Nach der herben 1:5-Klatsche gegen Wolfsburg macht Bayern wieder eine schwere Zeit durch - ausgerechnet vor dem großen Match gegen den FC Barcelona im Camp Nou hat das Team einen Hänger. sportal.de wühlt in der Club-Historie und stellt zum Start einer neuen Serie ein Dreamteam zusammen, mit der die Bayern garantiert auch gegen Barca gewinnen würden.
Nach der herben 1:5-Klatsche gegen Wolfsburg macht Bayern wieder eine schwere Zeit durch - ausgerechnet vor dem großen Match gegen den FC Barcelona im Camp Nou hat das Team einen Hänger. sportal.de wühlt in der Club-Historie und stellt zum Start einer neuen Serie eine Elf zusammen, mit der die Bayern garantiert auch gegen Barca gewinnen würden.
Im Tor:
Sepp Maier
Weltmeister, Europameister, Weltpokal, Europapokal der Landesmeister (3x), Europapokalsieger der Pokalsieger, Deutscher Meister (4x), DFB-Pokalsieger (4x), Fußballer des Jahres (3x), Träger des Bundesverdienstkreuzes. 426 Bundesliga-Spiele bestritt Sepp Maier in Folge! Außerdem stand er in 95 Länderspielen im Tor, ehe ihn ein Autounfall 1979 unfreiwillig stoppte. Kein Wunder, dass die Katze von Anzing bei diesen Erfolgen in unserer Bayern-Topelf sogar den Titan Oliver Kahn auf die Ersatzbank verdrängt. Maier war zwar ebenso erfolgsorientiert wie sein Nachfolger, verband sportliche Großtaten jedoch immer mit jeder Menge Humor und teilweise clownesken Aktionen. So versuchte er 1976 im Bundesliga-Spiel gegen Bochum vergeblich im Hechtsprung eine Ente zu fangen - eine der ganz wenigen Paraden, die ihm misslang.
Die Abwehr:
Franz Beckenbauer
Eine nähere Beschreibung der großen Erfolge des Kaisers, wie er dank seiner fußballerischen Klasse und seiner filigranen Technik und Leichtigkeit schon in frühen Jahren genannt wurde, hieße Eulen nach Athen zu tragen. Beckenbauer war der erste Popstar des Fußballs. Angetrieben von seinem Manager Robert Schwan wusste er sich schnell und gut zu vermarkten - als Sänger, Sportler, Schauspieler - und stieg bereits in den 1960er Jahren zur Werbeikone auf. Wie wäre seine Karriere wohl verlaufen, wenn er tatsächlich, wie er es vorhatte für 1860 gespielt hätte und sich nach der Ohrfeige eines Löwen in einem Jugendspiel mit seinem Stammverein SC 1906 München nicht wutentbrannt beim FC Bayern angemeldet hätte?
Hans-Georg Schwarzenbeck
Der Kaiser hätte aber gar nicht so glänzen können, wenn ihm nicht sein treuer Putzer zur Seite gestanden hätte. Einst räumte der rustikale Katsche (O-Ton eines niederländischen Reporters "halb Mensch, halb Stier") für Beckenbauer die Gegenspieler ab, heute beliefert der pensionierte Schreibwarenhändler ihn an der Säbener Straße immer noch mit Briefpapier. Schwarzenbeck hielt sich damals wie heute lieber im Schatten der Stars auf, obwohl er 1974 im Europapokalfinale mit seinem 25 Meter-Distanzschuss gegen Atletico Madrid ein Wiederholungsspiel erzwang und in den Fokus rückte: Mit diesem Treffer legte er den Grundstein zum ersten Landesmeister-Cup-Triumph der Bayern.
Klaus Augenthaler
Der vierte Spieler im Kader, der vierte Weltmeister. Technisch zwar nicht unbedingt einer der begnadetsten Spieler, aber aus der Achtziger-Jahre-Mannschaft des FC Bayern nicht wegzudenken. Der langjährige Kapitän und Libero holte sieben Meisterschaften, drei DFB-Pokalsiege und wurde zweimal Zweiter im Europapokal der Landesmeister. Ein drittes Endspiel in seiner Zeit als aktiver Spieler verwehrte ausgerechnet er den Bayern, als er sie im Halbfinale 1991 gegen Belgrad mit einem unglücklichen Eigentor aus dem Wettbewerb kickte. Seine Erklärung danach war jedoch Weltklasse: "Hätte ich nicht die Arthrose am Spann, hätte ich ihn voll getroffen. So rutscht mir der Ball ab und geht als Bogenlampe ins Tor."
