Die emotionale Pressekonferenz von Stuttgarts Trainer Bruno Labbadia schlägt weiter große Wellen. Fast stündlich äußert sich ein Kollege, Spieler oder "Experte" zu der Rede von Bruno Labbadia, die Aufsehen erregte. sportal.de gibt eine Einschätzung.
Werder Bremens Trainer Thomas Schaaf, der für seine kühle, nordische Art berühmt ist, bekräftigt den VfB-Coach in seinen Worten: "Bruno Labbadia hat mit seinen Aussagen recht, das unterstützen alle Trainer (...) Natürlich ist es bei jedem individuell, aber die Kernaussagen sind richtig".
Ein weiterer Trainer, der zur Zeit schweren Zeiten entgegen sieht, teilt die Meinung des Ex-Nationalstürmers ebenfalls: "Es wird wirklich respektlos mit den Trainern umgegangen," sagte Wolfsburgs Coach Felix Magath, der sich wie der VfB derzeit im Tabellenkeller wiederfindet.
Labbadia bekommt Rückendeckung von Bobic und Mäuser
Von vereinsinterner Seite erhält der 46-Jährige Rückendeckung von Sportdirektor Fredi Bobic, der in seiner aktiven Karriere sicher zu der Sorte Spieler gehörte, die ihre Meinung deutlich auf den Punkt bringen. "Das ist das gute Recht des Trainers, das zu äußern. Ein Mensch hat auch mal das Recht, aufbrausend zu sein."
Neben Christian Gentner, der im Mannschaftsrat vertreten ist und für Labbadias Rede Verständnis zeigte, äußerte sich auch VfB-Präsident Gerd Mäuser Pro Bruno Labbadia: "Ich kann den emotionalen Ausbruch unseres Trainers absolut nachvollziehen und bin inhaltlich und in der Sache völlig bei ihm". Einzig die Wortwahl gegen Ende der PK ("Am Arsch geleckt") kritisierte der Präsident und hätte sich dort einen nicht ganz so deutlichen Ausspruch gewünscht.
Kritik an Bruno Labbadia ausgerechnet von Oliver Kahn
Doch unter den vielen Befürwortern finden sich auch Kritiker. Der wohl Bekannteste unter ihnen heißt Oliver Kahn. Der ehemalige Welttorhüter kritisierte Labbadia für die Art und Weise wie sich der VfB-Coach äußerte. In seiner Bild-Kolumne sagte Kahn: "(...) es taucht die Frage auf, ob ein Trainer, der sich selbst nicht im Griff hat, seine Mannschaft im Griff haben kann. Es hätte gereicht, wenn Labbadia in dieser Situation allein auf die Fakten, wie den Stuttgarter Sparkurs, verwiesen hätte".
Dass nun bereits Vergleiche zu Giovanni Trappatonis legendären Pressekonferenz gezogen - und Wutreden-Rankings erstellt werden - scheinen dem Anlass jedoch nicht gerecht. Fakt ist, dass Labbadia bisher stets Rückendeckung von Bobic und Mäuser erhielt. Beide wissen um die Probleme des VfB. Dass die Medien einen großen Einfluss auf die Meinung der Zuschauer und Fans besitzen, steht hierbei außer Frage. Mit seinen Aussagen versuchte Labbadia diese aufkommende Unruhe in aller Deutlichkeit zu ersticken.
Labbadias Halsschlagader im Blickpunkt
Auch beim VfB Stuttgart greifen jedoch irgendwann die Räder des Geschäfts, bisher gelingt es jedoch, die sportliche Leistung von Seiten der Verantwortlichen unter den gegebenen Umständen richtig einzuschätzen. Viel mehr ist es verwunderlich, dass sich ausgerechnet Ex-Spieler wie Oliver Kahn mit Unverständnis äußern. Gerade Kenner der Bundesliga müssten Lage und Situation einschätzen können.
Auch einem Kahn schien der Knigge manchmal augegangen zu sein. Er hatte sich nun wahrlich auch "nicht immer im Griff", wie er es Labbadia nun vorwarf. Ob nun "Arsch" oder "Eier", Interviews mit deutlichen Worten sind in der heutigen Fußballwelt doch immer noch am die aussagekräftigsten.
Dass einem Trainer in einer schwierigen Situation, in der er den Druck förmlich auf den Rücken geschnallt bekommt einmal die Halsader anschwillt scheint bei allem Aufruhr doch nur menschlich und authentisch. Labbadias Halsschlagader war im übrigen auch in der Saison 94/95 gut zu sehen, als er jubelnd nach seinem Fallrückzieher zum 1:0 für die Kölner gegen den FCB davon lief. Damals ohne Chance im Tor der Bayern war im übrigen Oliver Kahn.
