Auf Hoffenheim, Greuther Fürth, HSV und Nürnberg folgten Eintracht Frankfurt und Werder Bremen - gleich sechs Bundesligisten gingen an einem heißen Pokalwochenende k.o. Das hat es seit der Saison 1987/88 nicht mehr gegeben.
Werder Bremen hat seine Mannschaft komplett umgekrempelt, doch noch greifen die Rädchen noch nicht ineinander. Das wurde den Hanseaten bei Preußen Münster zum Verhängnis und nach einem 2:4 nach Verlängerung war der Fehlstart für die Mannen von Trainer Thomas Schaaf perfekt.
Der Drittligist aus Münster belohnte sich vor 18.000 Zuschauern im ausverkauften Preußen-Stadion für einen couragierten Auftritt, bei dem der Underdog gleich zweimal einen Rückstand aufholte. Eljero Elia (45. Minute) und der eingewechselte Niclas Füllkrug (67.) hatten Werder in der regulären Spielzeit zweimal in Front gebracht. Doch der Amerikaner Matthew Taylor (54./82.) brachte die unermüdlich kämpfenden Münsteraner mit seinen Toren in die Verlängerung.
Dort gelang Dimitri Nazarov in der 96. Minute der Treffer zum 3:2, der überragende Taylor (118.) sorgte für die Entscheidung. Der Bremer Sokratis sah in der Verlängerung noch die Gelb-Rote Karte.
Bremen mit vier Neuzugängen
Preußen Münster hatte bereits fünf Partien in der 3. Liga absolviert und dabei einen guten Saisonstart erwischt. Selbstbewusst und eingespielt präsentierten sich die Westfalen und hatten damit Werder einiges voraus. Thomas Schaaf bot mit Kevin de Bruyne, Nils Petersen, Theodor Gebre Selassie und Elia vier Neuzugänge in der Startformation auf. Sie konnten dem Bremer Spiel ihren Stempel aber noch nicht aufdrücken.
Im Gegenteil, Münster war zunächst besser im Spiel, die klareren Chancen besaßen indes die Gäste. Doch Bayern-Leihgabe Petersen scheiterte gleich zweimal freistehend am glänzend aufgelegten SCP-Schlussmann Daniel Masuch (12./26.).
Münster hält glänzend mit
Bei brütender Hitze war Münster dem Gegner auch läuferisch und kämpferisch mindestens ebenbürtig. In der 35. Minute hätten die unermüdlichen Offensiv-Bemühungen der Preußen fast Erfolg gehabt. Doch Werder-Keeper Sebastian Mielitz hatte zweimal großes Glück: Erst landete ein Freistoß des Ex-Bremers Amaury Bischoff am Pfosten, ein paar Sekunden später traf Kevin Schöneberg mit einem Gewaltschuss nur die Latte.
Auf der Gegenseite parierte Masuch erneut glänzend gegen Gebre Selassie (43.), bei Elias Schuss in den Winkel Sekunden vor der Pause war der Torhüter dann aber machtlos.
Taylor, immer wieder Taylor
Nach dem Wechsel drängte der Drittligist auf den Ausgleich und wurde endlich belohnt. Torjäger Matthew Taylor setzte sich nach klugem Steilpass von Dimitri Nazarov nicht nur gegen Sokratis, sondern auch gegen Torhüter Mielitz durch und schob zum verdienten 1:1 ein.
Nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung traf Füllkrug per Kopf - Werder schien auf der Siegerstraße. Bis erneut Taylor (83.) die Werder-Abwehr düpierte und die Verlängerung erzwang. Dann sorgte Nazarov mit einem schönen Schlenzer und erneut Taylor für das bittere Bremer Aus.
Butscher leitet Frankfurts Niederlage ein
Eintracht Frankfurt konnte die Aufstiegseuphorie nicht mit in die neue Saison retten. Das 0:3 im DFB-Pokal bei Erzgebirge Aue sorgte noch vor dem Bundesliga-Start gegen Bayer Leverkusen für lange Gesichter bei den Hessen. Vor 9575 Zuschauern sorgten Thomas Paulus (21.) mit einem verwandelten Foulelfmeter und Jakub Sylvestr (60./90.) für den Sieg der Gastgeber.
Die Auer Feuerwehr sorgte mit Wasserduschen für kühle Köpfe bei den Frankfurter Fans, doch sie hätten die Schläuche vielleicht lieber auf die Eintracht-Spieler richten sollen. Heiko Butscher jedenfalls leitete mit seinem Blackout die Niederlage für die Eintracht ein.
Rot für Trapp, Elfmeter für Aue
Er spielte einen Katastrophenpass in Richtung seines Keepers Kevin Trapp, doch der hatte keine Chance, diesen zu erreichen. Sylvestr spritzte dazwischen, fädelte clever bei Trapp ein und provozierte den zu Recht gegebenen Elfmeter. Dabei blieb es jedoch nicht, regelkonform zeigte Schiedsrichter Daniel Siebert Trapp wegen einer Notbremse auch noch die Rote Karte. Über Sinn und Unsinn dieser Doppelbestrafung darf also weiter hitzig diskutiert werden.
Torwart-Oldie Oka Nikolov musste nun zwischen die Pfosten, doch gegen den Elfmeter von Paulus war er machtlos. Nach 21 Minuten lag die Eintracht mit 0:1 zurück und lief diesem Rückstand in Unterzahl hinterher. Dass der Treffer aus heiterem Himmel gefallen war und die Mannschaft von Trainer Armin Veh bis dahin eigentlich gut im Spiel war und bereits einige Torchancen verbuchen konnte, spielte nun keine Rolle mehr.
Frankfurt tut sich in Unterzahl schwer
Gegen die defensiv gut organisierten Hausherren fiel der Eintracht trotz leichter spielerischer Vorteile nicht mehr viel Konstruktives ein. Ein schneller Konter machte alle Bemühungen der Gäste auf den Ausgleich zunichte. Einen weiten Abschlag von Aues Keeper Martin Männel leitete Guido Kocer direkt zu Sylvestr weiter. Der Slowake tanzte Neuzugang Vadim Demidov aus und ließ auch Trapp-Ersatz Oka Nikolov keine Chance.
Bei zwei Toren Vorsprung konnte es Aue auch verschmerzen, dass Oliver Schröder nach zwei Fouls innerhalb von fünf Minuten mit Gelb-Rot ebenfalls des Platzes verwiesen wurde. Den Anschlusstreffer der Frankfurter durch Alexander Meier (84.) vereitelte Männel mit einer Glanzparade, ehe Sylvestr kurz vor dem Schlusspfiff erneut einnetzte.
