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Von: Daniel Raecke
Datum: 14. November 2012, 07:30 Uhr
Format: Artikel
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Der sportal.de-Kader: Null-Länderspiele-Edition

Null
Wie viele Länderspiele waren die Grenze?

Wen würden Sie für den Kader der Nationalelf nominieren, wenn Sie nur Debütanten auswählen dürften? Neustädter und Jung? Das kann ja jeder, sogar der Jogi. sportal.de hat ein komplettes 23er-Aufgebot ohne ein einziges Länderspiel zusammengestellt. Erfahrung war gestern.

Treue Leser oder Menschen mit klinischer Internet-Abhängigkeit werden unsere regelmäßigen sportal.de-Kader kennen. Darin küren wir die 23 Spieler, die unserer Meinung nach zum nächsten großen Turnier mitfahren sollten. Da wir das gerade im Oktober wieder aktualisiert haben, wollen wir in der aktuellen Ausgabe mal ganz andere Kriterien anlegen. Was wäre, wenn nur Spieler in Frage kämen, die bisher kein einziges A-Länderspiel bestritten haben?

Damit sind nicht nur Spieler gemeint, die am Anfang ihrer Karriere stehen. Die Perspektive ist in etwa die EM 2016, was Spieler, die aktuell nicht älter als 30 sind, im Prinzip in Frage kommen lässt - aber nicht ausschließt, dass das Entwicklungspotenzial eine gewisse Rolle spielt und zugunsten von jüngeren Konkurrenten entscheiden könnte.

Hier ist unser 23er-Kader ohne aktuelles Länderspiel. Sollten Sie wider Erwarten anderer Meinung sein als unsere Redakteure, sind Sie herzlich eingeladen, uns über die Kommentarfunktion unter dem Artikel Ihren besseren Kader mitzuteilen. Wir sind gespannt. Haben aber keine Angst. Nur, dass das klar ist.

Tor

Roman Weidenfeller hatte sich jüngst explizit darüber beschwert, dass Joachim Löw ihn nicht berücksichtigt. Wir erwarten ab sofort stündlich Post von seinen Anwälten, denn auch in unseren Perspektivkader hat der Dortmunder Keeper es nicht geschafft. Das liegt aber einfach an seinem Alter, mit Jahrgang 1980 kommt er für die Perspektive EM 2016 nicht mehr in Frage, auch wenn seine aktuellen Leistungen sicher keinen Weg an ihm vorbei weisen.

Da die meisten anderen Aspiranten schon mindestens einmal zum Einsatz gekommen sind, bleiben zwar immer noch einige Keeper übrig, aber nun auch nicht gerade derer zehn. Entschieden haben wir uns für Kevin Trapp, der in Frankfurt gerade zeigt, dass die 1,5 Millionen Euro, die die Eintracht für ihn nach Kaiserslautern überwies, nicht gerade ein Wucherpreis waren. Bernd Leno wiederum zeigt gerade eine ordentliche, wenn auch nicht überragende Saison. Gerade, nachdem er in München sein bestes Saisonspiel bestritten hatte, verletzte er sich leider und musste am Ellenbogen operiert werden.

Da in unserem Debütanten-Kader Marc-André ter Stegen fehlt (er hat ja schon für den DFB gespielt), können sich die Intimfeinde Leno und Ter Stegen auch nicht streiten, also sollte es vom Menschlichen her ebenfalls passen. Als Nummer drei kommt, nachdem wir Weidenfeller schnöde verschmäht haben, Sven Ulreich mit ins Aufgebot. Der Stuttgarter brillierte vor allem beim 0:0 in Dortmund und zeigt seit Jahren recht konstante Leistungen in der Bundesliga.

Härtefälle, die nicht mitfahren dürfen, wären dann Sebastian Mielitz, Oliver Baumann und Fabian Giefer. "Im weiteren Kreis" eines Kaders für Leute ohne Länderspiele zu sein, ist jetzt nicht die größte Auszeichnung, die diese Kollegen je erfahren haben. Aber was sollen dann erst Schlussmänner sagen, die wir hier gar nicht erwähnen? Also.