Bixente Lizarazu
Der Franzose ist der wohl beste Linksverteidiger, den die Bayern jemals hatten - und natürlich auch Weltmeister(1998 mit Frankreich). Unter Ottmar Hitzfeld erreichte er seine volle Strahlkraft. Auf und aber auch neben dem Platz ließ er sich von keinem Star etwas vormachen. Lothar Matthäus wird sich nach einer Ohrfeige im Training des kleinen Mannes mit dem Bodybilder-Körper noch heute die Wange halten. Er hatte entscheidenden Anteil an vier Meisterschaften, zwei Pokalsiegen und dem Champions League-Erfolg 2001. Zusammen mit Hitzfeld verließ er die Bayern, kehrte aber 2004/05, nachdem sich sein Nachfolger Philipp Lahm schwer verletzt hatte noch einmal zurück und holte zwei weitere Male das Double.
Das Mittelfeld:
Paul Breitner
Afro-Look, wilder Vollbart und Mao-Bibel - Breitner provozierte schon zu Beginn seiner Karriere. Der Umgang mit ihm war für Trainer und Clubverantwortliche nicht immer leicht, wohl auch ein Grund, warum er sich 1998 nur wenige Stunden als Bundestrainer fühlen durfte. Auf dem Platz war der sowohl als rechter Verteidiger als auch auf der Sechser-Position einsetzbare Mann ein absolutes Vorbild. Auch wenn es schwierig wurde. "Da kam dann das Elfmeterschießen. Wir hatten alle die Hosen voll, aber bei mir lief's ganz flüssig", brachte er es einmal mit einem unfreiwillig komischen Zitat auf den Punkt. Flüssig lief aber nicht nur seine sportliche Karriere, auch nebenbei und danach lief es gut. Ob als Schauspieler (Potato Fritz), scharfzüngiger Kolumnist, TV-Experte oder wie aktuell Bayern-Berater. Breitner ist aus der Fußball-Szene genauso wenig wegzudenken wie aus unserer Bayern-Topelf.
Stefan Effenberg
Ein noch größeres Enfant terrible neben dem Platz war der Tiger. Doch auf dem Platz war Effe in seiner zweiten Zeit bei den Bayern unter Ottmar Hitzfeld der absolute Cheffe. Mit seiner kompromisslosen Spielweise, seinen unbestrittenen Führungsqualitäten und der nötigen internationalen Härte und Aggressivität kaufte er sogar Leuten wie Manchesters Roy Keane den Schneid ab und führte die Bayern zu drei Meisterschaften, einem DFB-Pokalsieg und dem Champions League-Sieg 2001. "Stefan führt dieses Team. Andere verstecken sich, wenn es eng wird, Effenberg tritt genau dann einen Schritt vor", charakterisierte Uli Hoeneß ihn einst treffend.
Lothar Matthäus
Sportlich wurde er geschätzt, aber nie geliebt. Hätte Lothar Matthäus in seiner Karriere das ein oder andere Mal geschwiegen und einige Fettnäpfchen und Skandälchen ausgelassen (sein geheimes Tagebuch, Streit mit Berti Vogts...), er würde heute auf einer Stufe mit Beckenbauer der absolute Held des FC Bayern sein. Denn sportlich war Loddar der Antreiber und Powerfußballer ein Superstar! Selbst Diego Maradona lobte ihn in seiner Biografie: "Er war der beste Gegenspieler, den ich jemals hatte. Das sagt eigentlich alles." In der Tat: Bei Bayern reifte Matthäus zum Star, bei Inter zur Weltklasse und zeigte auch nach seiner Rückkehr an die Isar trotz fortgeschrittenen Alters und zweier schwerer Verletzungen Top-Leistungen. Der Rekordnationalspieler, Ehrenspielführer, Weltfußballer des Jahres (1990, 1991) sammelte Titel en Masse - einzig die Champions League blieb ihm verwehrt.
