Wie bei unseren besten zehn Abwehrspielern tummeln sich auch im Mittelfeld-Ranking fast ausschließlich Bayern und Dortmunder. Aber auch wenn er nicht weit vorne landete, darf sich Gonzalo Castro freuen, endlich den sportal.de-Fluch überwunden zu haben
Zufall? Höhere Gewalt? Doch ein Fluch, der alle heimsucht, die ein Interview mit sportal.de ablehnen? Auf jeden Fall fiel Gonzalo Castros einst nach einer durch angeblich widrige Umstände nicht zustande gekommene Interview-Verabredung mit sportal.de urplötzlich in ein Leistungsloch. Und das lag nicht daran, dass wir persönlich beleidgt waren und ihn gnadenlos abwerteten. Das sah sogar der kicker so.
Gut, das lag sicher auch daran, dass Castro in den letzten Jahren keine feste Position im Bayer-Spiel hatte, sondern als vielseitig einsetzbarer Spieler immer da eingesetzt wurde, wo gerade Not am Mann war. Insgesamt konnte er so sein ohne Frage vorhandenes Potential nicht mehr richtig abrufen. Das änderte sich erst in dieser Hinrunde, in der er von Leverkusens Trainergespann ausschließlich im Mittelfeld eingesetzt, wieder zu einem der besten Spieler bei Bayer avancierte und in unsere Top Ten einstieg.
10. Aaron Hunt (Werder Bremen)
15 Spiele, 6 Tore, sportal.de-Durchschnittsnote 2,97
Bei Werder Bremen verlief die Hinrunde eher durchwachsen. Natürlich machte sich der Abgang von langjährigen Leistungsträgern wie Claudio Pizarro, Tim Wiese oder Marko Marin bemerkbar. Doch einer sprang in die Bresche: Aaron Hunt schaffte es, sich in den Vordergrund zu spielen und die beste Hinrunde seiner Karriere abzuliefern. Hunts feine Technik und sein gutes Auge verhalfen ihm zu sechs Toren und vier Vorlagen, endlich lieferte er auch einmal über einen längeren Zeitraum gute Leistungen ab. Der Ersatz-Kapitän ist für seine jungen Mitspieler so natürlich ein wichtiger Orientierungspunkt, zudem sorgte er mit Werder 2800. Bundesliga-Treffer für einen Eintrag im Geschichtsbuch des Clubs. Das soll noch nicht alles gewesen sein. "Es ist ihm zuzutrauen, dass er das langfristig halten kann", blickte Werder-Coach Thomas Schaaf laut goal.com hoffnungsvoll auf die Rückrunde.
9. Gonzalo Castro (Bayer Leverkusen)
17 Spiele, 6 Tore, sportal.de-Durchschnittsnote 2,97
Wie Hunt galt auch Gonzalo Castro lange als ewiges Talent, das seine ohne Zweifel vorhandenen Anlagen viel zu selten abrief. Wie bereits erwähnt halfen ihm die ständigen Positionswechsel - mal Rechtsverteidiger, mal Linksverteidiger, mal zentral, mal außen im Mittelfeld - nicht unbedingt dabei einen Rhythmus zu finden. Doch wie gut er sein kann, wenn er den hat, zeigte die Hinrunde 2012/13, wo er auf dem Mittelfeldflügel für Furore sorgt und sechs Tore und vier Assists zum Teamerfolg beisteuerte. Herausragend war seine Leistung beim 4:1-Sieg über Werder Bremen, als er zwei Tore schoss, und die beim 3:0 über den HSV. "Castro war überall zu finden und die wichtige Verbindung zwischen der Leverkusener Defensive und der beeindruckenden Offensive", würdigte unsere Notenredaktion seine Leistung mit einer 1,5. Coach Sascha Lewandowski sieht trotzdem noch Steigerungsmöglichkeiten: "Wenn er im Abschluss noch einen Tick konsequenter ist, gibt es nur wenige Bessere." Die Rückrunde kann also kommen.
