Jeremy Lin verlässt die New York Knicks und geht zu den Houston Rockets - so weit die Nachricht, die in der NBA für Aufsehen sorgt. Warum die Knicks einen großen Fehler machen und ihr Besitzer James Dolan damit seinen Kritikern weiter in die Hände spielt, verrät sportal.de.
Die Linsanity in New York dauerte nur wenige Monate, jetzt wird Jeremy Lin sein Glück als Point Guard der Houston Rockets versuchen. In erster Linie deswegen, weil die Knicks nicht bereit waren, das Angebot der Rockets zu kontern - was ihr gutes Recht gewesen wäre. Der offizielle Grund: Die von Houston vorgegebene Vertragsstruktur hätte die Knicks im dritten Jahr fast 15 Millionen US Dollar Gehalt plus mindestens 28 Millionen Dollar NBA-Luxussteuer gekostet.
Schabt man jedoch unter der Oberfläche der Ereignisse der letzten Tage stellt sich jedoch eines heraus, Geld dürfte nicht der ausschlaggebende Faktor für die Entscheidung Dolans gewesen sein, den Mann, der die Saison der Knicks im Februar diesen Jahres rettete, gehen zu lassen. Denn spätestens seit Lins Entscheidung vor den Verhandlungen, einen eigenen PR-Berater zu engagieren, ist man im Hause Dolan nicht mehr gut auf den Frühjahrs-Liebling der NBA zu sprechen, wie die New York Daily News berichtet.
Schiebt Knicks-Besitzer Dolan die NBA-Milchmädchenrechnung nur vor?
Außerdem, so der Bericht weiter, sei man verärgert über Lins Verhandlungsweise. Denn der Spieler habe den Vertrag nach ersten Gesprächen mit Houston noch nachbessern lassen, dies sei bei James "Jim" Dolan sehr sauer aufgestoßen, zitierte die Daily News einen Insider. "Es geht nicht ums Geld, es geht darum, dass Lin den Knicks nicht dieselbe Loyalität zeigt, die sie ihm nach Jims Meinung gezeigt haben", zitiert nydailynews.com den Geschäftsfreund Dolans.
Zudem seien einige bei den Knicks verantwortliche Personen der Meinung, dass Neuzugang Raymond Felton mindestens ebenso gut wie Lins sei. Diese Aussage seiner Basketballexperten habe Dolan dann letztlich gereicht, um Lin ziehen zu lassen.
Millionenverluste aus persönlichen Gründen?
Genau dieses Verhalten lässt jedoch einmal mehr Zweifel an Dolans Qualitäten zu, ein NBA-Team wirklich effektiv führen zu können - nicht zum ersten Mal, wie leidgeplagte Knicks-Fans bestätigen dürften. Wie die New York Times vorrechnet, brachten Lins tolle Tage im Februar nicht nur sportlichen Erfolg für die Knicks. Sondern vor allem einen finanziellen.
So verkauften sich Lins Jerseys am zweitbesten in der gesamten NBA, nur Derrick Roses Name auf einem Bulls-Trikot wanderte öfter über den Ladentisch, wie espn.com im April berichtete. Aber noch wichtiger: Der Börsenkurs des Knicks-Mutterkonzerns Madison Square Garden Inc. schoss in die Höhe, der Wert der Dolan-Firma wuchs laut nytimes.com um 600 Millionen US-Dollar.
Und dann wäre da noch der Wirtschaftsfaktor Asien. Auch wenn Lin in den USA geboren ist, der Erfolg des Taiwan-Amerikaners sorgte nicht nur bei den Landsleuten gleicher Herkunft, von denen es nach Angaben der Times 450.000 alleine in New York gibt, für einen Hype. Zudem wird Lin bei Erfolg durchaus zugetraut die Lücke in dem wichtigen Markt China zu schließen, die Yao Ming hinterlassen hat.
Sportlich richtige Entscheidung?
Wirtschaftlich - und vielleicht auch vom Standpunkt der Fans - ist der Abgang Lins von den Knicks also nicht die klügste Entscheidung Jim Dolans, um es einmal nett auszudrücken. Sportlich gesehen liegen die Verantwortlichen im Madison Square Garden eventuell richtig. Lin hat schließlich gerade einmal 25 NBA-Spiele als Starting Point Guard und gerade einmal 64 Partien überhaupt auf dem Buckel, dabei kam er auf 9,2 Punkte und 4 Assists im Schnitt.
Andererseits hätten die Knicks das sportliche Risiko eingehen können, um sich wirtschaftlich noch besser aufzustellen und vor allem im Beliebtheits-Kampf mit den aufstrebenden Brooklyn Nets in der Stadt zu punkten. Schließlich war Lin nicht nur ein USA-weites, sondern ein weltweites Phänomen. Aus vielerlei Sicht ist diese persönliche Entscheidung Dolans eine, die sein Team noch bereuen könnte.
Und: das fragliche dritte Jahr des Vertrages wäre bei einem sportlichen Misserfolg des Point Guards nicht mehr unbedingt so zum Tragen gekommen, wie von New York vorgerechnet. So hat nun Houston die Linsanity - ausgerechnet jene Rockets, die mit Yao Ming schon einmal den China-Markt für sich beanspruchten.
