Borussia Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre hat in einem Interview Einblicke in seine Trainingsphilosophie und den Umgang mit seinen Spielern gewährt. Der Schweizer freut sich außerdem auf Pep Guardiola, warnte aber gleichzeitig vor möglichen Problemen.
Seit Februar 2011 ist Lucien Favre Trainer bei Gladbach, bewahrte das Team vor dem Abstieg und führte die Mannschaft sogar einmal in die Europa League. Wesentliches Mittel, um Verein intern intakt zu halten, ist für ihn Offenheit zwischen allen Beteiligten, führte er in der "Sport Bild" aus.
"Das wichtigste ist Ehrlichkeit. Einem Spieler zu erklären, warum er nicht spielt. Das gilt auch in die andere Richtung: Meine Tür steht immer offen, für jeden. Die Kommunikation ist sehr wichtig. Auch mit dem Vorstand, mit dem Sportchef, mit Mitarbeitern, dem Schiedsrichter oder anderen Trainern", erklärte Favre.
Außerdem wolle er sich immer weiterentwickeln: "Wenn du das nicht machst, bist du tot. Ich will neue Sachen reinbringen, bin immer neugierig." Dabei sei er aber gleichzeitig kein einfacher Trainer: "Ich bin Profi, da muss man Perfektionist sein. Wenn im Training ein Hütchen zwei Meter zu weit rechts liegt, das geht halt nicht."
Favre beeindruckt von Dante
Zuletzt hatte die Borussia aber vor allem Probleme damit, ihre Stammkräfte zu halten. Mit Marco Reus und Roman Neustädter sowie Innenverteidiger Dante verließen im vergangenen Sommer drei Stützen den Verein. Vor allem die Entwicklung des Brasilianers, der beim FC Bayern zum unumstrittenen Stammspieler avancierte, überraschte Favre.
"Dante ist ein Chef. Als wir gegen Bayern spielten, machte er seine Mitspieler im Spielertunnel heiß. Er will immer Fortschritte machen, in jedem Training. Er fragt, was er besser machen kann. Aber er hat alle überrascht. Seine Entwicklung ist enorm", lobte der Schweizer.
"Keine Sorgen" hinsichtlich weiterer Abgänge
Dass die Borussia auch in diesem Sommer noch Leistungsträger verlassen, befürchtet der 55-Jährige indes nicht. Unter anderem waren Patrick Herrmann und Torhüter Marc-Andre ter Stegen bei anderen Klubs im Gespräch: "Das stimmt, aber die Gerüchte kamen auch nur aus den Zeitungen. Wir hatten keine Sorgen."
Dennoch weiß auch Favre, dass man einen Wechsel nie komplett ausschließen kann - immerhin soll der FC Barcelona an einem Angebot für ter Stegen basteln. "Man weiß nie, was passiert. Wenn jemand ein oder zwei tolle Saisons spielt, wird es immer gefährlich", bilanzierte der 55-Jährige.
Warnung an Pep Guardiola
Auf einen neuen Kollegen freut sich Favre derweil besonders: Für die Bundesliga sei der Wechsel von Pep Guardiola zum FC Bayern "eine sensationelle Werbung", der Spanier werde die Bayern "prägen".
Dennoch hatte Favre eine Warnung an den Spanier parat: 2007 hatte er nach seinem Wechsel von Zürich nach Berlin 2007 sprachliche Probleme - trotz Deutschkurs: "Die Sprache ist heutzutage enorm wichtig. Ob du mit deinen Spielern redest, dem Vorstand oder der Presse - ein Komma kann wichtig sein. Das könnte für Guardiola am Anfang ein kleines Problem werden, denn Deutsch ist sehr schwer."
Letztlich sei es für einen Trainer bei Bayern trotz allem leichter als in Gladbach: "Du musst Titel holen, dafür tust du alles, und der Druck ist riesig. Aber du weißt, wie es gehen kann. In Gladbach wollen die Leute auch Erfolg, aber den kannst du nicht immer haben."
Autor: Adrian Bohrdt