8. Jakub Blaszczykowski (Borussia Dortmund)
13 Spiele, 5 Tore, sportal.de-Durchschnittsnote 2,96
Sein Syndesmosebandanriss, den er sich am siebten Spieltag ohne gegnerische Einwirkung zugezogen hatte, hatte Jakub Blaszczykowski merklich etwas aus dem Tritt gebracht. Er verpasste nicht nur vier Bundesliga-Partien, sondern kassierte in zwei seiner sechs nach Genesung absolvierten Partien eine 4,0 und ansonsten eher durchschnittliche Noten, die seinen vor der Zwangspause deutlich besseren Notenschnitt noch drückten. So gab es immer wieder wie gegen Bayern München "ungenaue Pässe, die potenziell gute Gelegenheiten nicht zu solchen werden ließen" zu kritisieren. Die Winterpause, davon ist auszugehen, wird er aber nutzen, um wieder in Bestform zu kommen und in der Rückrunde noch den einen oder anderen Platz im Ranking aufzusteigen.
7. Pirmin Schwegler (Eintracht Frankfurt)
14 Spiele, 2 Tore, sportal.de-Durchschnittsnote 2,96
Daran, dass Eintracht Frankfurt als Aufsteiger so sensationell in die Bundesliga gestartet war, hatte vor allem einer riesigen Anteil: Kapitän Pirmin Schwegler. Endlich blieb der Schweizer mal von Verletzungen weitgehend verschont und konnte sich in Topform präsentieren. "Zudem beflügelt mich mein Amt als Captain bei Frankfurt", erklärte er 20min.ch."Es ist eine Rolle, an der ich ständig wachse. Auf dem Platz gefällt es mir, im Mittelfeld entscheidenden Einfluss auf unser Spiel nehmen zu können." Und das tat er. "Organisierte das Mittelfeld, spielte exzellente Pässe - und davon nicht wenige - und krönte seine Leistung mit einem wunderschönen Treffer", lobten wir beispielsweise seinen herausragenden Auftritt gegen Werder Bremen, die wir mit einer 1,5 bedachten.
6. Ilkay Gündogan (Borussia Dortmund)
12 Spiele, 1 Tor, sportal.de-Durchschnittsnote 2,79
Sicher in der Ballverteilung, technisch beschlagen, mit gutem Auge für seine Mitspieler und fast gleichstark in Offen- und Defensive - die Charakteristika von Ilkay Gündogan sind hinlänglich bekannt. Der Dortmunder ruft seine Qualitäten regelmäßig und konstant ab. Wirklich schlecht spielt er nie (dreimal eine 3,5 als schlechteste Note), seinen besten Auftritt der Hinrunde hatte Gündogan beim 5:0-Sieg über Borussia Mönchengladbach, als ihm sein einziges Saisontor gelungen war und er zudem noch einen weiteren Treffer auflegen konnte. Aber trotz der Lobenhymnen und der 1,5, die wir für seinen Auftritt vergaben, fanden wir ein kleines Haar in der Suppe, das vielleicht sogar stellvertretend für seine gesamte Hinrunde stehen könnte. "Wirklich stark war Gündogan... erst, als Gladbach das Spiel vollends aufgab." Daher "nur" Platz sechs im Ranking.
5. Toni Kroos (Bayern München)
17 Spiele, 6 Tore, sportal.de-Durchschnittsnote 2,79
Auf der Zehn fühlt sich Toni Kroos einfach am wohlsten. Hier kann er seine kraftvolle Spielweise, seine Antrittsschnelligkeit, seine Schusskraft und vor allem Schusstechnik am besten in Szene setzen. Herausragend in dieser Hinsicht sein Auftritt und vor allem sein Seitfallziehertor beim Sieg über Hannover. Kein Wunder, dass Trainer Jupp Heynckes laut faz.net lobte: "Wenn er so weitermacht, wird er ein Weltklassespieler." Dazu fehlt, obwohl sich Kroos von Saison zu Saison stetig steigert, natürlich noch ein bisschen. Manchmal muss er auch als Zehner einfach noch variabler spielen, sich auch mehr fallen lassen, um besser anspielbar zu sein. Zudem neigt er dazu manchmal ein Spiel zu beruhigen, "das gar nicht beruhigt werden musste", wie unsere Notenredaktion bei seinem schwächsten Saisonspiel gegen Werder Bremen bemängelte. Aber insgesamt ist das Meckern auf hohem Niveau.
