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Von: Uwe Toebe
Datum: 16. Oktober 2012, 22:35 Uhr
Format: Artikel
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WM-Qualifikation: Deutschland trennt sich von Schweden 4:4

johan elmander, schweden
Johan Elmander erzielt das zwischenzeitliche 3:4

Ein Fußballfest sahen die Fans beim 4:4 (3:0) zwischen Deutschland und Schweden in Berlin. Eine Stunde beherrschten Klose, Reus und Co die Partie. sportal.de war verzaubert, sah dann aber schwere Abwehrfehler und ein schwedisches Wunder.

4:0 nach einer Stunde, was soll da schon nach passieren, dachten sich die deutschen Fans und freuten sich auf das nächste Schützenfest. Sie täuschten sich. Die Schweden profitierten von schweren Abwehrfehlern, kamen zu einem verdienten 4:4 (3.0) und verteidigte ihre Serie, haben damit doch weiterhin in Berlin noch nie ein Spiel gegen Deutschland verloren.

Miroslav Klose war der Mann der ersten Hälfte mit zwei Treffern, die er nach Vorbereitungen von Marco Reus erzielte. Als dann nach dem Seitenwechsel das 4:0 fiel, war die Partie entschieden. Doch nicht, wenn man sich solch schwere Fehler wie Neuer und Co erlaubt. Die Schweden gaben nie auf und schockten mit vier Toren das ausverkaufte Olympiastadion.

Kapitän Lahm wieder dabei

Der DFB hatte sich das ausverkaufte Olympiastadion in Berlin als Spielort für das Spitzenspiel der beiden bis dato ungeschlagenen Teams in der WM-Qualifikation ausgesucht. Jogi Löw musste auf die angeschlagenen Marcel Schmelzer und Sami Khedira verzichten. Philipp Lahm kehrte nach Gelbsperre zurück und nahm die linke Position der Abwehrkette ein. Sein Münchner Teamkollege Jerome Boateng durfte also wieder rechts verteidigen. Für Khedira agierte der Doppeltorschütze von Irland, Toni Kroos, im Mittelfeld.

Die Schweden hatten am letzten Freitag trotz eines 2:1 enttäuscht. Grund war der Gegner, denn man quälte sich auf Färöer zu diesem Sieg. Coach Erik Hamren änderte daher die Startformation auf gleich vier Positionen rund um Superstar Zlatan Ibrahimovic. Die Schweden hatten zuvor noch nie in Berlin gegen eine deutsche Auswahl verloren.

Nach einer Gedenkminute für den verstorbenen Helmut Haller gab Schiedsrichter Pedro Proenca die Partie frei. Von Beginn an war das deutsche Team stürmisch unterwegs. Schon nach einhundert Sekunden bot sich Thomas Müller eine erste Einschusschance. Nach feiner Vorarbeit von Boateng scheiterte er aber per Hacke und Schuss an Keeper Andreas Isaksson und dem rechten Pfosten. Auf der Gegenseite feuerte Holmen aus zwanzig Metern nur knapp über das deutsche Tor.

Der doppelte Klose

Der erste Treffer war Miroslav Klose nach acht Minuten vorbehalten. Lahm schickte den schon gegen Irland überragenden Marco Reus, der fast bis zur Grundlinie vorstieß, Übersicht bewies und den Torjäger bediente. Klose rutschte in das Zuspiel und hämmerte den Ball aus zehn Metern unhaltbar unter die Latte.

Das deutsche Team zauberte, wirbelte und traf weiter. Reus spielte Doppelpass mit Kroos und Müller, war wieder auf links durch. Erneut sah er den lauernden Klose, der aus der Nahdistanz im zweiten Anlauf abstaubte. Das waren seine Tore Nummer 66 und 67 im deutschen Dress. Nur noch einer fehlte zum Rekord von Legende Gerd Müller.

