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Von: Daniel Raecke
Datum: 08. März 2013, 07:30 Uhr
Format: Artikel
Diskussion:
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Fünf Fragen an den 25. Spieltag

Peer Steinbrück, Borussia Dortmund
Peer Steinbrück: Ein Freund klarer Worte. So weit, so gut.

"Klartext" sprechen Prominente meistens, wenn Journalisten der gleichen Meinung sind und das dann als mutiges Statement deklarieren. Was aber, wenn Journalisten selbst Klartext sprechen? Autoerotisch. Dann sind Sie sicher bei sportal.de gelandet. Herzlich willkommen bei den Fünf Fragen zum Spieltag.

Wenn Sie in einen Artikel klicken, über dem "Fünf Fragen an den Spieltag" steht, dann kann das nur eines von fünf Dingen bedeuten:

1) Sie sind gar kein Mensch, sondern ein Internetbot, der von einem besonders unfähigen Programmierer aufgesetzt worden ist. (Fun Fact am Rande: Der europäische Generalstaatsanwalt heißt Yves Bot. Der Mann wird es in Onlinepartnerbörsen schwer haben).

2) Sie sind ein Mensch, aber einer ohne geregeltes Einkommen, der den lieben langen Tag nichts Besseres zu tun hat als in nicht-informative, pseudohumoristische Artikel hineinzuschauen, weil nicht so schnell gute neue Texte erscheinen, wie Sie sich langweilen.

3) Sie sind ein anderer sportal.de-Redakteur, der ängstlich nachsehen will, ob sein Name hier in verunglimpfender, möglicherweise karriereverkürzender Absicht zur Sprache kommt. Lest ruhig weiter, liebe Kollegen, wer weiß, was noch folgt?

4) Sie sind der Redaktionsleiter von sportal.de, der zwar nicht weiß, wie lange er diesen Quatsch noch subventionieren soll, aber wenn das Zeug schon auf der Seite steht, kann man auch gerne mit ein paar schnellen Drive-by-Page-Impressions die Statistik schönen. In diesem letzten Fall lesen Sie immerhin hoffentlich nicht bis zu dieser Stelle. Ansonsten: Nichts für ungut, Chef!

5) Sie sind aller anderen Seiten überdrüssig und wollen dahingehen, wo schonungslos die Wahrheit ausgesprochen wird. Sie mögen "Klartext". Egal, ob von Dieter Bohlen, Peer Steinbrück oder Malte Asmus.

Wer übrigens auch Klartext mag, ist Franz Josef Wagner, der berüchtigte Bild-Kolumnist, der einem Kollegen den freiwilligen Verzicht auf die Formulierung "debil" erschwert, indem er Kolumnen schreibt, die mit "Liebes Bio-Frühstücks-Ei" beginnen. Wagner, so sein "Brief" vom vergangenen Freitag, "mag" Peer Steinbrück: Die Sprache des SPD-Kanzlerkandidaten sei "klar wie ein Wasserfall". Die Klarheit eines Wasserfalls hängt allerdings, ohne überkritisch mit dem Bild Wagners umgehen zu wollen, vor allem davon ab, Industrien welcher Branche sich flussaufwärts angesiedelt haben.

Das wäre jetzt eine tolle Überleitung, um zu unseren fünf Fragen zu kommen, und zu sagen, die seien so voll von Klartext, weil wir direkt an der Quelle säßen. Würde passen, oder? Ich könnte echt Geld mit so was verdienen. Leider sitzen wir hier aber nur vor dem Computer wie Sie auch, lieber Bot/Langzeitarbeitsloser/Kollege/Chef/Connoisseur. O Internet, Du großer Gleichmacher, Du bist Fluch und Segen zugleich!

Fluch, weil jeder "Leserreporter" mit einem Smartphone zweiter Generation unseren Job umsonst machen kann, und erzählen Sie dann mal einem dieser Businesstypen, warum man jemandem wie mir noch Geld hinterherwerfen sollte. Aber andererseits auch Segen. Weil genau wie beim Golf, wo man Hook Shots ruhig schlagen kann, wenn es keine Bäume, Wasserhindernisse oder Zuschauer in Reichweite gibt, man sich als Online-Journalist hemmungslos austoben und nach dem Gießkannenprinzip über alles schreiben kann, was sich bewegt.

Glas halb leer: Über kurz oder lang werde ich mich wohl in der Gebäudereinigungsbranche verdingen. Glas halb voll: Hier sind die fünf Fragen an den Spieltag. Schonungslos offen. This is how we roll.

