegen Barcelona geunkt - und er sollte Recht behalten. Denn sein zuvor fast überall als Underdog eingestuftes Team verdiente sich einen 2:0-Heimsieg.
Die Kontertaktik der Gastgeber ging dabei voll auf, gleichzeitig wurde die hoch gehandelte Offensive der Katalanen komplett neutralisiert. Vor 80.000 Zuschauern im Giuseppe Meazza-Stadion neutralisierten sich beide Teams lange gegenseitig und lauerten auf Fehler des Gegners. Erst im zweiten Durchgang brachte dann Kevin-Prince Boateng Mailand in Führung (57.), Sulley Muntari besorgte den überraschenden, aber verdienten Endstand (81.).
Für die Mailänder war es nach acht Jahren der erste Sieg gegen Barcelona und der erste Heimsieg in der laufenden Champions-League-Saison. Wettbewerbsübergreifend aber haben die Italiener jetzt acht ihrer letzten neun Heimspiele gewonnen.
Mailand verteidigt aufopferungsvoll
Mailand stand von Anfang an im Zentrum dicht gestaffelt und erwartete Barcelona mit einer Fünferkette im Mittelfeld, um dann nach Ballgewinn über den schnellen Stephan El Shaarawy zu kontern. Barcelona tat sich lange sichtlich schwer, gegen die Mailänder Defensive Anspielstationen zu finden und Chancen zu kreieren.
Die erste gute Möglichkeit hatten dann die Gastgeber. El Shaarawy wurde auf dem linken Flügel freigespielt, der 20-Jährige legte sich aber im Strafraum den Ball zu weit vor, so dass Carles Puyol noch klären konnte (15.). Mailand verteidigte weiter gut, ließ in der ersten halben Stunde nur drei Torschüsse zu. Offensiv wirkten die Italiener durch ihre Konter sogar gefährlicher als Barcelona.
Im Laufe der ersten Halbzeit zog Mailand sich immer weiter zurück, immer wieder stellten sich alle Feldspieler innerhalb von 15 Metern vor dem eigenen Strafraum auf. Die Gäste versuchten immer wieder, durch ihr Kombinationsspiel im Strafraum zum Abschluss zu kommen, vor der Pause kam Barcelona aber zu keiner wirklich gefährlichen Torchance.
Boateng trifft zur Führung
Nach dem Seitenwechsel sahen die Zuschauer zunächst ein unverändertes Bild. Mailand baute seine Abwehrreihen um den eigenen Strafraum auf und wartete auf Konterchancen, während Barcelona immer wieder versuchte, mit schnellen Pässen vor das gegnerische Tor zu kommen.
Infolge eines Freistoßes ging Mailand dann in Führung. Der Schussversuch aus zentraler Position von Montolivo prallte von einem Gästespieler an die Hand von Cristian Zabata und von da vor die Füße von Boateng. Der ehemalige Bundesliga-Spieler zögerte nicht lange und ließ Victor Valdes aus 15 Metern Entfernung keine Chance.
Nach dem Tor war mehr Feuer in der Partie, zum ersten Mal waren die Fans wirklich zu hören. Die Hausherren verteidigten weiter diszipliniert und ließen keine Torchancen zu, Barcelona biss sich regelrecht die Zähne an der Abwehr aus. Gleichzeitig wirkte Mailand nach vorne weiterhin gefährlicher als die hoch gehandelte Offensive der Katalanen.
Mailand mit dem zweiten Tor
Die bis dato beste Torchance für Barcelona hatte Andres Iniesta in der 77. Minute, sein Distanzschuss rauschte aber am rechten Pfosten vorbei. Auch Xavis Freistoß (79.) ging knapp über das Tor. Mehr kam von den Gästen offensiv nicht, insgesamt kontrollierte Mailand das Spiel und hielt die gegnerische Offensive in Schach.
Mailand allerdings legte nochmal nach und verschaffte sich so eine nahezu perfekte Ausgangslage vor dem Rückspiel. El Shaarawy wurde im Strafraum angespielt, der 20-Jährige nahm den Ball mit der Brust an und legte hoch quer auf Muntari. Der Mittelfeldspieler nahm den Pass direkt und schoss wuchtig und unhaltbar in die lange Ecke zum 2:0 ein.
Selbst in der Schlussphase behielten die Gastgeber ihre Disziplin und ließen keine Chance zu, Barcelona musste sich mit insgesamt sieben Torschüssen begnügen. Im Rückspiel am 12. März in Barcelona könnte Mailand sich jetzt sogar eine knappe Niederlage erlauben.
Autor: Adrian Bohrdt