Mehmet Scholl
Der Mittelfeldspieler mit den präzisen Flanken, den unwiderstehlichen Dribblings und den trickreichen Freistößen prägte 15 Jahre (zwischen 1992 und 2007) lang das Gesicht des FC Bayern. Den ganz großen Durchbruch in der Nationalmannschaft schaffte er trotz EM-Titels 1996 nie, da ihn immer wieder schwere Verletzungen zurückwarfen. Deshalb nahm er auch nie an einer WM teil. Trotzdem war er einer der Erfolgsgaranten seines Clubs und hatte erheblichen Anteil an acht Meisterschaften (Rekord zusammen mit Oliver Kahn), fünf Pokalsiegen, einem UEFA Cup- und Champions League-Sieg. Wegen seiner locker, sympathischen Art und seiner witzigen Sprüche wurde er selbst von Bayern-Hassern verehrt. "Wenn der in Cottbus mit dem FC Bayern aufgelaufen ist, dann haben alle geklatscht und sich gefreut, dass der Scholl da ist, und das musst Du ja erst mal schaffen als Bayern-Spieler, dass sie Dir in Cottbus applaudieren", erklärte Ex-Profi Ansgar Brinkmann einst in der SZ.
Der Sturm:
Karl Heinz Rummenigge
Als er 1974 als schüchterner 18-Jähriger zum FC Bayern kam und die Koffer der großen Stars schleppen musste, hatten sie ihn noch als "Rotbäckchen" gehänselt, weil er bei jeder Anrede knallrot anlief. Doch die Schüchternheit legte der Stürmer schnell ab, avancierte zum absoluten Star der Bayern und schoss in 310 Bundesligaspielen 162 Tore. Nach zwei Meistertiteln, zwei Pokalsiegen und zwei Erfolgen im Europapokal der Landesmeister war er in Europa bald eine große Nummer. Das britische Popduo Alan and Denise besang "Rummenigge, what a man", 1980 und 1981 wurde er zu Europas Fußballer des Jahres gekürt. In der Nationalmannschaft gewann er die EM, der Traum vom WM-Titel blieb ihm allerdings verwehrt.
Gerd Müller
Gemessen an den schon beeindruckenden Zahlen wirkt die Bilanz des Bombers der Nation schon beinahe überirdisch. Von seinem Coach Tschik Cajkovski noch als "kleines dickes Müller" verlacht, zeigte er bald wozu er im Stande war. In einem kurzen Ausflug in die Schlagerwelt besang er seine eigene Torquote - "Dann macht es bumm und dann kracht's": In 427 Einsätzen krachte es satte 365 Mal. Müller brachte es zudem als bisher einziger Spieler fertig, die 40 Tore-Marke in einer Saison zu knacken. Sieben Mal wurde er Torschützenkönig der Bundesliga, zweimal Europas Torschützenkönig und gewann alles, was man als Fußballer gewinnen konnte. Insgesamt erzielte Gerd Müller in allen dokumentierten Pflicht- und Freundschaftsspielen 1.455 Tore. Bei 1.204 Spielen macht das eine überragende Quote von 1,21 Toren pro Spiel.
Trainer:
Udo Lattek
Jüngeren Fußball-Fans ist er wohl nur als graue Eminenz auf dem roten Sessel des sonntäglichen DSF-Doppelpasses ein Begriff. Doch Kids aufgepasst, der nette ältere Herr ist der erfolgreichste deutsche Trainer aller Zeiten. Zweimal coachte er den FC Bayern und holte in dieser Zeit sechs Deutsche Meisterschaften, drei Pokalsiege und einen Europapokal der Landesmeister. Die Summe seiner Titel ließ ihn in unserer Auswahl sogar an Ottmar Hitzfeld vorbeiziehen. In seiner langen Trainerlaufbahn brachte Lattek es mit verschiedenen Clubs fertig, alle drei Europapokale zu gewinnen. Das schaffte außer ihm nur Giovanni Trapattoni. Einzigartig ist auch die Geschichte seiner ersten Entlassung bei den Bayern 1974. Seine Mannschaft sei zu satt, hatte er Präsident Willi Neudecker berichtet und angemahnt: "Wir müssen etwas ändern." Das wurde es dann auch, denn der Clubboss erklärte prompt: "Das ist richtig, Sie sind gefeuert."
Malte Asmus
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