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DFB erwägt Verbot von Auswärtsfahrten - DFL sieht anderen Ansatz

Zu den Kommentaren   |   Quelle: sid
17. Februar 2015, 15:40 Uhr
Krawalle
Die Krawalle vom Wochenende haben neue Diskussionen ausgelöst

Die sportjuristischen Folgen für den 1. FC Köln nach dem Platzsturm von FC-Chaoten nach dem Derby am vergangenen Samstag bei Borussia Mönchengladbach sind noch nicht abzusehen. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) sehen unterschiedliche Ansätze.

Die Krawalle von Mönchengladbach durch Hooligans des 1. FC Köln könnten drakonische Maßnahmen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach sich ziehen. Das Verbot von Auswärtsfahrten sei kein Tabu.

"Wenn der Veranstalter sonst keine Möglichkeiten mehr hat, muss man solch drastische Sanktionen ergreifen. Ob Auswärtsfahrten verboten werden, muss die unabhängige Sportgerichtsbarkeit prüfen und entscheiden", sagte DFB-Sicherheitschef Hendrik Große-Lefert der "Rheinischen Post".

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) beurteilt die Situation anders. DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig hält nichts von einem Verbot von Auswärtsfahrten. "Das wollen wir nicht. Die Atmosphäre in den Stadien lebt von den Gesängen der unterschiedlichen Fangruppen", betonte er. Er kann sich jedoch andere Maßnahmen vorstellen. "Das Instrument der Reduzierung von Tickets für Gästefans ist natürlich grundsätzlich möglich. Aber komplett auf Gästefans zu verzichten, mit der Entscheidung hätte ich Kummer", sagte Rettig dem "Express".


Der langjährige Bundesliga-Manager betonte: "Ich kann mir aber vorstellen, über personalisierte Tickets für sicherheitsrelevante Spiele nachzudenken. Damit wurden beim Niedersachsen-Derby zwischen Braunschweig und Hannover gute Erfahrungen gemacht." Das harte Durchgreifen des 1. FC Köln, der die Ultra-Gruppierung Boyz am Montag aus dem Verein ausgeschlossen hatte, begrüßte Rettig.

Spinner verteidigt den FC

Kölns Klub-Präsident Werner Spinner (66) hat unterdessen das harte Durchgreifen des FC verteidigt. Man könne einer Gruppe eine Beteiligung nachweisen, "die über Einzeltäter hinausgeht. Und wenn der Kopf des Fanklubs mit als Erster auf den Platz stürmt und andere auffordert, hinterherzukommen, dann stimmt in dem Fanklub etwas nicht", sagte Spinner der "Bild"-Zeitung.

Köln hatte angekündigt, allen etwa 40 bekannten Mitgliedern noch vor dem Heimspiel am Samstag gegen Hannover 96 ein lokales, unbefristetes Stadionverbot erteilen zu wollen und sämtliche Dauerkarten für Heim- und Auswärtsspiele zu kündigen. Zudem werden alle Vereins-Mitglieder, die den Boyz angehören, aus dem Gesamtverein ausgeschlossen.

Rettig nimmt Fans in Verantwortung

Der 51-jährige Rettig appellierte an die Vereine, trotz möglicher frustrierender Erlebnisse auch weiter auf den Austausch mit den Fans zu setzen: "Es darf jetzt nicht passieren, dass die Vereine den guten Weg verlassen und den Dialog mit den Fans einstellen, weil Kriminelle ohne Vereinsbezug randalieren."

Rettig nimmt allerdings alle Fans in Verantwortung: "Bei solchen Krawallen im Stadion sind ja viele auch als stille Begleiter dabei. Die dürfen sich nicht wieder in ihr Schneckenhaus zurückziehen. In den Fankreisen muss eine öffentliche Distanzierung von diesen Kriminellen stattfinden! Wer meint, man darf diese Personen nicht verpfeifen, der liegt falsch!"

Dass dies teilweise als Denunziantentum ausgelegt wurde, kann der DFL-Geschäftsführer nicht verstehen: "Kriminelle zu outen und dies als Denunziantentum zu bezeichnen, das ist doch aberwitzig! Ich kann verstehen, dass manche Leute Angst vor diesen Kriminellen haben. Aber dann gilt es, diesen Leuten Schutz zu gewähren."

Rund 30 vermummte Chaoten waren nach dem Schlusspfiff in Gladbach auf den Platz gestürmt, hatten sich Jagdszenen und Handgreiflichkeiten mit der Polizei und den Ordnungskräften geliefert. Zwei Randalierer wurden festgenommen, ein Polizist wurde verletzt.

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