1) Was ist eigentlich aus dem Thema "Traditionsvereine sollten mehr verdienen" geworden?

Wenn Dortmund am Wochenende auf Schalke spielt, dann ist das einer dieser Anlässe, an dem Menschen auf Sky auch ins Einzelspiel schalten, so dass Marcel Reif endlich mal jemand zuhört. Vergleichbare Zahlen aus der Vorsaison deuten an, dass in solchen Fällen schon mal 400.000 Menschen oder mehr auf Sky das Topspiel ansehen. Wie viele aber schalten parallel stattfindende Begegnungen wie Freiburg gegen Wolfsburg ein? Nach Sky-Angaben sind das manchmal nur etwa zwei Prozent der Fans, die ein Topspiel sehen und nur ein Prozent der Konferenzzuschauer.

Da möchte man gar nicht wissen, ob bei Sandhausen gegen Ingolstadt, wo alle Interessierten sich entweder im Stadion oder im Wachkoma befinden, überhaupt irgendjemand für "Einzelspiel" auf der Fernbedienung optiert. Als Test müsste ein Sky-Kommentator hier einfach mal das Telefonbuch des Rems-Murr-Kreises vorlesen und warten, ob es Reaktionen gibt. Wir stellen allerdings fünf Fragen an die Bundesliga, und da ist uns das Thema viel zu ernst für frivole Späße rund um unseren alten Leib- und Magenclub FC Ingolstadt.

Die extremen Diskrepanzen im Interesse an den verschiedenen Bundesligisten, von denen man auch ohne Einschaltquoten-Statistiken geahnt hätte, wurden ja von Hans-Joachim Watzke als Argument zur Unterstützung der Forderung benutzt, Traditionsclubs wie Dortmund, Schalke oder der HSV sollten einen größeren Teil der Fernsehgelder erhalten als Hoffenheim oder Wolfsburg. Diese hängten sich nämlich, so Watzke, parasitär an die durch die alten Clubs und ihre Fans generierte Attraktivität und schöpften Bundesliga-Profite ab, die sie sich eigentlich gar nicht verdient hätten.

Wie bei den meisten Themen des deutschen Fußballs, die mit Dortmund oder Bayern zu tun haben, hub eine Diskussion an, in der es weniger um die Sache ging als vielmehr um nackten Hass. Gut, dass es sportal.de gibt, das Zentralorgan der ausgewogenen Gesprächsführung, die Heimstatt der gemäßigten Rhetorik. Denn als wir beim Blick in den Spielplan, den wir jeden Morgen noch vor dem Zähneputzen anbringen, feststellten, dass Schalke gegen Dortmund parallel zu Fürth gegen Hoffenheim läuft, da beschlossen wir gleich, dass es an der Zeit sei, das Watzke-Thema mal wieder aufzugreifen.

Aus neutraler Sicht kann man ja zumindest sagen, dass die Position aus Dortmunder (und Schalker, Münchner, Gladbacher oder Hamburger Sicht) nicht ganz abwegig ist. Natürlich besteht der Reiz der Bundesliga nicht völlig unabhängig von der Geschichte und ihren Protagonisten. Man könnte nicht einfach 18 Werksteams in die Liga hieven und alles würde weiterlaufen wie bisher. Das gilt so für alle großen Ligen Europas. Nur werden daraus nicht überall die gleichen Konsequenzen gezogen wie hierzulande.

In Spanien und in Schottland etwa besitzen die alle anderen überstrahlenden Großclubs wesentlich mehr Macht im Aushandeln der Fernsehverträge als in der Bundesliga. Das ist für diese Clubs schön, hilft der Liga als ganzer aber nicht unbedingt, vor allem in Sachen Spannung. Aber die Gegenposition, die Bundesliga sei "so ausgeglichen" und "so erfolgreich", weil hier eine ausgewogene Distribution der Gelder von Sky und ARD erfolge, ist weder besonders originell noch wirklich zutreffend.

Die Bundesliga ist nicht sehr ausgeglichen, Bayern (und seit einigen Jahren Dortmund) überstrahlen die meisten kleineren Clubs und generieren dank ihrer Popularität viel mehr Einnahmen durch Eintrittskarten, Merchandising oder Sponsoring - ganz abgesehen von den UEFA-Geldern, die mit überhaupt niemandem geteilt werden. Da kann man sagen: Ein Grund mehr, wenigstens bei den nationalen Fernseheinnahmen solidarisch zu bleiben. Das ist aber eine graduelle Frage und keine prinzipielle.

