Die dramatische Wende am letzten Tag des Ryder Cups, bis hin zu Martin Kaymers entscheidendem letzten Putt, wirft die Frage auf, ob es ein spannenderes, ja überhaupt ein besseres Sportereignis gibt. Wir finden: Gibt es nicht. Und hier sind die Gründe, warum das so ist.
In den meisten in den USA populären Sportarten spielt die Nationalität keine große Rolle. In den Profiligen NBA, NFL, NHL oder der Major League Baseball geht es ebenso wenig darum wie beim NASCAR-Rennen - oder eben beim Golf, in allen normalen Wochen des Jahres. Selbst bei den Major-Turnieren richtet sich die Aufmerksamkeit der Fans natürlich eher auf Tiger Woods als auf, sagen wir mal: Francesco Molinari. Aber nicht primär, weil Woods Amerikaner ist. Sondern, weil er ein Superstar ist.
Viel zu viele Amerikaner sind in den Top 20 der Weltrangliste, als dass man in den USA ein Turnier nach der Devise "Wir schauen nur auf die US-Spieler" verfolgen könnte, wie es etwa Sky in Deutschland macht, das permanent unten rechts im Bild den aktuellen Spielstand von Martin Kaymer einblendet - selbst, wenn der gar nicht mehr auf dem Platz steht oder schon ausgeschieden ist. Der Ryder Cup ist einer der seltenen Anlässe im Profisport, bei dem die Fans sich in einen "U-S-A! U-S-A!"-Rausch schreien. Auch, weil die früher fanatischeren britischen Anhänger ihre europäischen, aus dem Fußball entlehnten Gebräuche mit in den Cup gebracht haben.
Aber auch für die europäischen Golfer ist die Identifikation mit dem Event und ihrer Mannschaft extrem, und diese Verbindung hat in den letzten 30 Jahren sogar noch zugenommen, seit eine gesamteuropäische Auswahl antritt. Eine Woche vor dem Ryder Cup fand die Tour Championship der amerikanischen PGA Tour statt. Dort gibt es einen Jackpot von 10 Millionen Dollar zu gewinnen. Beim Ryder Cup verdienen die Profis gar nichts. Aber woran werden sie und die Fans sich in 20 Jahren noch erinnern?
Identifkation - mit Mannschaft und Fans, nicht mit "der Nation"
Und das Beste: Das alles hat - vor allem auf europäischer Seite - nicht das Geringste mit Nationalismus zu tun. Völlig egal, ob man für den Stabilitätspakt ist oder wie man zur Europäischen Zentralbank steht: Es ist die Auswahl der besten Golfer des Kontinents, die sich als sportliches Team verstehen und nicht die "europäische Idee" oder eine ethnische Identität repräsentieren, sondern die besten Werte des Golfs (und Sport überhaupt) verkörpern: Weltklasse in ihrem Sport, Fanatischer Wettbewerbsgeist und Siegeswille bei gleichzeitiger Fairness und Respekt gegenüber dem Gegner.




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