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Von: Malte Asmus
Datum: 25. Juli 2012, 08:00 Uhr
Format: Artikel
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Zatopek, Louganis, Fosbury und Blutspiel: Legendäre Momente Olympischen Spiele

Olympia,Zador,Wasserball
Ungarns Erwin Zádor wird nach dem

In der langen Geschichte der Olympischen Sommerspiele wurden unzählige Helden geboren und große Geschichten geschrieben. sportal.de erzählt zum Beispiel von einem wahren Allround-Sportler, einer trotz Kniescheibenfraktur gestandenen Schraube und einem Pool voller Blut.

Jeder kennt die großen Namen der jüngeren Olympia-Geschichte, für die beispielhaft und in loser Reihenfolge Jesse Owens (3xGold), Mark Spitz (7xGold), Michael Phelps (14xGold), Carl Lewis (9xGold), Birgit Fischer (8xGold) oder auch Usain Bolt (3xGold)genannt werden können. Sie alle waren zu ihrer besten Zeit Allrounder, die in ihrer Sportart verschiedene Disziplinen beherrschten und die Konkurrenz fast nach Belieben dominierten bzw. immer noch beherrschen und dominieren.

Zatopek: Dreimal Gold gegen den Rat der Ärzte

Aber erinnern sie sich auch noch an die "Tschechische Lokomotive" Emil Zatopek? Der hatte 1948 in London bereits Gold über 10.000 Meter gewonnen. Doch unsterblich wurde er vier Jahre später in Helsinki, als er innerhalb von nur acht Tagen Gold über 5000 Meter, 10.000 Meter und zum Abschluss sogar noch im Marathon gewann. Seine Leistung klingt unglaublich, wird aber noch dadurch getoppt, dass Zatopek gegen ärztlichen Rat antrat, da er an einer Drüseninfektion litt. Zudem war es sein allererster Marathon.

Jim Thorpe: Der wahre König der Athleten

Fast noch bemerkenswerter war die Leistung des US-Amerikaners Jim Thorpe 1912. Der vielleicht vielseitigste Sportler aller Zeiten holte in Stockholm Gold im Fünf- und Zehnkampf und gewann dabei acht der insgesamt 15 Einzeldisziplinen und bedankte sich beim schwedischen König mit einem lapidaren "Thanks King" für die Medaillen. Die wurden ihm kurz darauf allerdings vom IOC wieder aberkannt, da bekannt wurde, dass Thorpe einst professionell Baseball gespielt und damit gegen das Amateurstatut verstoßen hatte. Erst Jahrzehnte später wurde er rehabilitiert, da hatte er sich bereits auch als Foot- und Basketballer einen Namen gemacht.

Nadia Comaneci: Zehn - die Traumnote

Thorpe war 24 Jahre alt, als er bei Olympia brillierte, in dem Alter hatte Nadia Comaneci ihre große Zeit längst hinter sich. Als gerade mal 14-Jährige hatte die Rumänin 1976 in Montreal die Turnwettkämpfe dominiert war mit drei Goldmedaillen sowie je einer silbernen und bronzenen nach Hause gefahren. Dabei zwang sie mit ihren fehlerlosen Auftritten die Punktrichter Haltungsnoten zu vergeben, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hatte und für die die Anzeigetafeln fast nicht ausgelegt waren. Insgesamt siebenmal wurde ihr während der Wettkämpfe die Traumnote 10,0 gezeigt.

Shun Fujimoto: Landung mit gebrochener Kniescheibe

Wie bringt man es zu solchen Erfolgen? Natürlich vor allem mit Fleiß, aber auch mit Härte gegen sich selbst. Die zeigte im selben Jahr auch Kunstturner Shun Fujimoto, der vielleicht härteste Kunstturner aller Zeiten. Der hatte bei einer Bodenübung eine Fraktur der Kniescheibe erlitten. Normalerweise hätte er den Wettkampf beenden müssen. Doch die japanische Mannschaft brauchte im Kampf um Teamgold jeden Punkt gegen Russland. Also verheimlichte er seinen Kollegen die Verletzung. Shun biss auf die Zähne, kämpfte sich durch die restlichen zwei Übungen, stand seinen Abgang von den Ringen mit Schraube trotz kaputten Knies ohne mit der Wimper zu zucken und rettete Japan Gold.