Chancengleichheit im europäischen Fußball ist ein schwieriges, aber wichtiges Thema, bei dem aber viel zu viele Meinungen schnell geäußert werden, ohne hinterfragt zu werden. Aus dem US-Sport entlehnte Maßnahmen zur Kompensation sportlicher Unterschiede würden in Europa nicht funktionieren, weil es keinen geschlossenen nationalen Spielermarkt gibt und zu große finanzielle Unterschiede zwischen in der Champions League konkurrierenden Ligen bestehen, um Salary Caps oder Ähnliches zu installieren.

Die Bundesliga funktioniert aktuell nicht nur deshalb relativ gut, weil hier alles richtig gemacht wird, sondern weil es in allen anderen großen Märkten Europas wirtschaftliche Probleme gibt, was den Bundesligisten in Relation zur Konkurrenz hilft. Das ist kein hinreichender Grund für die Position: "Alles muss so bleiben, wie es ist". Die Verteilung der TV-Gelder kann man zumindest mal offen diskutieren.

2) Ist Ludwig Preis eine Billiglösung oder der Fürther Retter?

Bevor Sie die nächste Frage lesen, halten Sie mal kurz still und lassen sich mit dem Neuralyzer behandeln. Denn Sie sollten sich möglichst nicht mehr daran erinnern, dass wir gerade Hajo Watzke und seiner Argumentation gefolgt sind und sinngemäß zum Einschalten des Derbys aufgefordert haben, weil alle anderen Spiele uninteressant seien. Ähem. Look right here.

Am Samstagnachmittag kommt es zum "Abstiegsendspiel" (mein Name ist Phrase, ich weiß von nichts) zwischen der Spielvereinigung Fürth und der TSG Hoffenheim. Tiefer sinken kann diese Liga nicht, und der Verlierer des Spiels könnte Schlechteres mit seinem freien Sonntag anstellen als schon mal das Navi mit neuen Routen zu füttern. Aber Moment - hat Fürth nicht einen neuen, frischen Trainer? Äh, nein.

Fürth wollte einen frischen, neuen Trainer verpflichten, aber der wollte nicht, und nach und nach ist die erfolglose Suche so nahe an Nadel-Heuhaufen-Dimensionen gekommen, dass Lothar Matthäus sich im Fernsehen selbst als Kandidat ins Gespräch brachte - nur, um im gleichen Atemzug abzusagen. So bleibt nun Interimslösung Ludwig Preis auch im dritten Spiel verantwortlich, bis die DFL-Statuten ihm eine Weiterbeschäftigung zumindest offiziell untersagen werden.

Preis hat zwei Unentschieden gegen Leverkusen und beim HSV geholt, was achtbar ist. Das Hauptproblem des Kleeblatts, dass man nämlich häufiger ein vierblättriges solches findet als ein Bundesligator der Spielvereinigung, das konnte Preis auch nicht beheben. Der Schnitt von Toren pro Spiel ist unter ihm (so unseriös eine solche Rechnung nach zwei Spielen ist) sogar noch weiter zurückgegangen, auf nur noch 0,5 Treffer pro Spiel. Wenn man zwei gute Remis holt, dann ist das ok, sagen Sie? Im Normalfall schon. Fürth steht aber nicht auf dem Normalfall, sondern auf dem letzten Tabellenplatz. Und bei der Entlassung von Mike Büskens hatten die Franken vier Punkte Rückstand auf Platz 16. Jetzt sind es sieben.

3) Hat Schalke die "Wende" geschafft?

Sie hören es hier nicht zum ersten Mal, aber wenn Sie nicht im Text hin- und herspringen wie ein ungeduldiges Kind oder Michel Massing (STRG+F, "Schalke"), dann haben Sie ohnehin alles vergessen, was vor Frage zwei kam. Und dann können Sie mit leuchtenden Augen zuhören, wie wir Ihnen sagen: Eine der Kardinaluntugenden des Fußballs besteht darin, wenige oder gar nur ein Spiel hochzurechnen auf den Rest der Saison. Viel zu oft wird nach einem Sieg einer vor sich hin kriselnden Mannschaft angenommen, jetzt gehe es aufwärts, während eine Heimniederlage inmitten einer guten Serie gerne als "fehlende Konstanz" interpretiert wird.

