Neun Spiele auf einen Streich - dachte sich der sportal.de-Kolumnist zum zweiten Mal in dieser NFL-Saison und guckte wieder einmal den Redzone-Kanal der Liga. Ohne diese Konferenzschaltung wäre ihm dabei sicher Andrew Lucks Meisterstück in Detroit entgangen.
Luck - als neuer Heilsbringer von den Indianapolis Colts im NFL-Draft geholt - zeigte beim 35:33 bei den Detroit Lions, warum er nicht nur Anwärter auf die Auszeichnung Rookie des Jahres ist, sondern auch, warum die Colts nur ein Jahr nach der 2:14-Bilanz derzeit auf Playoff-Kurs sind. Solche Szenen machen mir die schnelle Konferenz namens Redzone immer schmackhafter. Doch dazu später mehr.
Bevor ich jedoch zu den frühen Spielen des 13. Spieltages der NFL komme, einige Vorbemerkungen zu den Ereignissen in Kansas City zum Vortag. Dort erschoss sich Chiefs-Linebacker Javon Belcher vor den Augen von Coach Romeo Crennel und General Manager Scott Pioli, nachdem er zuvor seine Freundin und die Mutter seines drei Monate alten Sohnes erschossen hatte. Und doch entschieden sich die Chiefs, ihr Spiel gegen die Carolina Panthers zu spielen.
Ich werde dieses Spiel aus dieser Kolumne herauslassen. Zum einen, weil ich mir nicht anmaßen will, aus vielen tausend Kilometern Entfernung eine Beurteilung der Ereignisse zu geben. Zum anderen, weil ich diese Art der Zusammenfassung des Spieltages der NFL gerne auch mal flapsiger gestalte - dies wäre bei diesem Spiel nicht angemessen. Nur eines noch dazu: ich finde es sehr gut, dass die Schweigeminute vor der Partie den Opfern häuslicher Gewalt gewidmet war.
Ebenfalls herunterfallen werden die Spiele zwischen den Buffalo Bills und den Jacksonville Jaguars, sowie den Houston Texans und Tennessee Titans. Für diese beiden Partien hatten die Verantwortlichen der NFL Redzone keine Augen mehr, als sie relativ früh entschieden waren. Der Vollständigkeit halber: Kansas City gewann 27:21, Buffalo 34:18 und Houston 24:10.
Der NFL-Soundcheck
19.15 Uhr: Bei der Wurftechnik von Jay Cutler von den Chicago Bears wundert man sich, ob das Soldier Field überhaupt eine Tribüne hat. Der Ball fliegt so flach, dass die Kamera kaum über die Seitenbanden gucken kann.
19.22 Uhr: Ich bin mal wieder entsprechend verwirrt, kommt die Abba-ähnliche Musik angesichts eines Touchdowns nun aus dem Stadion oder spielen die Redzone-Tontechniker dies ein? Zumindest bin ich in Sachen Stadion Hitparade bereits weitergekommen. Das gute, alte "Eye of the Tiger" ist noch nicht ausgestorben. Dabei spielen die Philadelphia Eagles noch nicht einmal.
19.36 Uhr: Geht es eigentlich nur mir so, oder hat jeder Quarterback der NFL über die Außenmikrofone dieselbe Stimme. Oder kommt die vom Band, um dem Zuschauer Außenmikros vorzugaukeln? Und ist das dann dieselbe Stimme wie bei den Madden-Spielen?
Die Modewelt der NFL
19.54 Uhr: Während des Werder-Spiels vorhin in der Bundesliga unterstellte ich den Bremern angesichts des orangenen Verbrechens, dass sie an der Weser Trikot nennen, dass diese Kleidungsstücke zum Einstellen des Kontrasts bei HD-Fernsehern dienen. Die Seattle Seahawks mit neongrünen Schuhen und die St. Louis Rams mit leuchtend blauen Retro-Trikots könnten für genauere Farbeinstellungen gebraucht werden.
20.00 Uhr: Mein erklärter Sieger des Movember ist Wes Welker von den New England Patriots. Der stolze Schnauzer unter dem Helm würde selbst Lotto King Karl als dem letzten Luden gut im Gesicht stehen. Bei Welkers Touchdown findet übrigens auch Sebastian Vollmer lobende Erwähnung.
20.13 Uhr: Vikings D-Liner Jared Allen ist ein "großartiger Spieler" - sagt Ex-Quarterback und Nun-Kommentator Troy Aikman. Glaube ich ihm gerne, in dieser Großaufnahme ist Allen allerdings einer, der Wasser durch sein Gesichtsgitter spuckt und mit seinem Gegner spricht. Kochrezepte austauschen sähe jedoch anders aus.
20.27 Uhr: Muss ich mir Sorgen um die finanzielle Situation der Miami Dolphins machen? Hinter dem Defensive Coordinator der Patriots steht ein Gerätewagen mit platten Reifen aus dem permanent eine Flüssigkeit leckt. Der Rost hat sich dort auch schon breitgemacht.
21.00 Uhr: Tom Brady wird von einem Miami-Verteidiger zu Boden gerissen der feiert das mit einer Dicken-Hose-Geste. In diesem Falle sicher verdient, doch frage ich mich bei so manchem gefeierten Tackle so manches Mal, ob da zuhause auch Alltägliches wie ein Tackle dermassen ausgelassen gefeiert wird. "Yeahhh, Baby ich habe die Post hereingeholt", zum Beispiel. Tiefergehendes fällt mir gerade nicht ein. Oder habe ich aus Jugendschutzgründen zensiert.
