Die Pittsburgh Steelers sorgten in der NFL für einen Farbtupfer. In ihren historischen Jerseys kamen sie eher wie ein Bienenschwarm, denn ein Footballteam daher. Noch mehr wie ein perfekter Schwarm agierten die Atlanta Falcons und San Francisco 49ers.
Ob das Aussehen der Pittsburgh Steelers jetzt eher an Bienen oder die Daltons erinnert - oder aber den Charme der alten Zeit versprüht: das endgültige Urteil überlasse ich jedem selbst. Wir sind hier ja nicht bei NFLs Next Toptrikot. Ich fand die Jerseys an sich charmant, besonders die abgesetzten weißen Nummern. An der Hosenfarbe - die ich mal freundlich als hellbeige interpretiere - muss man noch arbeiten. Was ich mit Sicherheit noch gerne gesehen hätte, wäre einer der alten Lederhelme auf Ben Roethlisbergers Kopf. Charakterkopf und Charaktermütze, das hätte gepasst.
Damit zu den Tops und Flops, die Steelers zählen wir mit Bienen-Trikots und dank des 27:12 gegen die Washington Redskins am 8. Spieltag schon mal dazu. Noch eine persönliche Bemerkung vor der dieswöchigen Ausgabe. Wie bereits in der letzten Woche bemerkt, habe ich im letzten Jahr für die Tops und Flops einige Regeln aufgestellt. Zum Beispiel die, dass spielfreie Teams nicht erwähnt werden. Deswegen tauchen die Atlanta Falcons erst in dieser Woche auf. Eine weitere Regel ist: nichts ist in Stein gemeißelt. Gerne wechsele ich meine Super Bowl Favoriten wie manch anderer seine Cowboys-Boxershorts. Und wenn es mir passt, biege ich die Regeln für die Tops und Flops. Ist ja schließlich eine Kolumne und keine Magisterarbeit.
Alex Smith: Ein fast perfektes Spiel
Die World Series war zwar bereits am Sonntag mit einem Sieg der San Francisco Giants vorbei, doch fast schon ein Perfect Game lieferte der Quarterback des NFL-Teams der Stadt am Montag ab. Beim 24:3 der San Francisco 49ers fand Alex Smith für 18 seiner 19 Pässe einen Abnehmer, kam auf 232 Yards und drei Touchdowns.
Als Bonus gab es noch einen NFL-Rekord mit einer Completion Percentage von 94,7. Und hätte Delanie Walker einen Pass nicht fallen gelassen, dann hätte Smith mit einem perfekten Spiel und einem Rekord, der nur ein- aber nicht überholt werden könnte, das Spiel verlassen.
Atlanta Falcons: Eine perfekte NFL-Bilanz
Die Atlanta Falcons stehen als einziges Team der NFL mit einer 7:0-Bilanz da. Gerade der Auftritt bei den Philadelphia Eagles, der in einem 31:17 mündete, unterstrich die Ambitionen auf den ersten Platz in der NFC. Dabei nahm Falcons-Quarterback Matt Ryan, in dieser Saison mit dem Spitznamen Matty Ice versehen, die Defensive der Eagles genüßlich auseinander und kam auf 262 Yards und drei Touchdowns.
Auch wenn jetzt einige Skeptiker sagen dürften, dass der Sieg nur gegen die Eagles kam - auch in Philadelphia muss man erstmal gewinnen. Auch wenn gleich nach dem Spiel eine Diskussion um Quarterback Michael Vick, mit dem vorläufigen Ergebnis: er läuft weiter auf, ausbrach und Coach Andy Reid vielleicht seine letzten Philly Cheese-Steaks vor sich hat. So beeindruckend zu gewinnen bedeutet für mich, dass die Falcons derzeit dasjenige Team der NFC sind, das sich von den anderen guten abhebt.
Peyton Manning und Rob Gronkowski: Zwei fast perfekte Comebacks?
