Javi Martinez hat 40 Millionen Euro gekostet, Eren Derdiyok immerhin noch 5,5, Marcos Antonio war ablösefrei. Alle drei eint die große und bisher unerfüllte Erwartungshaltung. sportal.de widmet sich vor dem 9. Spieltag den enttäuschenden Hoffnungsträgern.
Bei Martinez liegt die Erwartungshaltung automatisch in der astronomischen Ablösesumme begründet, doch auch Derdiyok, Marcos Antonio, Andriy Voronin und Tobias Mikkelsen waren mit deutlichen Ambitionen auf einen Stammplatz und eine tragende Rolle zu ihren neuen Clubs gewechselt. Stammspieler sind alle fünf nicht, die Gründe dafür sind so unterschiedlich wie die Aussichten für die Zukunft.
Ist Javi Martinez wirklich 40 Millionen wert?
Früh hatten sich die Bayern auf Javi Martinez als Königstransfer festgelegt, es folgte ein wochenlanges Tauziehen und am Ende stand mit 40 Millionen Euro ein neuer Transferrekord für die Bundesliga. Der gute Saisonstart der Münchner gibt dem Spanier die nötige Zeit zur Integration, bisher war ein Martinez in Topform noch gar nicht nötig.
Trotzdem sind zwei Dinge zu beobachten: Erstens läuft die Schonfrist für Martinez so langsam ab, auch wenn die Verantwortlichen wie Trainer Jupp Heynckes und Präsident Uli Hoeneß ("Javi wird uns dabei helfen, sehr bald in Europa ganz nach oben zu kommen.") keinerlei Zweifel an den Fähigkeiten des defensiven Mittelfeldspielers äußern. Und zweitens scheint die hohe Ablöse - wie bei Mario Gomez im ersten Jahr bei den Bayern - zur Belastung zu werden, Martinez wirkt in den Spielen der Bayern vorsichtig, abwartend, als wolle er um jeden Preis das Risiko und damit einhergehende Fehler vermeiden.
In fünf Bundesliga-Spielen wurde Martinez eingewechselt, zwei Mal durfte er von Beginn an ran, in der Champions League gegen Lille machte Martinez seine erste Partie über 90 Minuten. Seinen Auftrag, für mehr Stabilität und spielerische Linie im defensiven Mittelfeld zu sorgen, konnte Martinez dabei bisher noch gar nicht erfüllen.
Es gibt aber auch positive Aspekte: Durch Martinez Verpflichtung hat sein Konkurrent Luiz Gustavo einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht. Der Brasilianer hält Bastian Schweinsteiger den Rücken frei, hat glänzende Zweikampfwerte und mit drei Toren und einem Assist zeigt Gustavo Offensiv-Qualitäten, die die Bayern zuvor vermisst hatten. Und mit seiner Freundin Maria Imizcoz hat Martinez einen neuen Boulevard-Liebling mit nach München gebracht.
Kann Eren Derdiyok sein Phlegma ablegen?
Während Martinez schon häufiger betont hat, wie wohl er sich in München fühlt, ist die Situation bei Eren Derdiyok ein wenig anders gelagert. Als Schweizer Held mit drei Toren im EM-Testspiel gegen Deutschland ging Derdiyok in die Sommerpause, mit Übergewicht und leichten Anpassungsproblemen begann sein Engagement in Hoffenheim.
Trainer Markus Babbel wollte mit Derdiyok, Torhüter Tim Wiese und dem Ex-Stuttgarter Mathieu Delpierre mehr Erfahrung und mehr Abgebrühtheit in seinen Kader bringen, die Ergebnisse waren und sind enttäuschend. Hoffenheim schied im DFB-Pokal aus, verlor die ersten drei Bundesliga-Spiele und Derdiyok blieb in allen vier Spielen blass. Seitdem ist der Stürmer nur noch Ersatz, Joselu und sogar Sven Schipplock sind an ihm vorbeigezogen, beim 3:3 gegen Greuther Fürth saß Derdiyok sogar 90 Minuten auf der Bank.
5,5 Millionen Euro zahlte Hoffenheim für Derdiyok an Bayer Leverkusen, sein im Rheinland bestens bekanntes Phlegma haben die Kraichgauer scheinbar mit eingekauft. "Ich brauchte nach drei Jahren in Leverkusen eine Abwechslung", sagte Derdiyok gegenüber 20min.ch zu seinen Beweggründen, nach Hoffenheim zu wechseln. "Dort war ich blockiert, ich kam nicht mehr weiter."
Wie ein roter Faden ziehen sich die starken Leistungsschwankungen durch Derdiyoks Karriere, Konstanz brachte er bisher nicht in seine Leistungen. Immerhin hat Derdiyok seine Defizite erkannt und will sich mit harter Arbeit in die Startelf zurückkämpfen. "Ich bin ein Typ, der manchmal einen Tritt in den Hintern braucht, um aus sich herauszukommen. Und jetzt ist es so weit." Und in der Bild-Zeitung ergänzte er: "Es ist nur eine Frage der Zeit, wann ich wieder zuschlage. Ich hoffe, rein zu kommen und ein Spiel zu entscheiden." Die Fans in Hoffenheim hoffen, dass den Worten nun auch Taten folgen.
