86 Medaillen, davon 28 Goldene - so lautete die Zielvorgabe von DOSB und den Fachverbänden vor Olympia. Wenig überraschend wird das deutsche Team diesen Wert klar verpassen. Eine derartige Ausbeute hatte Deutschland bisher nur bei Olympia 1936 erzielt.
Bisher kommt Deutschland gerade einmal auf 38 Medaillen, 10 Gold-, 17 Silber- und 11 Bronzemedaillen. Offenbar war von den Funktionären mit einer deutlich höheren Ausbeute gerechnet worden, wie aus den vom Bundesinnenministerium veröffentlichten Zahlen hervorgeht. Die Vorgaben erfüllen konnten bisher nur die Tischtennis-Herren (zweimal Bronze) und die Slalom-Kanuten.
Als große Verlierer kehren vor allem die Schwimmer, Fechter und Schützen nach Hause zurück. Im Fußball, Basketball und Handball hatten sich die Deutschen erst gar nicht qualifiziert. Fast erfüllt hat sie die Kanu-Rennsport-Flotte, die von den angepeilten sieben Medaillen vor dem Schlusstag bereits sechs hatte einfahren können. Auch die Leichtathleten liegen von den acht angepeilten Plaketten nur noch drei entfernt. Allerdings hatte der DOSB auf zweimal Gold spekuliert.
Veröffentlicht hatte die Zielvorgabe nur werden müssen, weil ein Journalist - nach eigenen Angaben für die Westdeutsche Allgemeine Zeitung mehrfach vergeblich bei DOSB und Ministerium die Vorgaben erfragt und deshalb Anfang Juli Klage beim Verwaltungsgericht eingereicht hatte. Dieser war stattgegeben worden.
Vesper verteidigt Vorgabe
Doch wer hat solche unrealistischen Vorgaben überhaupt in die Welt gesetzt? Deutschland bewegt sich in London in etwa auf dem Peking-Niveau. Mehr Medaillen zu fordern, entbehrt eigentlich jedem Realitätssinn. Und den Verbänden, die die Vorgaben nicht erfüllen, müssen schließlich mit Mittelkürzungen aus dem Bundesinnenministerium rechnen. "Nach dem Ausgang der Olympischen Spiele werden wir gemeinsam mit dem Sport nach einer sorgfältigen sportfachlichen Analyse die notwendigen Schlüsse für die zukünftige Sportförderung ziehen", kündigte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich an.
DOSB-Generaldirektor Michael Vesper verteidigte die getroffenen Vereinbarungen jedoch. "Es handelt sich hierbei um Ziele, auf die sich jeder einzelne Sportfachverband mit dem DOSB zu Beginn des olympischen Zyklus vor vier Jahren verständigt hat", erklärte Vesper. "Dies als konkrete Medaillenplanwirtschaft zu interpretieren, wäre naiv und ginge an der Sachlage vorbei. Jeder, der sich im Sport auskennt, weiß, dass sich erfahrungsgemäß nur ein Teil der Jahre zuvor identifizieren Medaillenchancen realisieren lässt."
Thiel und Co. müssen sich Fragen gefallen lassen
Doch die Diskrepanz zwischen den Ambitionen und den tatsächlichen Erfolgen stellt dem DOSB und vor allem dessen Leistungsplanern kein gutes Zeugnis aus. Insbesondere Leistungssportdirektor Bernhard Schwank und Christa Thiel als Vizepräsidentin Leistungssport müssen sich nach London unangenehme Fragen gefallen lassen, wie es zu solchen Luftschlössern kommen konnte.




alle 21 Kommentare auf einen Blick ansehen
Kommentar schreiben