Hey, Fußball heißt, dass man nicht immer alle Spiele gewinnt oder verliert. Wenn man nicht Bayern oder Fürth ist, dann wird es immer mal Ausnahmen einer je angenommenen Regel geben. Das tatsächliche Leistungsvermögen einer Mannschaft sollte immer über einen längeren Zeitraum analysiert werden. Dass man als Fan, Spieler oder Trainer immer annimmt, in einem außerordentlich guten Spiel habe man "endlich sein Potenzial abgerufen" ist klar. Es ist aber auch oft Unsinn. Denn der Gegner hat ja auch ein Potenzial.

Was heißt das alles für Schalke und seine Chancen, a) das Derby zu gewinnen und b) das Viertelfinale der Champions League zu erreichen? Dass man die guten Ansätze im Spiel in Wolfsburg und die ordentliche Leistung von Istanbul durchaus würdigen darf. Aber die Probleme, die zur Entlassung von Huub Stevens führten, sind keineswegs behoben. Vergleicht man die 25 Pflichtspiele, die Schalke in dieser Saison unter Stevens bestritt, mit den 12 Spielen, die Keller verantwortete, so stellt man fest, dass Stevens einen wesentlich besseren Punkteschnitt aufweist (1,72 gegen 1,33).

Das 4:1 in Wolfsburg war der bisher einzige Sieg mit mehr als einem Tor Differenz in Kellers 12 Pflichtspielen. Unter Stevens gewann Schalke in dieser Saison sieben von 25 Spielen deutlich. Selbst wenn man, anders als ich, der Meinung ist, der Negativtrend im Spätherbst habe den Trainerwechsel gerechtfertigt, muss man momentan erst noch mal abwarten, ob Schalke die nur leichte Aufwärtstendenz (noch kein Sieg gegen eine Mannschaft aus der oberen Tabellenhälfte unter Keller) auch in den beiden wichtigen und anspruchsvollen Spielen gegen Dortmund und Galatasaray innerhalb von nur vier Tagen bestätigen kann.

Selbst, wenn beide Spiele verloren gingen, ließe sich Schalkes Saison indes noch retten - wenn Platz vier am Ende erreicht würde, was denkbar ist. Sollte Schalke das Derby und das CL-Rückspiel gewinnen, lesen Sie dann natürlich an dieser Stelle das Mea Culpa und hoffentlich Fotos, wie wir im Staub vor einer Schalke-Fahne Abbitte leisten.

4) Wird der Abstiegskampf am Freitagabend für ein interessiertes Publikum geöffnet?

Erst eine Woche ist es her, dass Ihnen an dieser Stelle weis gemacht werden sollte, in der Bundesliga gehe es um nichts mehr. Zumindest nicht da, wo Barthel den Most holt bzw. in Fässern verschließt, auf die er in großen Lettern "UNTERHAUS - NICHT SCHÜTTELN!" schreibt. Doch eine Woche später hat der FC Augsburg (verflucht sei sein Name, droht seine gute Rückrunde doch, dem Autor dieser Zeilen eine lukrative Wette zu verrreißen) alle Chancen, mit einem Heimspiel gegen Nürnberg ein bis fünf weitere Clubs mit in den Strudel zu reißen wie ein Alpinist, der seine angeseilten Freunde mit in den Tod reißt.

Mit dem Unterschied, dass Augsburg selbst sogar überleben könnte. Das ist, bei aller Weiterentwicklung der Mannschaft und ihrer Spielweise, allerdings nach wie vor unwahrscheinlich (also Platz 15, nicht die Relegation). Denn nach dem FCN-Spiel kommen die nächsten acht Gegner aus den Top 11 der Liga - was im Umkehrschluss auch bedeutet, dass die bisher gute Rückrunde mit tollen zwölf Punkten aus sieben Spielen auch der Tatsache geschuldet war, dass fünf der ersten acht Gegner unter den letzten Sieben der Tabelle rangieren. Das soll die Leistung des FCA nicht schmälern. Aber es wird weiterhin schwer.

5) Auch diese Frage ist keine "Charakterfrage"

Als Paris Saint-Germain nach 55 Minuten seines Champions League-Rückspiels gegen Valencia das 0:1 kassierte, wurde ein zuvor scheinbar entschiedenes Spiel wieder spannend. Denn den Gästen hätte nun ein weiteres Tor zum Weiterkommen genügt. "Jetzt ist der Charakter der Pariser gefragt", merkte Marco Hagemann in der Sky-Konferenz an, was man als dahingesagte Phrase hätte abtun können, wenn er nicht minutenlang weiter ausgeführt hätte, jetzt müssten die Gastgeber "den Kampf annehmen" und so weiter.

