...der Höhenflug des HSV nicht von Dauer ist? Vor zwei Wochen noch klarer Abstiegskandidat, muss sich Trainer Thorsten Fink nach zehn Punkten aus vier Spielen plötzlich gegen europäische Ambitionen wehren. sportal.de bewertet die Lage beim HSV und gibt Fink Recht.
Fast noch wichtiger als die sportliche Bilanz ist die öffentliche Wahrnehmung des Dinos aus der Hansestadt. In den letzten Monaten und Jahren bestimmten Negativschlagzeilen das Bild des Hamburger SV. Sportlich auf dem absteigenden Ast, im Aufsichtsrat öffentlich zerstritten, finanzielle Schwierigkeiten, sinkende Identifikation bei den Fans, viele Trainerentlassungen - die Hamburger taten viel für ein negatives Image.
Nach zwei ereignisreichen Wochen mit Siegen gegen Borussia Dortmund, Hannover 96 und Greuther Fürth sowie einem Remis gegen Borussia Mönchengladbach wirkt das Bild des HSV wie nach einer Zeitreise in vergessene Tage. Es fehlt nur ein Punkt zu den Europa League-Plätzen, Rafael van der Vaart sitzt mit seiner Frau Silvie bei Wetten dass ? auf der Couch und direkt im Anschluss äußert sich Torwart René Adler im Aktuellen Sportstudio zur Entwicklung beim HSV. Man könnte fast meinen, der Stolz sei zurück bei der Anhängerschaft.
Für Trainer Fink sind, selbst verstohlene, Blick in obere Gefilde der Tabelle tabu. "Wir müssen im spielerischen Bereich besser werden", sagte Fink nach dem 1:0-Erfolg in Fürth. "Wir haben noch nicht die Sicherheit, daran werden wir arbeiten. Daran sieht man, dass wir nicht zu den Top 6 gehören - die machen das nämlich besser." Dabei hat Fink mittlerweile eine Achse zur Verfügung, die gehobenen Bundesliga-Ansprüchen genügt:
Das läuft gut beim Hamburger SV
Kritisch beäugt wurde, auch von unserer Seite, der Transfer von René Adler, immerhin hatte der HSV auch in der vergangenen Saison mit Jaroslav Drobny einen hervorragenden Torwart in seinen Reihen, der großen Anteil am Klassenerhalt hatte. Aber Sportchef Frank Arnesen und Fink wollten die Qualität erhöhen, was mit Adler eindrucksvoll gelungen ist. Der ehemalige Nationalkeeper ist bisher der beste Torwart der Saison, gegen Bremen, Hannover und Dortmund (jeweils sportal.de-Note 1) zeigte Adler überragende Leistungen und rettete seinem Club so bereits sechs Punkte.
Über die sportliche Qualität eines Rafael van der Vaart wurde dagegen nicht gestritten, der Niederländer hebt das Niveau des darbenden Hamburger Mittelfelds erheblich an. In seinen fünf Spielen war van der Vaart bereits an fünf Toren beteiligt. Und das Beste ist, der Neuzugang hat trotzdem noch Luft nach oben, bisher stimmen die Abläufe noch nicht, van der Vaart ist nicht durchgehend Dreh- und Angelpunkt in der Hamburger Offensive.
Der wichtigste Transfer war aber weder der umstrittene Adler noch der teure van der Vaart: Entscheidend für die Hamburger Entwicklung ist Milan Badelj. Der Kroate ist ein laufstarker Stratege, der klug in die Zweikämpfe geht, viele Angriffe einleitet und das HSV-Zentrum wieder sicherer macht. "Ich liebe das schnelle, dynamische Spiel und habe mit Rafael van der Vaart einen sensationellen Partner", sagte Badelj im Hamburger Abendblatt zu seinem Start in der Bundesliga.
Ebenfalls wichtig: Kapitän Heiko Westermann muss wegen Badelj nicht mehr im defensiven Mittelfeld aushelfen, in der Innenverteidigung wirkt Westermann wieder wesentlich stabiler. Zusammen mit dem vierfachen Torschützen Heung-Min Son haben die Hamburger mit Adler, Westermann, Badelj und van der Vaart eine Achse, die durchaus den Sprung unter die ersten Sechs schaffen kann.