Die Schweden waren erschreckt, brachten kaum Produktives zustande. Die aggressive deutsche Elf kontrollierte Ball und Gegner, kombinierte schnell und sicher. Ein Freistoß von Reus landete in der 30. Minute in den Armen von Isaksson. Acht Minuten später schickte Mesut Özil den überaus agilen Reus, der an Isaksson scheiterte. Den Nachschuss vergab der Real-Star.

Fair-Play-Spieler Klose? Nicht immer

Nach der folgenden Ecke sollte es dennoch 3:0 stehen, da Müller per Kopf für Per Mertesacker ablegte, der aus neun Metern per Rechtsschuss vollendete. Dass der vor dem Spiel mit der Fair-Play-Medaille des DFB ausgezeichnete Klose dabei seinen Arm am Ball hatte, übersah Schiedsrichter Proenca. Da Klose, der zum zweiten Mal mit diesem Preis versehen wurde, trotz heftiger Proteste der Schweden schwieg, fand der Treffer Anerkennung.

Das 3:0 zur Pause war hoch verdient. Hamren reagierte mit einem Doppelwechsel auf die ausweglose Situation. Seine Mannen kamen motivierter aus der Kabine und hatten nach Wiederbeginn für fünf Minuten ihre beste Phase, ohne aber gefährlich zu werden.

Danach nahm das deutsche Team das Heft wieder in die Hand und kam in der 55. Minute auch zum vierten Treffer. Müller flankte von links in den Strafraum. Dort hatte Özil Zeit und Raum den Ball anzunehmen und aus acht Metern trocken zu verwerten. Sein Flachschuss traf das rechte Eck, wo Kroos im Abseits stand, aber nicht mehr eingriff.

Schwere deutsche Abwehrfehler helfen den Schweden

Die Party ging also weiter. Doch plötzlich trafen auch die Schweden in der 62. Minute. Eine weite Flanke des eingewechselten Kim Källströms köpfte Ibrahimovic gegen den Lauf von Manuel Neuer zum Ehrentreffer ein. Doch dabei sollte es nicht bleiben.

Nur zwei Minuten später war es wieder Källström, der einen Ball rechts in den Strafraum spielte. Dort verschätzte sich Holger Badstuber, sodass hinter ihm Mikael Lustig fast an der Grundlinie an den Ball kam und aufs Tor schoss. Dort war Neuer am kurzen Pfosten eigentlich gut platziert, doch er ließ das Leder passieren.

Nur weitere zwei Minuten später hatte Lustig gar die Chance zum Anschlusstreffer, doch er verpasste eine Kopfballverlängerung von Ibrahimovic bei einem Eckstoß frei am linken Pfosten knapp. Die deutsche Abwehr wackelte bedenklich.

Das schwedische Wunder

Löw reagierte und nahm Müller für Mario Götze aus dem Spiel. Das deutsche Team stabilisierte sich auch etwas und kam durch einen Schuss von Kroos auch wieder zu einer Torchance. Doch die Schweden hatten Blut geleckt und stürmten weiter. Als dann eine Viertelstunde vor Schluss Alexander Kacaniklic von einem Stellungsfehler Boatengs profitierte, auf links bis zur Grundlinie marschierte und Johan Elmander bediente, war der Weg zum dritten schwedischen Tor frei.

Niemals einen sicheren Eindruck hinterließ Manuel Neuer. Als er dann auch noch gegen Elmander das Leder im Strafraum verlor und dieser auf den gerade erst eingewechselten Tobias Sana an der Strafraumgrenze passte, schien das 4:4 fällig, da das Tor leer war. Doch der 23-Jährige traf bei seinem Länderspieldebüt nicht den Kasten.

Das 4:4 fiel dennoch: Nach einer Linksflanke verlängerte der von Ibrahimovic zu hart attackierte Mertesacker den Ball unglücklich in die Mitte des Strafraums. Dort schlug Rasmus Elm eiskalt zu und beförderte die Kugel aus vierzehn Metern in die Maschen des deutschen Tores.

Die Schweden verhinderten ihre erste Niederlage in Berlin, die deutsche Auswahl gab ein 4:0 her. Die Fans erlebten wahrlich einen historischen Abend im Olympiastadion.