Unabhängig vom konkreten Beispiel, wollen hier ja gar keine übermäßige Kollegenkritik machen, stellt sich die Frage, warum Fußball so gerne auf mentale und Einstellungsaspekte reduziert wird. PSG war ja vorher auch gefordert gewesen und hatte seine Taktik alles in allem erfolgreich umgesetzt: Das 2:1 aus dem Hinspiel mit der zweitbesten Abwehr in Europas fünf großen Ligen (nach Bayern) verteidigen - daran war nichts falsch. Vielleicht lässt sich das Rätsel, dass Mannschaften mit besseren Einzelspielern im Fußball auch gegen schwächere Kontrahenten verlieren können, nicht besser erklären, als dass die schwächere Mannschaft es wohl "mehr gewollt" habe.

Aber das ist, brutal ausgedrückt, letztlich nicht mehr als ein Euphemismus für die tautologische Aussage "Die Mannschaft, die mehr gemacht hat, hat mehr gemacht". Das muss man nicht schlimm finden, man könnte es einfach so dahinplätschern lassen, und sich stattdessen die Gedanken machen, die einen selbst so interessieren. Ein Mensch mit größerem Charakter könnte das vielleicht.

Ich nicht. Wenn ich den Kicker durchblättere, und lese, dass Dortmund "mit seiner Gier" "zu einer echten Bedrohung für Europas Fußball-Hochadel" werde, bevor Rafael van der Vaart "Klartext" spricht, in Hannover "klare Worte vom Boss" fallen, den Bremer Profis "die Bereitschaft fehlt" und Heurelho Gomes findet "Der Kopf ist wichtiger als Taktik", dann frage ich mich, warum Peter Neururer eigentlich keinen Job mehr in der Bundesliga hat, wenn es doch nur um "Selbstvertrauen" bei Julian Draxler geht und nicht um seine Position oder sein Verhalten nach Ballverlust.

Jetzt kann man einwenden, das sei ja gar nicht so gemeint, das Mentale sei halt ein Aspekt. Das ist aber nicht logisch. Wenn die richtige "Einstellung" Profifußball entscheiden würde, dann könnte es ja jeder spielen. Wenn es nicht jeder spielen kann und es auf andere Dinge auch ankommt, dann ist es eine Verarmung der journalistischen Berichterstattung, nur über die Psyche zu reden, in einer Co-Dependenz zwischen Spielern und Redakteuren. In der die Ersteren gern über die Psyche reden, weil sie a) taktische Details sowieso nicht verraten dürfen und b) sich so selbst immer einreden können, beim nächsten Mal werde die eigene Einstellung perfekt sein und der Sieg damit möglich. Und die Letzteren genau das dann drucken lassen, weil es einfacher ist, als die Profis, auf deren Gesprächsbereitschaft man angewiesen ist, mit womöglich kritischen Thesen zu konfrontieren.

Davon abgesehen nervt es mich zusehends, wenn der Mythos von der "Leidenschaft", mit der Borussia Dortmund zum Geheimtipp für die Champions League werde, immer reproduziert und gegen die Investitionen anderer Clubs gesetzt wird - als sei der BVB nicht der elftreichste Club der Welt und als würde Real Madrid ohne Leidenschaft spielen. Warum muss man den deutschen Teilnehmer zum heroischen Außenseiter stilisieren? Um dann einen etwaigen Triumph umso frenetischer feiern, um eine Niederlage mit externen Faktoren erklären zu können?

Mein Standpunkt: Borussia Dortmund kann die Champions League gewinnen. Aber wenn der BVB es tut, dann ist das kein "Triumph des Willens" (auch wenn es einige ewiggestrige Südtribünenbesucher mutmaßlich so sehen), sondern das Ergebnis überragender Fitness, exzellenter Einzelspieler, die gut ins System passen, und eines sehr guten Trainers, der (in dieser Hinsicht zumindest gleicht er José Mourinho) selten den gleichen Fehler zweimal macht, oder sich weigert, ihn schnell zu korrigieren.

Und falls sich jemand von der Leni Riefenstahl-Referenz angegriffen fühlt, nur, weil er meint, die Leidenschaft sei nun mal das Wichtigste, dem sage ich: Look right here.