Kerri Strug: Mit kaputten Bändern zur Ikone

Eine ähnliche Geschichte sollte sich 20 Jahre später in Atlanta erneut zutragen. Im Damen-Teamwettbewerb kämpften Russland und die USA Kopf an Kopf um Gold, die Entscheidung musste im abschließenden Sprung fallen. Der Erfolg der USA hing von Dominique Moceanu und Kerri Strug ab. Moceanu hatte gepatzt, daher hing alles an Strug, die sich während des ersten Versuchs eine schmerzhafte Bänderverletzung im Knöchel zugezogen hatte. Doch wie Fujimoto biss auch sie auf die Zähne. Mit bandagiertem Gelenk und schmerzverzerrtem Gesicht stand sie ihre Sprung und sank dann weinend auf der Matte nieder. Ihre 9,712 hatte den USA Gold und ihr den Status einer nationalen Ikone gesichert.

Greg Louganis: Brett am, nicht vorm Kopf

Dafür hat es für den von Schicksalsschlägen und Diskriminierungen arg gebeutelten Greg Louganis nie ganz gereicht. Doch der von griechischen Einwanderern in die USA adoptierte Sohn schwedisch-samoanischer Eltern ließ sich nie unterkriegen und wurde so zum überragenden Wasserspringer der 80er Jahre. Nach Silber in Montreal und zwei Goldmedaillen in Los Angeles war er als Favorit nach Seoul gefahren, wo er seinen härtesten Wettkampf zu bestehen hatte. Louganis war in den Vorkämpfen mit dem Hinterkopf auf das Brett geknallt und hatte eine Platzwunde erlitten, die mit fünf Stichen genäht werden musste. Mit dröhnendem Schädel stand er nur 35 Minuten später wieder auf dem Brett, überstand die Quali und gewann am folgenden Tag die Goldmedaille.

Dick Fosbury: Ein Flop, der zum Hit wurde

Louganis hätte sich bei diesem Unfall auch den Hals brechen können. Das hatten viele Zuschauer auch 1968 in Mexico-City befürchtet, als ein junger Mann während der Hochsprung-Konkurrenz plötzlich nicht wie eigentlich in den Sechszigern üblich bäuchlings im Straddle, sondern rückwärts die Latte zu überqueren. Dick Fosbury hatte einen neuen Sprungstil kreiert, der ihn über die 2,24 Meter und damit zum Olympiasieg trug. Nebenbei hatte der Amerikaner eine Revolution in seiner Sportart losgetreten, die das Gesicht des Hochsprungs verändern sollte. In den nächsten Jahren löste sein Fosbury-Flop den Straddle als beherrschende Technik an.

Olympia: Ort des politischen Protests

Apropos Revolution, die Olympischen Spiele werden auch immer wieder von Sportlern genutzt, um auf Misstände in Politik und Gesellschaft aufmerksam zu machen. Die Australierin mit Aborigine-Wurzeln Cathy Freeman, Symbolfigur der Olympischen Spiele 2000 in Sydney, bejubelte ihren 400 Meter-Olympiasieg mit der australischen und der Aborigine-Flagge als Zeichen der Völkerverständigung. Dafür hatten auch die amerikanischen 200 Meter-Sprinter Tommi Smith (Gold) und John Carlos (Bronze) bei der Siegerehrung 1968 in Mexico-City demonstriert. Während die Nationalhymne erklang reckten sie eine schwarz behandschuhte Faust in den Nachthimmel, ein stiller Protest für mehr Bürgerrechte der Schwarzen in den USA, den sie allerdings später mit der Suspendierung durch das NOK der USA bezahlen mussten.

Das Blutspiel von Melbourne

Nicht alle Proteste verliefen unblutig. In Peking 2008 trat der kubanische Taekwondo-Kämpfer Angel Valodia Matos einen Schiedsrichter aus Wut über seine Disqualifikation einfach um und fügte ihm eine blutende Kopfverletzung zu. Noch brutaler war das als "Blutspiel von Melbourne" in die Geschichte eingegangene Wasserball-Halbfinale zwischen Ungarn und der UdSSR. Unter dem Eindruck des 1956 von den Sowjets mit Waffengewalt niedergeschlagenen Aufstands in Budapest, wurde das Match kurzerhand zum Stellvertreterkrieg. Beleidigungen, Hiebe und Tritte flogen hin und her. Der negative Höhepunkt war erreicht, nachdem Ervin Zádor seinen Gegenspieler Valentin Prokopov beleidigt hatte und dieser ihm seine Faust ins Gesicht drückte und das Blut aus einer klaffenden Wunde ins Wasser des Beckens tropfte. Tumultartiger Aufruhr auf den Rängen führte zum Abbruch der Partie, Ungarn wurde zum Sieger erklärt und gewann am Ende auch Gold.