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Von: Marcus Krämer
Datum: 19. Oktober 2012, 11:12 Uhr
Format: Artikel
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WTA Championships: Azarenka, Williams, Kerber und Co. im Check

Victoria Azarenka, Tennis, WTA-Championships
Victoria Azarenka reist in Topform zu den WTA-Championships

Wer ist die Topfavoritin bei den WTA Championships? Wer hatte mit Lance Armstrongs Doping-Arzt zu tun? Und was kann Angelique Kerber in Istanbul erreichen? sportal.de gibt im letzten Power Ranking des Jahres Antworten, Neues gibt es auch in der Stöhn-Debatte.

Am kommenden Dienstag startet das große Saisonfinale in Istanbul, deshalb beschränken wir uns auf die acht qualifizierten Spielerinnen und verzichten auf die übliche Top Ten. Wie gewohnt fließen die Ergebnisse der letzten drei Turniere in die Wertung ein, wobei die WTA-Punkte des letzten Turniers zu 100 Prozent gewertet werden, die beiden davor nur zu 80 beziehungsweise 60 Prozent. Und wer länger als einen Monat ausgesetzt hat, bekommt gar keine Punkte:

Außerhalb der Wertung: Serena Williams (USA, 31 Jahre, Weltrangliste: 3)

Die große Unbekannte im Teilnehmerfeld ist Serena Williams, die einen außergewöhnlichen Sommer gespielt hatte, seit den US Open aber pausieren musste. Eigentlich wollte sie die Asien-Tour mitmachen, doch eine hartnäckige Grippe legte Williams lahm. Deshalb greift sie erst wieder bei den WTA Championships ein. Williams siegte nacheinander in Wimbledon, bei Olympia und den US Open, dabei schlug sie die Damen Azarenka, Sharapova, Errani, Kvitova und Radwanska. Ohnehin hat Williams in ihrer Karriere in 41 Matches gegen die sieben Kontrahentinnen von Istanbul erst sechs Niederlage einstecken müssen. Eine davon war gegen Angelique Kerber in Cincinnati direkt vor den US Open. Hat Williams durch ihre Krankheit nicht zu viele Körner gelassen, ist sie auch bei den WTA Championships die absolute Topfavoritin.

7. Petra Kvitova (CZE, 22 Jahre, Weltrangliste: 4)

Gewertete Turniere: US Open (Achtelfinale/280 Punkte), Tokio (2. Runde/1), Peking (2. Runde/80) / Power Ranking-Punkte: 249

Die Titelverteidigerin in Istanbul heißt Petra Kvitova, allzu große Chancen auf einen erneuten Triumph hat Kvitova aber nicht. Zwar gewann die Tschechin im Sommer die Turniere in Montreal und New Haven, seit den US Open ist Kvitova aber völlig außer Form. Die Pleite gegen Marion Bartoli in Flushing Meadows gehörte noch in die Kategorie erklärbar, bei den deutlichen Niederlagen gegen Petra Martic und Carla Suarez Navarro war Kvitova allerdings deutlich unterlegen.

6. Na Li (CHN, 30 Jahre, Weltrangliste: 7)

Gewertete Turniere: US Open (3. Runde/160), Tokio (Achtelfinale/125), Peking (Halbfinale/450) / Power Ranking-Punkte: 646

Als letzte Spielerin sprang Na Li auf den Zug nach Istanbul, durch den Viertelfinal-Erfolg gegen Agnieszka Radwanska in Peking sammelte Na Li die letzten fehlenden Punkte und fährt zum zweiten Mal in Folge zu den WTA Championships. In Tokio war sie noch frühzeitig gescheitert, was auch daran liegen könnte, dass sie bei Pressekonferenzen ständig Stellung zum politischen Konflikt zwischen Japan und China wegen der unbewohnten Inseln im chinesischen Meer nehmen sollte. Die WTA schritt ein, verbot sämtliche Fragen zu diesem Thema, Na Li schied aber trotzdem gegen Caroline Wozniacki - die erstmals seit 2008 bei den WTA Championships fehlt - aus. Nach ihrem kometenhaften Aufstieg 2011 spielte die Chinesin 2012 ein durchschnittliches Jahr, einziger Turniersieg wird wohl Cincinnati bleiben.

5. Sara Errani (ITA, 25 Jahre, Weltrangliste: 8)

Gewertete Turniere: US Open (Halbfinale/900), Tokio (Viertelfinale/225), Peking (1. Runde/5) / Power Ranking-Punkte: 725

Nach der sensationellen Finalteilnahme bei den French Open gehörte Sara Errani zu den großen Aufsteigern der Saison, gute Ergebnisse wurde ihr zunächst aber nur auf Sand zugetraut. Doch Errani hat sich auf allen Plätzen weiterentwickelt, immerhin stand sie auch bei den US Open im Halbfinale. Dieses Match gegen Serena Williams zeigte dann aber, dass es für Errani nicht nach ganz oben und somit auch nicht zum Titel bei den WTA Championships reichen wird. Gegen Williams, Azarenka und Co. fehlt Errani einfach der Druck von der Grundlinie, zudem ist ihr Aufschlag, ganz besonders der zweite, zu schwach für die absolute Weltspitze.

