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Datum: 19. August 2009, 08:53 Uhr
Format: Artikel
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sportal.de-Dreamteams: Borussia Dortmund

Dortmund Möller cover
Dortmund Möller cover

Borussia Dortmund wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Da das Präsent Europa-League von bösen Hamburgern vom Geschenketisch genommen wurde, muss sich der BVB selbst beschenken. Als Höhepunkt der Jubiläumsfeiern gastiert heute Real Madrid in Dortmund, sportal.de kürt aus diesem Anlass das Dreamteam der Borussia.

Borussia Dortmund wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Da das Präsent Europa-League von bösen Hamburgern vom Geschenketisch genommen wurde, muss sich der BVB selbst beschenken. Als Höhepunkt der Jubiläumsfeiern gastiert heute Real Madrid in Dortmund, sportal.de kürt aus diesem Anlass das Dreamteam der Borussia.

Im Tor:

Hans Tilkowski
Stefan Klos prägte die Ära in den 90er Jahren, Heini Kwiatkowski war der Meister-Torwart in der Oberliga West, Teddy de Beer ist seit über 20 Jahren im Verein - doch DER Dortmunder Keeper schlechthin ist Hans Tilkowski, der noch heute zu jedem Heimspiel des BVB ins Stadion geht und von eingefleischten Fans als Idol verehrt wird.

"Til" kam 1963 von Westfalia Herne zur Borussia und prägte die ersten vier gelb-schwarzen Jahre in der neu gegründeten Bundesliga. Nach seiner Zeit in Herne - mit der Westfalia feierte er in der Oberliga beachtliche Erfolge - kehrte Tilkowski zu seinen Wurzeln zurück, immerhin wurde er als Sohn eines Bergmanns im Dortmunder Stadtteil Husen geboren. 1965 wurde der heute 75-Jährige mit dem BVB Pokalsieger und im gleichen Jahr als erster Torhüter in der Geschichte zum Fußballer des Jahres gekürt.

Tilkowskis erfolgreichstes Jahr war aber 1966. Mit dem BVB holte er als erste deutsche Mannschaft einen Europapokal nach Deutschland, im Anschluss fuhr er als Stammkeeper zur WM in England. Tilkowski wurde zusammen mit Uwe Seeler und Co. Vize-Weltmeister, noch heute angesprochen wird er aber auf das wohl berühmteste Tor der Fußballgeschichte.

Die Abwehr:

Matthias Sammer
"Gegen Sammer habt ihr keine Chance!" - mit diesem Song wurde Matthias Sammer auf der Südtribüne in Dortmund gehuldigt. Eine BVB-Abwehrreihe ohne Europas Fußballer des Jahres 1996 ist deshalb undenkbar, auch wenn Sammer von den Fans nicht unbedingt geliebt sondern eher respektiert, bewundert und geachtet wurde.

Schon als Spieler wurden ihm Eigenschaften eines Trainer zugesprochen, deshalb wunderte es nur wenige, dass er nach seiner aktiven Zeit bei der Borussia zum Chefcoach befördert wurde und 2002 zum jüngsten Meistertrainer in der Bundesliga-Historie avancierte. Sein Profi-Dasein musste Sammer auf Grund einer Entzündung im Knie, die ihm noch heute Schmerzen bereitet, zu früh beenden. Es gibt in Dortmund nicht wenige, die den allmählichen Absturz der Schwarz-Gelben nach dem Champions-League-Sieg 1997 inklusive Beinahe-Pleite Jahre später auch an der Invalidität Sammers festmachen - mit dem Feuerkopf auf dem Platz und nicht auf der Trainerbank wären die Pleiten gegen Cottbus, Brügge oder Genk wohl nicht passiert.

Jürgen Kohler
Während Sammer als Libero Kampf und Zweikampfstärke mit seinem spielerischen Vermögen paarte, spielte neben ihm mit Jürgen Kohler ein Manndecker der alten Mannheimer Schule. Doch genau solche Spieler werden in Dortmund vergöttert und nach seiner spektakulären Rettungsaktion gegen Eric Cantona im Halbfinale der Königsklasse gegen Manchester United 1997 hatte der Kokser in Dortmund seinen Spitznamen sicher: Fußball-Gott.