Verlässt Andriy Voronin Düsseldorf schon im Winter?
Bei 18 Neuzugängen war in Düsseldorf ohnehin nicht eingeplant, dass alle sofort einschlagen und um einen Stammplatz spielen. Anders lag der Fall bei Andriy Voronin, der Ukrainer war mit einer Leihgebühr von 500.000 Euro der teuerste Akteur im Shopping-Marathon, brachte viel internationale Erfahrung mit und sollte zur fixen Größe im Angriff der Fortuna werden.
Doch Voronin, der die Bundesliga aus seiner Zeit in Mönchengladbach, Köln, Leverkusen und Berlin bestens kennt, ist immer noch nicht angekommen. Zu Saisonbeginn gehörte Voronin noch zur Stammelf, seit der 0:1-Niederlage in Mainz kommt Voronin aber nur noch als Joker ins Spiel. Ken Ilsö hat ihm im offensiven Mittelfeld den Rang abgelaufen, Voronin wartet immer noch auf sein erstes Tor.
Passend dazu keimen in Düsseldorf zum wiederholten Male Gerüchte auf, dass Voronins Stammverein Dynamo Moskau schon in der Winterpause das Leihgeschäft beenden möchte. "Andriy ist ein guter Spieler. Was im Winter passiert, werden wir im Winter sehen", sagte Dynamo-Trainer Dan Petrescu in der Sport Bild. Fortuna-Manager Wolf Werner schließt eine vorzeitige Trennung zwar aus ("Wir haben keine Anfrage aus Moskau vorliegen."), Voronin gilt aber nicht als Spieler, der sich lange klaglos auf die Ersatzbank setzt.
Wann bekommt Marcos Antonio die nächste Chance?
Im Sommer verließ den 1. FC Nürnberg mit Philipp Wollscheid und Dominic Maroh die Stamm-Innenverteidigung der vergangenen Rückrunde. Trainer Dieter Hecking und Manager Martin Bader standen unter Druck, mit Per Nilsson und Timm Klose standen nur noch zwei Innenverteidiger zur Verfügung.
Fündig wurden die Club-Verantwortlichen bei Rapid Bukarest, der Brasilianer Marcos Antonio sollte neuer Abwehrchef werden. Doch der Transfer entwickelt sich bisher zum großen Missverständnis. Bei der 2:3-Pleite im DFB-Pokal in Havelse gehörte Marcos Antonio noch zu Startelf (sportal.de-Note 5,5), danach setzte Hecking auf die bewährten Kräfte.
Gegen Stuttgart durfte Antonio dann erneut auflaufen, sein verunglückter Rückpass nach 24 Sekunden, den Vedad Ibisevic zum 1:0 nutzte, wird einen Ehrenplatz in jedem Saisonrückblick bekommen. Nach einem weiteren schlimmen Rückpass, Pfiffen von den Club-Fans und insgesamt nur 16 Minuten Spielzeit beendete Hecking das Experiment, Manager Bader sagte direkt nach Abpfiff: "Marcos kann man erst mal nicht mehr bringen."
Aufgeben will Antonio aber nicht, immerhin hat er bereits den Kampf gegen eine Krebserkrankung gewonnen. "Ich will den Menschen, die jetzt einen schlechten Eindruck von mir haben, beweisen, dass ich es in der Zukunft besser machen kann", sagte Antonio zur Bild-Zeitung und freute sich über die Aussicht von Hecking, bald wieder Einsatzminuten zu bekommen.
Startet Tobias Mikkelsen jetzt durch?
Der fünfte Neuzugang, der mit großen Erwartungen und Vorschusslorbeeren in die Bundesliga gewechselt ist, bisher aber noch kaum ein Bein auf den Rasen bekommen hat, spielt bei Greuther Fürth und heißt Tobias Mikkelsen. Der Däne war EM-Teilnehmer, wurde in allen drei Vorrundenspielen eingewechselt und hätte mit Nordsjaelland Champions League spielen können.
Doch Mikkelsen wollte unbedingt in die Bundesliga, ließ die Königsklasse sausen und wurde völlig überrascht. Körperlich war er im Kader von Trainer Mike Büskens unterlegen, ordentliche Trainingsleistungen konnte Mikkelsen in Spielen nicht bestätigen. Der absolute Tiefpunkt war eine lustlose Vorstellung in einem Testspiel gegen Ansbach, als sich Mikkelsen eigentlich für die Bundesliga empfehlen sollte, aber in der Halbzeit ausgewechselt wurde.
Büskens blieb aber geduldig und führte viele Gespräche mit dem Angreifer, der in den letzten Wochen tatsächlich einen Aufwärtstrend erkennen ließ. Gegen den HSV und in Hoffenheim wurde Mikkelsen im zweiten Durchgang eingewechselt, im Kraichgau hatte er mit gelungenen Aktionen durchaus einen Anteil am späten Punktgewinn. "Ich will mich hier durchsetzen, so muss es weitergehen", sagte Mikkelsen der Bild-Zeitung, die lahmende Offensive (fünf Saisontore) der Fürther kann dringend Impulse gebrauchen.