Zudem verletzte sich Errani in Peking am Oberschenkel, Ersatzfrau Sam Stosur sollte sich bereit halten. Das war aber nicht die einzige Negativ-Schlagzeile, in der Erranis Name vorkam. Errani soll in der Tanneis-Akademie in Valencia wie auch David Ferrer, Maria Kirilenko oder Igor Andreev mit dem Arzt Luis Garcia del Moral zusammengearbeitet haben. Wem das jetzt nichts sagt, del Moral gilt als entscheidender Mann in der Doping-Affäre um Lance Armstrong und wurde mittlerweile von der Welt-Doping-Agentur lebenslang gesperrt. "Natürlich bin ich nicht daran interessiert, mit einer Person weiterzuarbeiten, die in solche Dinge involviert ist", sagte Errani laut 20min.ch und ergänzte: "Klar ist das nichts Gutes für mich. Wenn du gewinnst, beginnen die Leute möglicherweise schlecht zu reden." Einen Nachweis von Doping gibt es bei den betroffenen Tennisspielern bisher nicht.

4. Angelique Kerber (GER, 24 Jahre, Weltrangliste: 6)

Gewertete Turniere: US Open (Achtellfinale/280), Tokio (Halbfinale/395), Peking (Viertelfinale/250) / Power Ranking-Punkte: 734

Vor elf Jahres war es Anke Huber als letzte deutsche Spielerin, die es zu den WTA-Championships geschafft hatte - damals allerdings noch als eine von 16 Teilnehmern. Nun also Angelique Kerber, die ihren kometenhaften Aufstieg Ende 2011 in diesem Jahr mit konstant guten Ergebnissen bestätigte. Kerber ist auf der WTA-Tour als Vielspielerin bekannt, wofür sie in den letzten Monaten mit kleineren Blessuren häufiger bezahlen musste. Nach ihrem Ausstieg in Peking nahm sich Kerber aber zwei Wochen Pause und fährt nun ausgeruht nach Istanbul.

Mehr als eine Geheimfavoritin ist Kerber bei den WTA Championships nicht. 19 Mal trat die Deutsche in dieser Saison gegen die anderen aus den Top Acht an, dabei sprangen nur sieben Siege heraus. Trotz ihrer großartigen Fitness schaffte es Kerber in den großen Matches zu selten, ihr komplettes Potential abzurufen. Außerdem muss sie noch ihren Aufschlag verbessern, der ihr in engen Phasen zu selten eine Hilfe ist. Allerdings konnte sie in diesem Jahr nur gegen Angstgegnerin Agnieszka Radwanska gar nicht gewinnen. "Ich fahre dorthin, um zu genießen", sagte Kerber zu ihren Ambitionen in der Sport Bild. "Aber ich will auch das eine oder andere Spiel gewinnen. Ich weiß, dass ich jede Gegnerin schlagen kann, habe das dieses Jahr auch schon gezeigt."

3. Agnieszka Radwanska (POL, 23 Jahre, Weltrangliste: 4)

Gewertete Turniere: US Open (Achtelfinale/280), Tokio (Finale/620), Peking (Viertelfinale/250) / Power Ranking-Punkte: 914

Einen Schönheitspreis gewinnt Agnieszka Radwanska mit ihrem Tennis sicher nicht. Wenig spektakulär bringt sie die Bälle wie eine Wand wieder, ohne einen echten Winnerschlag zu haben, das reicht aber, um ihre Gegnerinnen zur Verzweiflung zu bringen. Bei Kerber klappt das bekanntlich gut, bei Victoria Azarenka dagegen nicht. Gegen die Weltranglisten-Erste trat Radwanska in dieser Saison in sechs Matches an, dabei konnte sie nur zwei Sätze gewinnen. Hier ist das Prädikat Angstgegner wohl wirklich angemessen.

2. Victoria Azarenka (BLR, 23 Jahre, Weltrangliste: 1)

Gewertete Turniere: Tokio (Viertelfinale/225), Peking (Sieg/1000), Linz (Sieg/280) / Power Ranking-Punkte: 1215

Nach ihrem Triumph bei den Australian Open äußerte sportal.de noch Zweifel, ob Victoria Azarenka die Spitze im Welttennis konstant wird halten können. Azarenkas Antwort war das beste Jahr ihrer Karriere, wegen Serena Williams reichte es aber trotzdem "nur" zu einem Grand Slam-Titel. In Wimbledon, bei Olympia und bei den US Open verlor Azarenka gegen Williams, zudem nahm sie sich in der Sandplatzsaison eine kurze spielerische Auszeit. Trotzdem gehört Azarenka auch bei den WTA-Championships zu den Sieganwärtern, Platz 1 im Power Ranking hat sie nur nicht erreicht, weil sie nach den US Open ein Turnier mehr gespielt hat, als alle anderen.

1. Maria Sharapova (RUS, 25 Jahre, Weltrangliste: 2)

Gewertete Turniere: US Open (Halbfinale/900), Tokio (Viertelfinale/225), Peking (Finale/700) / Power Ranking-Punkte: 1420

Maria Sharapova spielte ein gutes, aber eben kein sehr gutes Jahr. Sie gewann neben den French Open noch die Turniere in Stuttgart und Rom und damit nur auf Sand. Auf Hartplätzen stand dagegen immer eine der kommenden Gegnerinnen in Istanbul im Weg, vor allem gegen Azarenka (1:4) und Williams (1:2) hat Sharapova eine negative Saisonbilanz. Die WTA-Pläne, lautes Stöhnen auf dem Platz schon in der Jugend zu verbieten, begrüßt die Stöhn-Queen, auch wenn sie sich selbst nicht mehr umstellen will: "Ich stöhne beim Tennisspielen schon immer so laut", sagte Sharapova laut tennisnet.com. "Du kannst auch nicht die Vorhand oder die Schlägerhaltung mitten in der Karriere einfach komplett umstellen." Dann wissen wir ja, worauf wir uns in Istanbul auf jeden Fall einstellen müssen.