Leonardo Dede
Manche Experten und Fans werden für diese Position einen anderen Brasilianer erwartet haben, aber sportal.de hat sich gegen Julio Cesar - den dritten Turm in der Schlacht der 90er Jahre - entschieden und lässt stattdessen Dede verteidigen. Der 31-Jährige ist mittlerweile mit 302 Spielen zum Ausländer mit den meisten Einsätzen in der Bundesliga aufgestiegen.

Sportlich besticht der Linksverteidiger durch Zweikampfstärke und taktisches Geschick in der Defensive sowie gute Vorbereiter-Qualitäten im Angriff, bisher gelangen ihm 42 Assists in der Bundesliga. Doch beim BVB ist der einmalige Nationalspieler viel mehr, für die Ausländer im Team der Schwarz-Gelben ist er sowas wie die Mutter der Kompanie. Und ein Ende seiner Regentschaft auf der linken Seite ist noch nicht in Sicht, sein Vertrag läuft noch bist 2011. Nach überstandenem Kieferbruch wird Dede gegen Real wieder in der Startformation stehen und ist somit auch ein Kandidat für den dritten Spieltag gegen den VfB Stuttgart.

Das Mittelfeld:

Aki Schmidt
Das Angebot im Dreamteam-Mittelfeld der Dortmunder ist riesig und so fiel die Wahl in diesem Mannschaftsteil am schwersten. Murdo MacLeod oder Paul Lambert hätten es vielleicht aus Sympathieggründen verdient gehabt, Lars Ricken bestätigte seine guten frühen Jahre nicht, Steffen Freund war spielerisch zu limitiert, Tomas Rosicky schöpfte sein Potential nie richtig aus, Sebastian Kehl fehlen noch ein paar Jahre und Adi Preißler ("Grau ist alle Theorie, die Wahrheit ist auf dem Platz") wurde knapp geschlagen.

An Alfred "Aki" Schmidt führte für sportal.de aber kein Weg vorbei. Der Spielmacher der ersten Bundesliga-Jahre wurde wie Tilkowski, Ricken oder auch Michael Zorc in Dortmund geboren und wechselte nach seiner Zeit beim Vorort-Club SpVgg Berghofen 1956 zum BVB. Gleich im ersten Jahr wurde Schmidt Stammspieler, einen Einsatz im Finale um die Deutsche Meisterschaft verhinderte Trainer Helmut Schneider, der die die selbe Final-Elf wie im Jahr zuvor aufbieten wollte.

Das Highlight des heutigen Fanbeauftragten war aber der Sieg im Europapokal 1966 ("Das Finale war ja mein Höhepunkt, das wollte ich noch haben. Danach habe ich es dann auch viel, viel langsamer gehen lassen und nur noch sporadisch gespielt") gegen favorisierte Liverpooler, die mit ihrer Arroganz für die letzte Portion Motivation bei den Dortmundern sorgten. Mit dem 2:1-Sieg war Schmidts Mission erfüllt, insgesamt schnürte Aki in 311 Pflichtspielen die Stiefel für den BVB, dabei erzielte er 84 Tore.

Michael Zorc
Für den ewigen Dortmunder scheint es kein Ende zu geben, vor wenigen Tagen verlängerte der Sportdirektor seinen Vertrag beim BVB bis 2012. Seit 1978 steht Zorc bei der Borussia unter Vertrag, damals wechselt er vom TuS Eving-Lindenhorst an die Strobelallee. In den folgenden Jahren brach "Susi" einige Rekorde bei den Schwarz-Gelben, er trug in 556 Pflichtspielen das BVB-Trikot, erzielte als defensiv ausgerichteter Mittelfeldspieler 153 Treffer und verwandelte dabei 49 Elfmeter in der Bundesliga.

Andreas Möller
Vor wenigen Tagen war Andreas Möller mal wieder in Dortmund. In seiner Funktion als Sportmanager bei Kickers Offenbach besuchte er das Spiel in der 3. Liga bei den Amateuren des BVB. Das Spiel endete 0:0 und gab wenig Anlass an die wesentlich erfolgreichere Zeit Möllers als Spieler erinnert zu werden. Dabei merkte die einstige Nummer zehn der Schwarz-Gelben, dass ihr immer noch viel Respekt entgegen gebracht wird, geliebt wurden von den Fans aber andere - ein Karriereausklang bei Schalke 04 kommt in Dortmund einfach nicht so gut an.