Während in der NFC allerdings tatsächlich einige Teams das Label "gut" für sich beanspruchen können, ist in der AFC neben den Houston Texans mehr Mittelmäßigkeit angesagt. Zwei dieser, aufgrund der bisherigen Saisonleistungen, "so lala"-Mannschaften sind die Denver Broncos und New England Patriots. Die am Sonntag aber durchweg überzeugen konnten und somit möglicherweise zum Sturm auf den Texans-Turm ansetzen könnten.
In Denver feiert man derzeit Peyton Manning 2.0, wie es ein ESPN-Analyst nannte. Mit operiertem Nacken und einer Menge Skepsis im Gepäck war der mehrfache MVP der NFL in die Rockies gekommen. Nur, um in den letzten vier Spielen Yards und Touchdowns zu verteilen, wie so mancher Landsmann Süßigkeiten an Halloween. Beim 34:14 gegen die New Orleans Saints kam er auf 305 Yards und drei erfolgreiche Touchdown-Würfe und durchbrach damit zum vierten Mal hintereinander die 300 Yards- und drei Touchdown-Schallmauer.
Noch beeindruckender als Manning gegen die Saints agierten sein ewiger Quarterback-Rivale Tom Brady und die New England Patriots beim 45:7 gegen die St. Louis Rams im Gastspiel der NFL in London. Brady brachte es auf vier Touchdowns, aber viel entscheidender: Er spielte endlich wieder seinen Tight End Rob Gronkowski an, der von vielen Bostoner Fans in so manch anderen Spielen schmerzlich vermisst wurde. Nicht etwa, weil er verletzt war, sondern weil er so manches Mal kaum angespielt wurde.
Tony Romo: Das perfekte Desaster?
Ohne Flops, keine Tops und Flops und kaum mehrere Wochen Flops ohne Tony Romo. Den dürften die Fans der Dallas Cowboys weiter in ihr Herz geschlossen haben, nachdem er dem Divisionsrivalen New York Giants gleich vier Bälle zuwarf. Das tat er in den ersten beiden Vierteln gleich drei Mal und sorgte so dafür, dass er beim Stande von 0:23 im heimischen Stadion eine Aufholjagd starten musste.
Die gelang ihm auch, mit Hilfe eines Laufes von Running Back Felix Jones, einem Field Goal, einem eigenen Touchdown-Lauf und einem -Pass führten die Dallas Cowboys auf einmal 24:23. Dass die Giants dank zweier Field Goals wieder in Führung gingen, durfte für Romo dann doch nicht das Problem sein - hätte man meinen können. Eine gute Minute vor dem Ende landete sein Wurf bei einem vierten Versuch in den Händen von New Yorks Verteidiger Stevie Brown. Ein durch Interceptions nötig gewordene Aufholjagd endete mit einer Interception.
Laufspiel der Arizona Cardinals: Die fast perfekte Null?
Mit dem unterlegenen Team des Monday Night Game der NFL schließt sich der Kreis. Die Arizona Cardinals wurden von den San Francisco 49ers zwar dominiert, das darf aber auch das Zustandekommen von gerade einmal sieben Laufyards nur bedingt entschuldigen. Bei neun versuchten Läufen sprangen dabei im Schnitt gerade einmal 0,8 Yards heraus. Dabei hatte Running Back LaRod Stephens-Howling sogar einen lauf über elf Yards, doch was nützt es Einem, wenn man gleich zwei Mal fünf Yards verliert?
Als Running Back der Cardinals dürfte sich somit keiner am heutigen Halloween verkleiden, aber vielleicht holen die Steelers ihre Bienenkostüme noch einmal raus und entspannen sich noch einmal, bevor es am 9. Spieltag zu einem der Topspiele der NFL bei den New York Giants kommt. Die Partie findet, trotz der Verwüstungen durch Hurrikan Sandy, auf jeden Fall statt.