21.05 Uhr: Lovie Smith von den Chicago Bears wirft die Rote Flagge mit derselben Technik wie sein Quarterback Jay Cutler in Chicago steht das Team hinter dem Quarterback. Zu Recht, die Refs müssen den Touchdown von Matt Forte geben.
Greg McElroy, der Gewinner der Jets
21.07 Uhr: Die New York Jets bewiesen bereits mit der Verpflichtung von Tim Tebow wenig Gespür für das Wesentliche. Jetzt ist die Zeit beim Stand von 0:3 im eigenen Stadion gegen die Arizona Cardinals gekommen, den Ersatz-Quarterback von Mark Sanchez zu bringen, der kriegt hier nämlich wenig zustande. Doch Tebow ist verletzt Greg McElroy feiert sein Debüt in der NFL.
21.21 Uhr: 14 Minuten nachdem er das Feld in New Jersey betrat, kann McElroy seinen ersten Touchdown in der NFL verbuchen. Und das auch noch mit einem meiner Lieblingsspielzüge aus kurzer Distanz - dem Rollout. McElroy läuft von einem Cardinal verfolgt nach links raus, und findet den einsam in der Endzone stehenden Shonn Greene. Wenn Sanchez und Tebow sich streiten, freut sich der McElroy? Gute 40 Minuten später steht zumindest fest, dass dieser Touchdown den 7:6-Erfolg gegen Arizona bedeuten soll. Die Cardinals haben somit ihre letzten acht Spiele in Serie verloren.
21.25 Uhr: Der Redzone-Kommentator, der Mann ohne Nerven - Scott Hanson ist übrigens sein Name - informiert mich, dass die Führenden in sieben der neun frühen Spiele höchstens sieben Punkte Vorsprung haben, da sind einige Drops noch nicht gelutscht. Die NFL macht es wieder spannend.
Die Redzone und die Doppelbox
21.29 Uhr: Brady hat in Miami die Chance auf einen weiteren Touchdown, doch während seiner Vorbereitung des Spielzuges höre ich dauernd ein Nebelhorn. Passt das nicht eher zu den Buccaneers oder den Vikings?
21.41 Uhr: Eine Doppelbox, wie sie auch im Wetterkanal vorkommen könnte: links Green Bay, bei ungefähr 7 Grad, rechts Miami, wo gelegentliche Schwenks auf die Tribüne und die Sonne verraten, dass dort 25 Grad sind.
21.53 Uhr: Die Doppelbox könnte man sogar noch aufwerten, eben dachte ich doch glatt, der Ball würde von einem ins andere Bild fliegen. Der Haken war nur, dass die Spielrichtung der Partien entgegengesetzt war. Da würde doch spiegeln helfen?
Und dann kommt Andrew Luck...
22.05 Uhr: Wir begrüßen die ersten späte Spiele des Abends, während gerade in St. Louis und Chicago noch kein Sieger gefunden ist. Es gibt in beiden Städten Verlängerung. Redzone-Magier Hanson hat auch schon einen Namen für beide Spiele: I55-Overtime-Games, benannt nach dem verbindenen Freeway zwischen beiden Städten.
22.21 Uhr: Ein schmerzhafter Sieg für die Seattle Seahawks und vor allem Sidney Rice, der in voller Geschwindigkeit den Ball fängt, diesen Kopf voran in die Endzone bringt und dabei vom Verteidiger voll am Helm erwischt wird. Der Ball fliegt weg, aber die Seahawks gewinnen mit 23:17 in Chicago.
22.26 Uhr: Die schnelle virtuelle Fahrt die Interstate 55 hinunter zeigt uns einen springenden Widder. Das Maskottchen der Rams kennt wie viele Amerikaner das Wort Schadenfreude. 49ers Kicker David Akers verpasste nämlich gerade das Field Goal.
22.32 Uhr: Da hätte man doch fast das einzig verbliebende frühe Spiel mit regulärer Spielzeit vergessen. In Detroit schockt Andrew Luck die Lions mit einem Touchdown aus dem Handgelenk - bei auslaufender Uhr gewinnen die Indianapolis Colts mit 35:33. Während Lions-Quarterback Matthew Stafford ungläubig vor sich hin starrt, kommt Interims Headcoach Bruce Arians, der für den an Leukämie erkrankten Chuck Pagano die Colts übernommen hat, nicht schnell genug aus seiner Verkabelung. Ein Assistent muss ihn aus dem Gewirr befreien.
22.33 Uhr: Und dann ist auch das letzte frühe Spiel zu Ende. Die Rams gewinnen überraschend mit 16:13 nach Verlängerung gegen die San Francisco 49ers. Greg Zuerlein befördert das Spielgerät eine halbe Minute vor Ende der Overtime zwischen die Pfosten. Feierabend!
Der Vollständigkeit halber seien noch die Endergebnisse der Green Bay Packers (23:14 gegen die Minnesota Vikings) und der New England Patriots (23:16 gegen die Miami Dolphins) erwähnt. Die Patriots gewinnen durch den Erfolg in Florida zum vierten Mal in Serie die AFC East-Division der NFL.
Fazit nach meinem zweiten ausführlichen Ausflug in die Redzone der NFL: So langsam werde ich mit dem Format wärmer. Klimatisch liege ich allerdings noch in der Mitte zwischen Miami und Green Bay.
Noch schnell drei Tops und Flops des frühen 13. Spieltages. Andrew Luck, Greg Zuerlein und Greg McElroy dürften mit einem Lächeln auf dem Gesicht einschlafen. Lange wach liegen dürften dagegen noch San Francisco 49ers-Coach Jim Harbaugh, Mark Sanchez und Greg Whisenhunt als Coach der Arizona Cardinals.
