Bradley Wiggins hat bei der Tour de France sein Gelbes Trikot verteidigt und das 41,9 Kilometer lange Zeitfahren gewonnen. Während der Sky-Kapitän seine Verfolger demontierte, musste Tony Martin erneut einen platten Reifen verkraften und wird die Tour wohl beenden.
Vor dem ersten Ruhetag sorgte Wiggins für einen Paukenschlag. Nicht, dass er das Zeitfahren nur gewann. Er distanzierte mit Cadel Evans den Zweiten der Gesamtwertung um 1:43 Minuten, sodass der Vorsprung auf nun 1:53 Minuten anwuchs. Christopher Froome fuhr auf Rang zwei und liegt nur noch 14 Sekunden hinter Evans.
"Das war brillant", meinte ein sichtlich zufriedener Wiggins am Montag in fließendem Französisch. "Auf diesem schwierigen Kurs kam mir meine zehnjährige Erfahrung auf der Bahn entgegen. Ich fand sofort die richtige Position auf dem Rad", erklärte der dreifache Bahn-Olympiasieger.
Fabian Cancellara, der das kurze Zeitfahren am Eröffnungstag gewonnen hatte, landete auf dem dritten Rang. "Jetzt konzentriere ich mich weiter auf das Match gegen Evans und Nibali. London ist erst nach der Tour ein Thema für mich", sagte Wiggins, der seinen ersten Tour-Etappensieg überhaupt gefeiert hatte.
Wiggins: Es dreht sich nur um die Gesamtwertung
Diese Premiere ging fast unter. "Bei mir dreht sich alles nur um die Gesamtwertung", meinte der baumlange und spindeldürre Wiggins mit den markanten Koteletten fast schon entschuldigend. "Der Sieg im Einzelzeitfahren ist für mich aber ein Bonus."
Die überragende Vorstellung der Mannschaft Sky krönte Froome. "Wir hätte nicht mehr erwarten können", jubelte der Edelhelfer. "Das war ein Superrennen für unser Team und zeigt, wie stark wir sind." Shootingstar Froome hatte erst am Samstag die schwere erste Bergetappe in den Vogesen vor Evans und Wiggins gewonnen.
Tony Martin vom Pech verfolgt
Für Tony Martin war an einen Tagessieg dagegen nicht zu denken. Zwar kam er mit seiner gebrochenen linken Hand heil über den anspruchsvollen Parcours, nach der Reifenpanne ging es aber nur noch um Schadensbegrenzung. Vor der Tour und seinen Rückschlägen galt er noch als Favorit für das Zeitfahren.
Wahrscheinlich wird Martin jetzt die Heimreise antreten, um sich speziell auf das Olympia-Zeitfahren in London - unter den besonderen Gegebenheiten seines gebrochenen Kahnbeins - vorzubereiten. "Es wäre besser, er macht Schluss", riet ihm Teamarzt Helge Riepenhof vor dem ersten Ruhetag bei dieser Tour.
Vorsicht geboten - großes Ziel sind die Olympischen Spiele
Für Martin war das Rennen vor vorneherein eine Gratwanderung. Zum einen wollte er natürlich seinen Vorjahressieg im Kampf gegen die Uhr wiederholen, zum anderen durfte er mit seiner Verletzung im Hinblick auf Olympia kein zu hohes Risiko eingehen. Vor allem bei den steilen Passagen und den gefährlichen Abfahrten der Strecke nach Besancon machte sich sein schmerzendes Handicap bemerkbar.
Das technische Malheur mit der Reifenpanne nach knapp fünf Kilometern gab Martin den Rest. "Es war ein wahnsinniger Kampf danach. Ich war davor so konzentriert, kam dann aber massiv aus dem Rhythmus", sagte Martin, der erstmals nach seinem Sturz vor neun Tagen ohne eine stützende Schiene um das Handgelenk auskam.



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