Aus sportlicher Sicht kann man Möller aber nur wenig vorwerfen. In den ersten beiden Jahren traf der offensive Mittelfeldspieler in fast jedem dritten Spiel und leitete mit dem DFB-Pokalsieg 1989 die erfolgreiche Ära in den 90er Jahren vor. Nach seiner Rückkehr aus Frankfurt und Turin erzielte Möller in 153 Spielen 47 Tore, der pfeilschnelle Techniker hätte mit einem größeren Willen aber noch viel mehr erreichen können.

Marcel Raducanu
Bisher fanden nur Spieler aus den beiden erfolgreichen Zeiten den Weg ins Dreamteam des BVB. Doch Ausnahmen bestätigen jede Regel und so nominiert sportal.de mit Marcel Raducanu einen großartigen Techniker, der einfach das Pech hatte, in den 80er Jahren in Dortmund zu spielen, als die Mannschaft nicht mehr als Mittelmaß der Bundesliga verkörperte. Eine der wenigen Ausnahmen war der Spielmacher aus Rumänien, der mit seinem Magneten im Fuß die Bälle magisch anzog und so das Spiel sechs Jahre lang lenkte.

Der Sturm:

Lothar Emmerich
"Gib mich die Kirsche!" Diese Aufforderung von Lothar Emmerich an seine Mitspieler ist nicht nur in Dortmund zum geflügelten Wort gewachsen. Emma, ebenfalls im Dortmunder Stadtteil Dorstfeld geboren, wurde 1960 von Max Merkel zum BVB gelotst. Den richtigen Durchbruch schaffte der Stürmer aber erst in den Bundesligajahren, von 1963 bis 1969 erzielt Emmerich in 183 Spielen überragende 115 Treffer.

Nach seiner Zeit bei der Borussia wurde er sowohl als Spieler als auch als Trainer nicht mehr richtig glücklich, 13 Stationen mit so klangvollen Namen wie Würzburger Kickers, Eintracht Bad Kreuznach oder SC Idar-Oberstein. Danach kehrte Emmerich als Fanbeauftragter nach Dortmund zurück, im Jahre 2003 verstarb Emma mit nur 61 Jahren an Lungenkrebs.

Manfred Burgsmüller
Der zweite Stürmer hatte in seiner Karriere drei bedeutende Stationen, die Zeit in Dortmund war aber die längste und erfolgreichste, auch wenn es nicht zu einem Titel gereicht hat, was aber auch an der eher schlechten Phase beim BVB (1977-1983) lag. 135 Treffer in 224 Spielen sind eine tolle Bilanz, die Burgsmüller auch bei RW Essen und Werder Bremen nicht erreichen konnte.

Insgesamt hat Burgsmüller die wohl bunteste Karriere im Dreamteam vorzuweisen. Mit über 40 Jahren war das Schlitzohr in Bremen noch aktiv und holte dort den ersten Titel (Deutscher Meister 1988), danach wechselte zum American Football und wurde später beim SSV Hacheney als Held der Kreisklasse noch einen Tick berühmter.

Stéphane Chapuisat
An dem Schweizer Angreifer führt ebenfalls kein Weg vorbei, Stéphane Chapuisat war der konstanteste Torelieferant in der erfolgreichen Ära der 90er Jahre. Der stille Schweizer erzielte 106 Treffer in 228 Bundesligaspielen und ist damit nach Giovane Elber und Claudio Pizarro der dritterfolgreichste ausländische Stürmer in der Historie der höchsten deutschen Spielklasse.

Trainer:

Ottmar Hitzfeld
Der General hätte es schon fast ins Dreamteam des FC Bayern geschafft, wurde dort aber knapp von Udo Lattek geschlagen. Mittlerweile verbindet man Ottmar Hitzfeld auch eher mit dem Rekordmeister aus dem Süden, doch in Dortmund ist der heutige Schweizer Nationaltrainer der Baumeister der Meisterelf von 1995 und 1996, die mit dem Champions-League-Sieg 1997 plus anschließendem Weltpokal die absolute Krönung schaffte.

Hitzfeld profitierte zwar auch von der Risikobereitschaft der Herren Niebaum und Meier, doch die Idee der neuen Heimat für ehemalige Italien-Legionäre wie Julio Cesar, Andreas Möller, Stefan Reuter oder Jürgen Kohler stammte von Hitzfeld. Zudem führte er mit Lars Ricken, Ibrahim Tanko oder Vladimir But immer wieder hoffnungsvolle Talente an die Mannschaft heran und fand so die perfekte Mischung für den kurzfristigen Erfolg.

Marcus Krämer