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Datum: 03. Dezember 2012, 07:30 Uhr
Format: Artikel
Quelle: sportal.de
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Bayern München - Borussia Dortmund anhand von fünf Noten

fc bayern münchen
Waren die Bayern-Spieler mit ihren Noten etwa nicht einverstanden?

Bayern München gegen Borussia Dortmund - weder ein "Clásico" noch ein entscheidendes Spiel um den Meistertitel. Aber trotzdem war das Spitzenspiel für uns so interessant, dass wir unsere Notenanalyse diesmal ausschließlich aus München bestreiten.

Um es vorweg zu nehmen: Bayern gegen Dortmund ist nicht "der deutsche Clásico". Eine dämlichere und unpassendere Bezeichnung ist kaum denkbar, außer vielleicht "das deutsche Old Firm". Der Clásico zwischen Real Madrid und Barcelona ist seit vielen Jahrzehnten das Spiel des Jahres in jeder spanischen Saison, nebenbei die vielleicht wichtigste Rivalität im Weltfußball. Es ist nicht so, dass Real gegen Barca der spanische Clásico, Ajax gegen Feyenoord der niederländische Clásico und Panathinaikos gegen Olympiakos der griechische Clásico wäre.

Die genannten Begegnungen haben aber immerhin den Vorzug, wenigstens die wichtigsten Spiele in ihren Ländern zu sein. Bayern gegen Dortmund ist das Topspiel der letzten drei Jahre in der Bundesliga. Drei Jahre. Von der fußballerischen Klasse ist das Spiel im Moment vielleicht ebenso gut wie Real Madrid gegen Barcelona. Aber nicht von der Tradition her, auf die der unselige Marketingbegriff verweist.

Das ausgeräumt, widmen wir uns den fünf Spielern, deren Benotung wir diesmal näher unter die Lupe nehmen wollen.

Roman Weidenfeller (Borussia Dortmund): 1,5

Eine recht einfache Note, offen war lediglich, ob hinter der Eins noch eine Kommastelle angefügt wird oder nicht. Wir haben uns für die 1,5 entschieden, weil Weidenfellers Paraden zwar herausragend waren und ihn zweifellos zum besten Keeper des Spieltags machten, aber weder musste er zehn schwere Bälle halten (sondern drei), noch war er der alleine alles überstrahlende Mann auf dem Platz. Der Punktgewinn des BVB war ihm zu verdanken, aber keineswegs ihm allein.

Javi Martínez (Bayern München): 2,5

Dass Javi Martínez für den FC Bayern immer wichtiger wird, demonstrierte er auch im Topspiel gegen den BVB. Seine Interpretation der Sechserrolle passt so gut zum neuen, auf Gegenpressing orientierten Bayern-Spiel. Tatsächlich eine Note, die zwischen 2 und 2,5 schwankte, zumal er auch noch mit einem Kopfball Torgefahr entwickelte.

Aber schon jetzt hat Bayern die zweitbesten, Dortmund die drittbesten Noten aller 18 Bundesligisten an diesem Spieltag. Das ist der hohen Qualität des Spiels geschuldet gewesen, das zwar nicht unbedingt überreich an Höhepunkten und Strafraumszenen war (vor allem vor der Pause), aber nicht wegen schwacher Offensivreihen, sondern wegen funktionierender Defensiven. Angesichts des Unentschiedens und der mangelnden Schlüsselszenen fiel die Entscheidung im Falle Javis aber zugunsten der schwächeren Halbnote (die ihn aber als einen der besten Mittelfeldspieler des Wochenendes in die Elf der Woche von sportal.de bringt).

Toni Kroos (Bayern München): 2,5

Gleich die nächste schwierige Note, aber wir wollen ja nicht dahin gehen, wo es nicht weh tut. Toni Kroos hätte einmal mehr der Matchwinner werden können, wenn sein tolles eigenes Tor das einzige des Spiels geblieben wäre. Mit dem Antritt und dem Abschluss zum 1:0 richtig gut, nachdem er zuvor eher ein durchschnittliches Spiel (wenn auch auf dem angesprochenen hohen Spielniveau) gezeigt hatte.

Dann aber fiel der Dortmunder Ausgleich durch Mario Götze. Auch wenn alle Beteiligten (Spieler und Trainer) sich hinterher im Fernsehinterview bemühten, jede Verantwortung von Kroos zu nehmen - mag sein, dass ein anderer Münchner auf Götze hätte aufpassen müssen. Aber wenn ein Spieler des Gegners so alleine dasteht und man selbst keine defensive Aufgabe nach einem Standard hat, könnte man ja trotzdem eingreifen, oder? Das gibt leichte Abzüge, die aber lange nicht so schwer wiegen wie sein positiver Beitrag. 2,5 eben.

Neven Subotic (Borussia Dortmund): 3,5

Der klassische Fall eines Abwehrspielers, der grundsätzlich solide spielt, beim einzigen Gegentor aber nicht ganz so gut aussieht. Insgesamt machte Subotic ein überdurchschnittliches, wenn auch nicht überragendes Spiel. Beim Gegentor durch Kroos orientierte sich Subotic, aus dem Mittelfeld zurückkommend, zu Thomas Müller an der Strafraumecke - eine merkwürdige Entscheidung, war der doch schon von Marcel Schmelzer verfolgt, während der nachrückende Kroos keinen Gegenspieler hatte. Als der dann den Ball von Müller abgelegt bekam, eilte Subotic in die Mitte, wurde aber von Kroos umkurvt, bevor der Torschütze einschob.

Ein Abzug in der Note, aber keiner, der Subotic insgesamt in den negativen Bereich abrutschen lassen würde.

Marco Reus (Borussia Dortmund): 3

Zum Abschluss sehen wir uns noch einmal Marco Reus an. Seine Benotungen weisen generell ein charakteristisches Muster auf: In Spielen, in denen er sich in Szene setzen kann, gerne herausragend bewertet, wegen der individuellen Klasse seiner Beiträge, wird er in Spielen, die an ihm vorbeilaufen, oft auch noch kritischer betrachtet als seine Teamkollegen, weil sein Wert für die Mannschaft dann nicht immer ersichtlich ist.

In München hatte er mit seiner Ecke vor dem Ausgleich nur indirekt Anteil am Punktgewinn, denn der Ball kam ja auf Mario Mandzukic, der zum unfreiwilligen Assistgeber wurde. Aber dennoch hatten die Aktionen von Reus Hand und Fuß. Und vor allem war seine Defensivarbeit bemerkenswert. Reus ging weite Wege nach hinten, so etwa beim Bayern-Tor, als er bis in den eigenen Strafraum hineinspurtete, um mögliche Passempfänger von Kroos abzudecken. In dieser Szene wirkungslos, aber alles in allem ein überdurchschnittliches Bundesligaspiel.