Abwehr

Wer die Probleme der deutschen Defensive kennt (hallo, Herr Källström), der kann ermessen, wie schwer es ist, JENSEITS der ohnehin schon nominierten Verteidiger noch acht weitere Profis aufzutreiben, die internationalen Ansprüchen genügen. Starten wir in der Innenverteidigung. Philipp Wollscheid mischt starke Leistungen noch mit schwächeren Spielen wie in Wolfsburg, aber alles in allem sieht seine Entwicklung sehr positiv aus und er hat mit dem Wechsel nach Leverkusen den richtigen Schritt zur richtigen Zeit gemacht.

Matthias Ginter machte sein Bundesligadebüt für Freiburg zwei Tage nach seinem 18. Geburtstag. Auch wenn er (in dem Alter nur logisch) nicht in jedem Spiel fehlerlos blieb, hielt Christian Streich an ihm fest und wird in der aktuellen Saison durch immer bessere Leistungen des Abiturienten belohnt, der es auf 19 Startelfeinsätze in Folge brachte, bis Rückenbeschwerden ihn stoppten. Schon etwas weiter als Ginter ist Jan Kirchhoff. Der Mainzer kann bei Thomas Tuchel zwar gerade keinen Stammplatz behaupten, aber das könnte auch ein Fluch seiner Flexibilität sein, kann er doch im Mittelfeld und in der Abwehr spielen, und überall gibt es Spezialisten als Alternativen im Mainzer Kader. Ungeachtet seines Patzers in der U21 gegen die Schweiz hat Kirchhoff aber das Potenzial, es weit zu bringen.

Als vierten und letzten Innenverteidiger haben wir uns für Georg Niedermeier entschieden. Sicher: Der VfB-Mann gibt in der Stuttgarter Abwehr neben Serdar Tasci eher den rustikaleren Vertreter und darf nicht im engeren Sinne als "moderner Abwehrspieler" gelten. Aber lehnt man ihn ab, so ist man im Rahmen unserer Such-Parameter schnell bei Namen wie Lasse Sobiech oder Niko Bungert. Oder man muss in die Juniorenbereiche (Koray Günter) oder die 2. Liga (Ermin Bicakcic).

Zu den Außenpositionen. Auch das nicht leicht, da ja alle Rechtsverteidiger, die schon einmal ausprobiert wurden (und das schließt Sascha Riether ein) nicht für unseren Kader in Frage kommen. Die erste Wahl ist unter diesen Vorzeichen natürlich der von Löw gerade schon nominierte Frankfurter Sebastian Jung, der wie seine Eintracht den Sprung zurück in die Bundesliga gerade problemlos schafft.

Gefolgt von Tony Jantschke. Der Gladbacher spielt ja jetzt schon in der U21 und ist zwar nicht unbeeindruckt von den Formschwankungen der Borussia, verbessert seine Konstanz aber und ist einer von nur drei weiteren für den DFB spielberechtigten Rechtsverteidigern in der Bundesliga, die für uns in Frage kommen. Die anderen beiden sind Dennis Diekmeier und Daniel Schwaab. Da wir beide defensiv nicht sicher genug finden und links ebenfalls keine überzeugenden Alternativen zu unserer Nummer eins existieren, werfen wir das große Perspektivnetz und erinnern uns an die starke Form, die Dortmunds an Duisburg ausgeliehener Julian Koch vor seiner schweren Verletzung zeigte: ein toller Spieler.

