Der Traditions-Boxstall Universum ist insolvent. Chef Waldemar Kluch stellte Konkursantrag beim Hamburger Amtsgericht und sagte: "Universum ist nicht mehr zu retten." Kluch liegt außerdem mit Vorgänger Klaus-Peter Kohl und zahlreichen Ex-Boxern im Streit.
Bereits im August 2009 schrieb sportal.de: "Untergang des Universums? Ist die Abwärtsspirale um den berühmten deutschen Boxstall noch zu stoppen?" Über drei Jahre später ist die Antwort klar: Nein, sie war nicht zu stoppen! Allerdings überrascht der langwierige und tiefe Absturz dann doch.
Der Anfang vom Ende wurde 2010 eingeleitet. Das ZDF hatte den TV-Vertrag mit Universum nicht verlängert. Bis dahin war Universum der wohl größte Boxstall Europas und kämpfte auf dem Boxmarkt mindestens auf Augenhöhe mit dem Sauerland-Stall, dem bis heute ein ARD-TV-Vertrag das Überleben sichert. Universum soll damals 20 Millionen Euro jährlich vom ZDF erhalten haben.
Kassenmagnet Sturm verließ den Boxstall
Ein neuer TV-Partner wurde nie gefunden. Die namenhaften Boxer verließen den Boxstall. Von Felix Sturm bis zuletzt Jürgen Brähmer verlor der Stall seine Stars. Dabei brachte Universum mehr als 32 Weltmeister hervor. Stars wie die Klitschko-Brüder oder Dariusz Michalczweski gingen aus dem Hamburger Boxstall hervor. Klaus-Peter Kohl hatte das Unternehmen aufgebaut, verließ dann allerdings 2011 das sinkende Schiff.
Der in Kasachstan geborene Deutsche Waldemar Kluch hatte den Boxstall im Juli 2011 erworben. Kluch hatte wenig Erfahrung im Boxbusiness und konnte keinen neuen TV-Partner auftreiben. Zahlreiche Sportler wie Jürgen Brähmer, Sebastian Zbik, Jack Culcay und Alexander Dimitrenko gingen Universum verlustig.
"Universum ist nicht zu retten"
Nun ist Universum insolvent. "Wir haben Konkursantrag beim Hamburger Amtsgericht gestellt", sagte Chef Waldemar Kluch am Dienstag bei einer Pressekonferenz in der Hansestadt. Er habe mit Universum abgeschlossen. Kluch: "Universum ist nicht mehr zu retten."
Knackpunkt ist die von Ex-Weltmeister Zbik vor Wochen beantragte Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über das Vermögen des einstigen Erfolgsstalls. Aus dem WM-Kampf gegen Felix Sturm im April dieses Jahres war dem Mecklenburger eine Börse in Höhe von 250.000 Euro zugesichert worden. Diese behielt Kluch jedoch weitgehend ein. Zbik habe gekündigt und seinen Vertrag bis 2015 nicht erfüllt, sagte Kluch als Begründung.
Zoff um Universum: Zbik wartet auf sein Geld
"Das ist Schwachsinn, er schuldet mir noch 187.000 Euro", sagte Zbik, der mit weiteren Gläubigern in der Lobby des Hotels wartete, wo die Pressekonferenz stattfand. "Wir warten seit April auf 170.000 Euro. Das ist existenzbedrohend für uns", ergänzte Promoter Erol Ceylan vom Hamburger Stall EC Boxing.
In den vergangenen zehn Tagen seien "rund 20 komische Rechnungen" eingegangen, sagte Kluch. So fordere der ungarische Ex-Weltmeister Zsolt Erdei 700.000 Euro wegen entgangener Kämpfe. Kluch präsentierte eine Rechnung einer Berliner Anwaltskanzlei über 416.500 Euro für Leistungen in der Zeit von 2007 bis 2009, in der er noch nicht für Universum zuständig war.
Kluch immer noch im Geschäft
Die Rechte an den verbliebenen Boxern wie Denis Boytsov, Dimitri Sartison, Vitali Tajbert, Ina Menzer und Rakhim Chakhkiev seien auf vier Gesellschaften übergegangen, die mit Kluch zusammenarbeiten. "Die Gesellschaften gehören mir nicht. In ein bis zwei bin ich Geschäftsführer", sagte Kluch. Vermutlich ein Versuch, das letzte Tafelsilber, also die letzten Boxer, die international noch zu vermarkten sind, zu behalten.
Mit Ex-Chef Klaus-Peter Kohl liegt Kluch mittlerweile im Streit. Inzwischen läuft die von Ex-Chef Kohl beantragte Zwangsversteigerung der Universum-Trainingsstätte. Kluch schulde ihm noch 80 Prozent der Kaufsumme für Universum, sagte Kohl. Der Kaufpreis soll bei 1,5 Millionen Euro gelegen haben.
