Marco Reus, der "Fußballer des Jahres", hatte keinen schönen Pflichtspiel-Einstand beim BVB und legte mit seinem Team eine schlechte erste Hälfte hin. Für Heynckes war der erste Sieg nach fünf Niederlagen gegen die Dortmunder "Balsam für die bayerische Seele."
Marco Reus hat am vergangenen Wochenende einiges erlebt. Auf die Auszeichnung als Fußballer des Jahres folgte im ersten Pflichtspiel für Borussia Dortmund die 1:2-Supercup-Schlappe gegen den FC Bayern München.
"Diese Auszeichnung ist ein Ansporn, weiter Gas zu geben und in der neuen Saison eine Schippe draufzulegen", hatte Reus nach der Wahl noch auf der Homepage des BVB verlauten lassen. Davon war beim Aufeinandertreffen mit dem FC Bayern nicht viel zu sehen, wirklich zufrieden konnte der Neuzugang mit seinem Pflichspieldebüt nicht sein.
Niederlage kein Weltuntergang
Denn in der ersten Hälfte im Duell zwischen dem Deutschen Meister und dem Champions League-Finalisten ging der Ex-Gladbacher mit seinem Team regelrecht unter. Bereits nach elf Minuten führten die Bayern im eigenen Stadion mit 2:0. Der BVB kam in den ersten 45 Minuten zu keinem Torschuss, ein Novum in der Ära Klopp.
Die Niederlage gegen hochmotivierte Bayern wiegt jedoch nicht so schwer, fand zumindest Mats Hummels: "Ich verliere lieber im Supercup als in der Bundesliga", meinte der Nationalspieler, der genau wie Reus für das Testespiel der DFB-Elf gegen Argentinien nominiert wurde. Dort spielen sie dann wieder gemeisam mit den Bayern um Philipp Lahm und Thomas Müller.
"Man kann in der Vorbereitung nicht mit derselben Leidenschaft spielen wie in der Bundesliga", ergänzte Hummels. Für BVB-Trainer Jürgen Klopp war die wohl wichtigste Erkenntnis, dass seine Mannschaft sich nach einer "scheiß Anfangsphase" noch steigern konnte und den Anschlusstreffer erzielen konnte. "Wir sind zurückgekommen und sind in der zweiten Halbzeit richtig ins Rollen gekommen."
Bayern "haben es drauf"
Was Reus in einem funktionierenden Team leisten kann, bewies er in der vergangenen Saison bei Borussia Mönchengladbach. Für seine überragende Spielzeit 2011/2012 wurde er noch vor dem Duell im Supercup von den deutschen Sportjournalisten zum Fußballer des Jahres gekürt und löste damit Manuel Neuer ab.
Dieser sah den Sieg im Supercup nicht als Kampfansage an den BVB, sondern mehr "als ein Zeichen für uns selbst: 'Hey, wir haben es drauf!" Sein Trainer Jupp Heynckes ergänzte: "Es war psychologisch gut, dass wir gewonnen haben."
Große Emotionen zeigten die Bayern-Profis im Konfettiregen der Allianz-Arena nicht. Obwohl die Supercup-Trophäe nach zwei Jahren der erste Titel für en FCB ist. Der erste Sieg nach fünf Pleiten gegen den großen Rivalen Borussia Dortmund war da schon eher Thema. "Das ist Balsam für die bayerische Seele", sagte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge. "Wir stehen jetzt nicht mehr bei minus fünf."
Nach der gelungenen "Standortbestimmung" (Heynckes) kann die aufgeregte Bayern-Familie etwas entspannter den ersten Ernstfällen im DFB-Pokal beim Zweitliga-Aufsteiger Jahn Regensburg und in der Bundesliga beim Aufsteiger Greuther Fürth entgegenblicken.