Für die linke Seite bleibt also nur noch ein Posten übrig, und der geht an Bastian Oczipka. Nachdem er sich während seiner Leihe an St. Pauli bei einem Spiel in Dortmund den Knöchel brach, brach auch die Form der Hamburger in sich zusammen: Sie holten ab dem Zeitpunkt von Oczipkas Ausfall nur noch einen Punkt aus elf Spielen und fielen von Platz elf auf Platz 18 zurück. In Frankfurt zeigt der Bergisch Gladbacher jetzt wieder, dass nicht er, sondern sein damaliges Team zu schlecht für die Bundesliga war. Alternativen zu Oczipka auf links wären der Dortmunder Chris Löwe, dem nicht einmal sein eigener Trainer vertraut, sowie Bayerns Diego Contento. Auch Oliver Sorg aus Freiburg käme in Frage.

Mittelfeld

Beginnen wir hier mit einer einfachen Wahl, dem klarsten Kandidaten des gesamten Kaders: Roman Neustädter wurde völlig zu Recht schon von Löw berufen, der Mann konnte seine Leistung nach dem Wechsel nach Schalke auf Champions League-Niveau anheben. Ebenfalls wenige Diskussionen dürfte es um Neustädters ehemaligen Teamkollegen in Mönchengladbach, Patrick Herrmann, geben. Sicher ist er nicht so gut wie Marco Reus, aber er ist faktisch der beste Feldspieler der Borussia in dieser Saison. Und schließlich kann es auch um Sebastian Rode, dessen Formkurve steil nach oben zeigt, keine zwei Meinungen geben. Diese Drei sind gesetzt.

Als Sechser Nummer drei hinter Neustädter und Rode sehen wir Kevin Vogt vom FC Augsburg, der schon in Bochum sehr positiv auffiel und seine Laufbahn in der U21 auch eine Ebene höher fortsetzen sollte. Für die rechte Seite empfiehlt sich Lars Stindl, der als Vorbereiter ebenso glänzt wie als Ballgewinner. Zwei etwas unerwartetere Nominierungen betreffen Daniel Didavi, der nach seiner famosen Rückrunde in Nürnberg nach Stuttgart zurückkehrte, aber einen Knorpelschaden erlitt, bevor er wieder das Trikot mit dem Brustring tragen durfte. Seine Dynamik und Schussstärke machen ihn aber, wenn fit, zu einem idealen Mann für die zentrale offensive Position. Auf dieser wartet als Reservist Leon Goretzka, den wir kraft seines Potenzials ausgewählt haben, das er bisher natürlich nur in der zweiten Liga zeigen konnte. Aber er ist ja auch erst 17, bei der EM 2016 wird er 21 sein.

Links außen haben wir uns schließlich für Daniel Caligiuri entschieden, einen weiteren Freiburger, der allerdings schon vor dem Amtsantritt von Christian Streich zu glänzen wusste. Seine Flügelläufe und Solos sind stark, sein Abschluss beeindruckend.

Wen haben wir ausgelassen? Die beiden Dortmunder Leonardo Bittencourt und Moritz Leitner werden Opfer des im Mittelfeld auch unter den Null-Länderspiel-Spielern guten Auswahl. Das Gleiche gilt bei Schalke sogar für Marco Höger. Er findet auf der Sechs vorerst keinen Platz, wie auch Manuel Schmiedebach, obwohl der sich in Hannover auch dank der Verletzung Leon Andreasens wieder zurück ins Team gespielt hat.

Ein echter Härtefall ist Sebastian Rudy, der in seinen guten Spielen wie ein klarer Nationalelfkandidat wirkt, in seinen schlechten aber wie alles andere als das. Das Potenzial ist da. Das gilt natürlich auch für Alex Meier, den nächsten Härtefall. Als wirklichen Nationalelfkandidaten nimmt man den Frankfurter nicht wahr, aber seine Torgefährlichkeit aus dem Mittelfeld sucht in Deutschland ihresgleichen.

Und dann sind da noch Tolgay Arslan, Julian Schuster, Patrick Ebert und Alexander Merkel sowie im weitesten Kreis, den wir gezogen haben, auch Herthas Kapitän Peter Niemeyer.