4. Mario Götze (Borussia Dortmund)
14 Spiele, 6 Tore, sportal.de-Durchschnittsnote 2,71
Die leichten Probleme, die Mario Götze zu Saisonbeginn genau wie Borussia Dortmund insgesamt hatte, konnte er schnell abschütteln, wurde immer besser. Die Boulevardpresse feierte ihn schon wieder als "Wunderkind", "Zauberer" oder gar "Messias". Klar zeigte Götze seine Klasse, klar ist er der Denker und Lenker beim BVB. Doch zumindest in der Bundesliga ist trotz sechs eigenen Torerfolgen und vier Assists noch einige Luft nach oben. Als schlechteste Note bekam er bei uns zwar nur zweimal die 3,5, doch auch insgesamt nur zweimal die 2,0. Meist bewegten sich seine Auftritte im Bereich befriedigend und etwas besser. Wie gut er wirklich sein kann, offenbarte er im DFB-Pokal Achtelfinale gegen Hannover, als er drei Tore schoss. Gelingen ihm auch in der Bundesliga solche Auftritte, kann es im Ranking im Sommer noch weiter nach oben gehen.
3. Bastian Schweinsteiger (Bayern München)
15 Spiele, 4 Tore, sportal.de-Durchschnittsnote 2,7
Nicht wenige Bayern-Fans hatten große Ängste und Zweifel, ob Bastian Schweinsteiger die Nackenschläge im Liga-Endspurt, die Verletzungen und den verschossenen Elfmeter im Champions League-Finale so einfach würde wegstecken können. Er konnte und das bewies er in der Hinrunde mit starken Leistungen und untermauerte seine etwas in Zweifel geratene Chefposition eindrucksvoll. "Bastian ist ein unglaublicher Spieler. Er hat unglaublich feine Antennen, ein Spiel zu lesen", lobte Sportvorstand Matthias Sammer im kicker. Doch das allein ist ja noch nicht alles:
"Großartige Spielverlagerungen, selbst unter höchster Bedrängnis", eine "starke Defensivvorstellung" und immer wieder Gefahr beim Vorstoß in die Spitze hob unsere Notenredaktion stellvertretend nach seiner Galavorstellung beim Sieg über den VfL Wolfsburg die Stärken Bastian Schweinsteigers Stärken der Hinrunde 2012/13 hervor.
2. Thomas Müller (Bayern München)
16 Spiele, 9 Tore, sportal.de-Durchschnittsnote 2,59
Nach der erfolglosen letzten Saison mit der verlorenen Meisterschaft, der Demontage im Pokalfinale, dem verlorenen Finale Dahoam und dem Halbfinal-Aus bei der EM, entlud sich der Frust bei Thomas Müller in einer herausragenden Hinrunde. Müller versprühte zwar nicht soviel Glanz wie beispielsweise Mario Götze, begeisterte bei seinen 16 Auftritten mit neun selbst geschossenen und neun weiteren per Assist aufgelegten Toren und ebnete dem FC Bayern München so den Weg zur souveränen Tabellenführung. "Ich bin kein Spieler, der über neunzig Minuten schön anzuschauen ist", gab Müller laut derwesten.de zu, er sei dafür lieber effizient. Und das brachte ihm nicht nur Sonderlob von Trainer Jupp Heynckes, sondern auch die die vorzeitige Vertragsverlängerung bei Bayern ein. So ist Müller aus der Bayern-Startelf nicht wegzudenken.
1. Franck Ribéry (Bayern München)
12 Spiele, 4 Tore, sportal.de-Durchschnittsnote 2,04
Während Müller für die Effizienz zuständig ist, sind die Tricks eher die Aufgabe von Franck Ribéry, der es aber nicht nur wegen seiner Kunststücke auf die herausragende Durchschnittsnote von 2,04 kam. Besser als Ribéry war kein anderer Bundesliga-Spieler. Doppelte oder gar dreifache Bewachung? Egal wie viele Gegenspieler kamen, Ribéry spielte sie schwindelig. Er sorgte bei Bayern für die Rhythmuswechsel, zog das Tempo an und steuerte neben viel Spielwitz, den zündenden Ideen und vier eigenen Toren auch noch sieben Assists zum Erfolg der Mannschaft bei. Und er arbeitet mittlerweile sogar mit nach hinten.
Dreimal gab es dafür von uns die Traumnote 1,0, schlechter als einmal mit 3,5 wurde er nie bewertet. "Er spielt wieder so wie in seiner ersten Saison bei uns. Damals war das Kunst und Hochgenuss. Er ist bei 100 Prozent - plus seinen Einsatz für die Defensive. Und was viele nicht sehen: Er marschiert 90 Minuten, probiert auch noch in der Schlussminute immer wieder mal etwas Besonderes", hielt Paul Breitner bei merkur-online.de die passende Laudatio zu Platz eins in unserem Mittelfeld-Ranking.