Angriff

So gut das Angebot im Mittelfeld erscheint, so schwierig wird es, vier unverbrauchte Stürmer zu finden. Wenn schon Joachim Löw für einen Länderspielkader nur einen echten Angreifer nominiert, wie kürzlich geschehen, wie sollen wir dann vier brauchbare Kandidaten aus der zweiten Reihe finden? Nun, wir haben uns nach langen Diskussionen auf vier geeinigt.

Julian Schieber tut sich in Dortmund noch recht schwer. Das lässt sich nicht bestreiten, ist doch die einzige Mannschaft, gegen die er für den BVB bisher getroffen hat, der VfR Aalen. Klingt nicht nach der Kragenweite, die Dortmund für seine Champions League-Ambitionen an seinen zweiten Stürmer im Kader anlegen sollte. Aber die Alternativen sind so dünn gesät, dass Schieber praktisch als Angreifer Nummer eins in unserem Angebot auftaucht.

Ihm zur Seite stellen wir als zwei sehr unterschiedliche Stürmertypen. Kevin Volland ist eines der größten deutschen Offensivtalente, auch wenn immer noch nicht ganz klar zu entscheiden ist, wo er seine Stärken am besten einbringen kann: in der Spitze, auf dem Flügel oder als "Zehneinhalb". Bei Pierre-Michel Lasogga weiß man hingegen ziemlich genau, wo er hingehört, wenn er wieder fit ist: auf die Position des Mittelstürmers.

Klingt nach einem sehr jungen Angriff? Stimmt, aber warten Sie mal, wen wir als vierten Stürmer mitnehmen wollen: Samed Yesil. Zugegeben ist seine phänomenale Torquote im Juniorenbereich noch nicht der Maßstab für den Liverpooler, der in England bisher erst im Ligapokal zum Einsatz kam. Aber Yesil ist ja auch erst 18, und bis zur EM 2016, wenn er 22 sein wird, prognostizieren wir ihm eine Entwicklung, die bis dahin keinen Weg an ihm vorbeiführen lassen wird.

Perspektivisch hat er jedenfalls mehr Potenzial als die dafür von uns zu Hause gelassenen Nils Petersen, Sebastian Polter, Peniel Mlapa und Dani Schahin.

Zum Abschluss noch eine Anmerkung: Wir haben Boris Vukcevic nicht vergessen. Momentan lässt sich noch überhaupt nicht sagen, wie sein Genesungsweg weiter verlaufen wird und ob er noch einmal Profifußball spielen kann. Diese Frage ist für ihn und seine Familie und Freunde sicher völlig nachrangig. So wünschen wir ihm an dieser Stelle einfach nur weiter Gute Besserung.

Der sportal.de-Perspektivkader (null Länderspiele)

Tor
Bernd LENO (Bayer Leverkusen)
Kevin TRAPP (Eintracht Frankfurt)
Sven ULREICH (VfB Stuttgart)

Abwehr
Matthias GINTER (SC Freiburg)
Tony JANTSCHKE (Borussia Mönchengladbach)
Sebastian JUNG (Eintracht Frankfurt)
Jan KIRCHHOFF (Mainz 05)
Julian KOCH (MSV Duisburg)
Georg NIEDERMEIER (VfB Stuttgart)
Bastian OCZIPKA (Eintracht Frankfurt)
Philipp WOLLSCHEID (Bayer Leverkusen)

Mittelfeld
Daniel CALIGIURI (SC Freiburg)
Daniel DIDAVI (VfB Stuttgart)
Leon GORETZKA (VfL Bochum)
Patrick HERRMANN (Borussia Mönchengladbach)
Roman NEUSTÄDTER (Schalke 04)
Sebastian RODE (Eintracht Frankfurt)
Lars STINDL (Hannover 96)
Kevin VOGT (FC Augsburg)

Angriff
Pierre-Michel LASOGGA (Hertha BSC)
Julian SCHIEBER (Borussia Dortmund)
Kevin VOLLAND (TSG Hoffenheim)
Samed YESIL (Liverpool)